Beruf des Vermessungstechnikers: Mit Tachymeter und Bohrstock

Dem Ehinger Flurneuordungsamt fehlt der Nachwuchs. Deshalb gab es am Montag auf dem Marktplatz eine Werbeaktion für den Beruf des Vermessungstechnikers, die am Mittwoch fortgesetzt wird.

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  • Am Groggensee ermittelten die Schüler in einem 25-Meter-Raster den Wert des Bodens mit Bohrstöcken.  1/3
    Am Groggensee ermittelten die Schüler in einem 25-Meter-Raster den Wert des Bodens mit Bohrstöcken. Foto: 
  • Am Tachymeter (von links): Die beiden Realschüler Timo und Lukas mit  Vermessungstechniker Christian Gauss. 2/3
    Am Tachymeter (von links): Die beiden Realschüler Timo und Lukas mit Vermessungstechniker Christian Gauss. Foto: 
  • Mit Meterstab und Strahlensatz: Die Höhe des Rathauses wird vom Marktplatz aus gemessen. 3/3
    Mit Meterstab und Strahlensatz: Die Höhe des Rathauses wird vom Marktplatz aus gemessen. Foto: 
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Was ist ein Tachymeter? Wie kann man mit einem Meterstab die Höhe des Rathauses messen? Und wozu braucht man einen Bohrstock? Das alles erfuhren am Montagvormittag vier Schulklassen auf dem Ehinger Marktplatz. Das Flurneuordnungsamt war mit einem technischen und personellen Großaufgebot vertreten und informierte über Geodäsie und den Beruf des Vermessungstechnikers. „Wir brauchen nämlich Nachwuchs“, erklärt der Vermessungsingenieur Sigurd Quast.

Rund 90 Mitarbeiter zählt die gemeinsame Dienststelle der Flurneuordnung von Alb-Donau-Kreis und Landkreis Biberach in Ehingen. Davon sind derzeit 8 Auszubildende im Dienst. Die künftigen Vermessungstechniker gaben auch bereitwillig Auskunft, was ihnen an dem Beruf gefällt. Die Kombination aus drinnen und draußen, meinte Jasmin Buck, die im ersten Lehrjahr ist. Sie habe zunächst im Internet nach Berufen geschaut, die abwechslungsreich sind und dann ein Praktikum in Ulm gemacht, berichtet die 17-Jährige. „Da war ich im November zwei Tage bei einer Wertermittlung für die laufende Flurneuordnung in Dellmensingen dabei und das war wirklich spannend“, meint die Auszubildende. Was viele Jugendliche vielleicht abschrecke, sei die Tatsache, dass man bei Wind und Wetter draußen ist. Gegen schlechtes Wetter könne man sich zwar schützen, sagt Jasmin Buck, aber von solchen Vorbehalten habe sie dennoch schon gehört. Dabei seien die Geräte viel empfindlicher als die Menschen. „Wenn es zu heiß oder zu kalt ist, spielen die Geräte einfach nicht mehr mit“, weiß die junge Frau. „Der Feldrechner schaltet sich selber aus bevor er überhitzt“.

Alles andere als langweilig

Dass der Beruf alles andere als langweilig ist, wusste auch der Vermessungsingenieur Jonas Stadler zu erzählen. „In dem Beruf gehören auch Verhandlungen mit Eigentümern dazu“, erklärte er. „Und ich versichere euch, das ist alles andere als langweilig“, fügte er wissend hinzu. Der Satz „Wir müssen mal in Ihren Garten“ führe bei Grundstücksbesitzern gelegentlich zu Ablehnung, weil das meist der Startsatz für anfallende Kosten ist und „außerdem lassen einen die Leute ungern auf ihr Eigentum“. Doch solche Verhandlungen sind die höheren Weihen der Vermessungsingenieure, die ein Studium absolviert haben. Vermessungstechniker führen mit Tachymetern und Satellitennavigation zentimetergenaue Messungen durch, überwachen Bauvorhaben, übertragen Planungsdaten, machen Geländeaufnahmen und stellen Karten her. Auf dem Marktplatz sollten die Schüler mit einem Strahlensatz die Höhe des Rathauses messen. Ein rechtwinklig gebogener Meterstab gab dabei zwei Achsen vor und die dritte Achse schritten die Schüler zu Fuß ab. Dabei kamen erstaunlich genaue Ergebnisse heraus. Theresa Volz aus Oberdischingen maß 21,5 Meter. Die genau Höhe betrug 21,02 Meter. Mit dem Tachymeter maßen alle die genaue Höhe nach. „Man muss den Schülern etwas Praktisches anbieten, damit packt man sie“, sagte Sigurd Quast. Wie man Schüler beeindruckt, wusste auch Jonas Stadler. Der Ingenieur erzählte von Gletschervermessungen in Grönland und Kanada. „Das war wie Urlaub“, schwärmte er. Doch die Realschüler der 9b bissen nicht so richtig an. Manche wussten schon, was sie nach der Schule machen wollen und andere mögen keine Mathematik. Für einige war auch der Strahlensatz noch Neuland. Der Vermessungstechniker Christian Gauss erklärte trotzdem geduldig den Tachymeter, der durch die Reflexion eines Laserstrahls eine Strecke bestimmt. Seine Kollegin ließ die Schüler mit einer GPS-Antenne bestimmte Punkte suchen. Am Groggensee hantierten die Schüler mit einem Bohrstock und entnahmen Bodenproben. Der technische Sachbearbeiter Roland Biberstein erklärte anhand der Proben die Bodenbeschaffenheit und Bodengüte, die für die Flurneuordnung ein wichtiges Kriterium sind. Mit der Werbeaktion sind die Ehinger nicht alleine, sondern nehmen an der landesweiten Aktion des Landesamts für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg teil. Die Informationstage werden in Ehingen am Mittwoch mit zwei Schulklassen des Johann-Vanotti-Gymnasiums und der Längenfeldschule fortgesetzt. Auch Fragen von Passanten sind willkommen.

Beruf Die Ausbildung zum Vermessungstechniker dauert drei Jahre. Ausbildungsbeginn ist am Landratsamt Alb-Donau-Kreis immer am 1. September. Die Ausbildung erfolgt bei der Flurneuordnung und in der Berufsschule Stuttgart. Der Unterricht an der Berufsschule in Stuttgart ist Blockunterricht. Voraussetzung ist ein guter mittlerer Bildungsabschluss, gute Mathematikkenntnisse und räumliches Vorstellungsvermögen. Vergütung im ersten Jahr 936,82 Euro, im zweiten Jahr 990,96 und im dritten Jahr 1040,61 Euro (Stand ab Juli 2018) Ansprechpartnerin: Elke Franz 0731/779-2575 Videoclip: www.alb-donau-kreis.de/landratsamt/video_vermessungstechniker.php

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