Mit Pflasterpass zu mehr Sicherheit

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    Leane Müller von Pflaster-Pass hat den zwölf Vorschulkindern im Kindergarten St. Martinus in Kirchen Erste Hilfe mit einem pädagogischen und kindgerechten Konzept näher gebracht. Foto: 
  • Rainer Seiler (rechts) und Frank Liehr haben das Projekt Pflaster- Pass initiiert. 2/2
    Rainer Seiler (rechts) und Frank Liehr haben das Projekt Pflaster- Pass initiiert. Foto: 
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Aufmerksam lauschen die Vorschulkinder des Kindergartens St. Martinus gestern Vormittag der Geschichte vom kleinen Igelchen, der mit anderen Tieren übermütig im Wald spielt. Dann verletzt sich eines der Tiere. Das Igelchen leistet sofort Erste Hilfe. Dann verletzt sich das Igelchen - einige Tiere versorgen es mit Pflaster und Verband. Dann wählen sie die Notrufnummer 112. Das Igelchen überlebt.

Die gelernte Erzieherin und ausgebildete Krankenschwester Leane Müller vermittelt das Erzählte mit Unterstützung von bunten Bildern der Tiere und passender Szenen, die den Igel und seine Gefährten beim Spielen und bei der Ersten Hilfe zeigen. Dann dürfen die zwölf Mädchen und Jungs vom Kindergarten selber Hand anlegen. Leane Müller zeigt, wann man ein Pflaster und wann einen Verband braucht. Und wie wichtig es ist, die Notrufnummer 112 zu kennen. Damit die Nummer in den Köpfen der Kinder bleibt, singen sie noch gemeinsam das Lied „Ein Unfall ist passiert, 112 ist die Notfallnummer“.

Eine dreiviertel Stunde dauert der kindgerechte Erste-Hilfe-Kurs, basierend auf einem pädagogischen Unterrichtskonzert. Den Kindern gefällt das. „Jetzt weiß ich schon viel. Auch wie man einen Piratenverband am Kopf macht“, sagt ein Junge. Und ein Mädchen erzählt: „Mein Bruder hat vor kurzem am Finger geblutet. Das hat mir Angst gemacht. Nächstes Mal klebe ich gleich ein Pflaster drauf.“ Auch Linda Gerdes ist begeistert. „Das hat den Kindern richtig Spaß gemacht. Und sie wissen, was man bei einer Verletzung tun muss.“ Die Kindergartenleiterin verteilt an jedes Kind eine Erste-Hilfe- Box der Kampagne Pflaster-Pass.

Referentin Leane Müller überreicht an alle Teilnehmer einen Pflaster-Pass samt Button. Auch Manuela Jelacic vom Konzernmarketing der Dekra ist zufrieden. „Das Projekt bringt mit einfachen Mitteln alles, was Kinder der Altersgruppe zwischen vier und sechs Jahren gedanklich gut aufnehmen und selber umsetzen können.“ Weshalb der Pflaster- Pass mit dem Motto „Aus kleinen Helfern große Helden machen“ aus bundesweit 42 eingereichten Bewerbungen von Firmen, Organisationen und Institutionen als Sieger des Dekra-Award 2017 in der Kategorie „Sicherheit zuhause“ ausgewählt worden sei. Entschieden wurde nach Wirksamkeit, Innovationsgrad und Zukunftsfähigkeit; Preisverleihung ist am 24. Oktober in Düsseldorf.

Schon ein Schulprojekt im Kopf

Ein Filmteam war gestern vor Ort, um die unkonventionelle Erste Hilfe-Stunde aufzunehmen und bei der Preisverleihung zu zeigen. Rainer Seiler aus Öpfingen und Partner Frank Liehr haben den Pflaster-Pass initiiert. Geboren an einem geselligen Abend, bei dem die Familienväter ihre Unfall-Erlebnisse mit den eigenen Kindern erzählt hatten. Weil es gerade für Kleinkinder und Schulkinder keine Standards in den Erste-Hilfe-Maßnahmen gibt, die Zahl der Unfälle von Kindern aber gerade daheim dramatisch auf jährlich rund 530 000 zunimmt, reifte in dem Gesundheitsexperten Seiler und dem Kommunikationsspezialisten Liehr die Idee: „Wir entwickeln selber ein tragfähiges Konzept, bei dem Kinder für Unfallgefahren in Heim und Freizeit sensibilisiert und an die Grundlagen der Ersten Hilfe herangeführt werden.“ 2013 haben sie die Pflaster-Pass gGmbH gegründet, die von den Initiatoren auf ehrenamtlicher Basis geführt wird.

Der Pflaster-Pass soll sich auch künftig rein durch Spenden finanzieren. 3000 Kinder in Ost- und Norddeutschland wurden bereits mit dem Pflaster-Pass unterrichtet. Gestern in Kirchen war Auftakt für die Kampagne in Baden-Württemberg. Nächste Stationen sind die katholischen Kindergärten in Ehingen mit Teilorten.

Großes Ziel von Rainer Seiler und Frank Liehr ist, die Kindergärten im gesamten Bundesgebiet mit diesem einheitlichen Unterricht abzudecken. „Wir wollen aus kleinen Helfern große Helden machen“, betont Seiler. Derzeit arbeitet das kreative Duo schon an einem Erste-Hilfe-Konzept für Schulen mit Einbeziehung der Eltern. „Weil die meisten ihren einzigen Erste-Hilfe-Kurs beim Führerschein gemacht haben“, weiß Frank Liehr aus eigener Erfahrung

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