Nach Fahrt durch Hecke wegen Unfallflucht angezeigt

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Gut gemeint hatte es ein 24-jähriger Untermarchtaler, der einen Unfall am 6. April bei der Frauenbergkirche mitbekam und die Polizei rief, weil er sich Sorgen um den Fahrer machte. Doch löste er damit eine Anzeige der Beamten gegen den 38-Jährigen wegen Unfallflucht aus, was gar nicht seine Absicht gewesen war. Das Verfahren gegen den Zwiefaltener Landwirt wurde am Dienstag im Amtsgericht Ehingen gegen die Zahlung von 1000 Euro an die Ehinger Katzenhilfe eingestellt: Er hatte sich am nächsten Morgen beim Pfarramt gemeldet ohne zu wissen, dass die Polizei eingeschaltet war. Der Mann trägt zudem die Kosten für die eigene Reparatur (2000 Euro) am Mercedes und wird die mit 800 bis 900 Euro veranschlagten Reparaturkosten an der Buchenhecke auch zu begleichen haben, die die katholische Kirchengemeinde übersenden wird.

Doch der Reihe nach: Nachdem der Untermarchtaler auf der Heimfahrt an jenem Mittwochabend im Dunkeln sah, wie die Mercedes G-Klasse von der Fahrbahn abkam, direkt durch die Hecke am Parkplatz der Frauen­bergkirche fuhr und erst etliche Dutzend Meter später auf dem Schotter zum Stehen kam, hielt der Maschinist an und fragte den Fahrer, ob alles in Ordnung ist. „Mir schien er nebs der Kappe“, sagte er am Dienstag Richter Wolfgang Lampa. Aus Sorge, weil der Mann verstört schien und doch kurz darauf weiterfuhr, rief er die Polizei. Er habe schon nach anderen Unfällen mitbekommen, dass Leuten im Schock gar nicht bewusst war, dass sie verletzt waren, so kam ihm das Weiterfahren gefährlich vor.

Der Zwiefaltener, der seine Freundin in einem Dorf in der Region besuchen wollte und in der Kurve aufs Bankett geraten war, berichtete vor Gericht, dass er nach dem Abrutschen von der Fahrbahn auf einen Baum zusteuerte und deshalb das Lenkrad herumriss, um in das kleinere Übel, die Hecke, zu fahren. „Wenn das so war, ist es die einzig richtige Reaktion gewesen“, sagte der Polizist als Zeuge aus, der einige Minuten später freilich nur noch den Untermarchtaler antraf und von Fahrerflucht ausging. Die Polizei traf den Mann auch nicht zuhause an, und am nächsten Tag erfuhr sie, dass er sich schon früh beim Pfarramt gemeldet hatte.

Warum der Unfall geschah, „darüber habe ich den ganzen Sommer nachgedacht“, sagte der Landwirt. Er vermute, es war die Kombination aus der enger werdenden Kurve und seiner geringen Erfahrung mit dem Geländefahrzeug, dass er erst zwei Wochen zuvor gebraucht gekauft hatte. Zu schnell sei er nicht gewesen. Er habe inzwischen einen Sehtest gemacht und sich eine Brille zugelegt.

Angestellter mit falscher Info

Ein Angestellter des Zwiefalteners, der ebenfalls vor Gericht aussagte, weil er an jenem Abend hinter seinem Chef fuhr und dann mit diesem die abgefallenen Autoteile einsammelte, berichtete, er sei davon ausgegangen, dass dieser 24 Stunden Zeit hat, sich beim Geschädigten zu melden. „Das mit der 24-Stunden-Regel können Sie vergessen“, belehrte Lampa, denn die gelte nur außerhalb des „fließenden Verkehrs“ und bei geringem Schaden.

Anwalt Armin Ege beantragte die Einstellung des Verfahrens gegen die Zahlung einer kleinen Geldstrafe, da schließlich das Gesetz für betrunkene Unfallfahrer gemacht sei, und in diesem Falle sei der Fahrer weder betrunken noch habe er sich wegstehlen wollen, sondern es sei ein Irrtum gewesen. Schließlich habe er sich selbstständig am nächsten Morgen im Pfarramt gemeldet. Lampa beharrte, dass trotzdem der Tatbestand gegeben sei, wenn auch im unteren denkbaren Bereich.

Die anwesende Rechtsreferendarin akzeptierte nach einem Anruf bei der Ulmer Staatsanwaltschaft trotzdem nur die Einstellung gegen die Zahlung von satten 1000 Euro Strafe. Der Landwirt bleibt zumindest straffrei, punktefrei und darf weiter Autofahren. Karin Mitschang

Vergehen Die landläufige Meinung, ein Zettel mit der Anschrift reiche aus, um sich nach einem Unfall im Straßenverkehr nicht strafbar zu machen, ist falsch. Eine 24-Stunden-Regel, nach der man einen Tag Zeit hat, um sich beim Geschädigten zu melden, gilt nur außerhalb des fließenden Verkehrs und bei geringem Schaden. Wer merkt, dass er das Eigentum eines anderen beschädigt hat, muss je nach Schadenshöhe und Begleitumständen eine angemessene Wartefrist erfüllen. Alternativ kann man eine „feststellungsbereite Person“ finden, gibt dieser am besten die Personalien per Ausweis durch. Wenn beides nicht geht, soll man die Polizei zur Aufnahme rufen. Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort wird mit empfindlicher Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft. kam

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