Mehr Frauen in den Gemeinderat

Muss Ehingen oder die Kommunalpolitik in Ehingen weiblicher werden? Diese Frage hat die SÜDWEST PRESSE Frauen gestellt, die auf vorderen Plätzen ihrer Listen für den Gemeinderat kandidieren.

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  • Mehr Frauen im Ehinger Gemeinderat ist das gemeinsame Ziel der fünf Kandidatinnen (von links) Viola Moll (CDU), Elisabeth Vögele (SPD), Julia Fischer (Junges Ehingen), Heidi Bossert (Grüne) und Elisabeth Heimbach (Freie). Fotos: Parteien und Gruppen 1/3
    Mehr Frauen im Ehinger Gemeinderat ist das gemeinsame Ziel der fünf Kandidatinnen (von links) Viola Moll (CDU), Elisabeth Vögele (SPD), Julia Fischer (Junges Ehingen), Heidi Bossert (Grüne) und Elisabeth Heimbach (Freie). Fotos: Parteien und Gruppen
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"Frauen sind in der Bevölkerung die Mehrheit, im Ehinger Gemeinderat sind die Frauen unterrepräsentiert", sagt Elisabeth Vögele (SPD). "Zahlenmäßig wären sicher mehr Frauen im Gemeinderat wünschenswert, insofern sollte er also ,weiblicher werden. Wir Frauen verstehen uns aber nicht als Konkurrenz zu den Männern, sondern wir wollen zusammen mit den Gemeinderäten bei allen Themen möglichst viele Sichtweisen aufzeigen, diskutieren und dann Entscheidungen treffen." Für die Religionspädagogin hat sich in Ehingen schon einiges zum Positiven gewendet; die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei leichter geworden. "Frauen nehmen ihre Umwelt anders wahr als Männer, die Innenstadtgestaltung wird durch Diskussionsbeiträge von Gemeinderätinnen vielfältigere Aspekte berücksichtigen", nennt sie als weiteren Aspekt.

Nur mit "leichtem Missmut" antwortet Viola Moll (CDU). Sie verweist darauf, dass sich in Zeiten von Conchita Wurst eine solche Frage eigentlich erübrigen sollte, verweist dann aber auf die Situation im Ehinger Gemeinderat: Im jetzigen Gremium seien von 37 Gemeinderatsmitgliedern nur fünf weiblich, davon vier in der CDU-Fraktion und eine Stadträtin bei den Grünen. Alle anderen Fraktionen sind frauenlos. "Ich kann nur hoffen, dass sich dies nach der nächsten Wahl ändern wird. Das können die Bürgerinnen und Bürger erreichen, indem sie den Frauen, die bereit sind, sich politisch zu engagieren, viele Stimmen geben. Dies erreicht man am leichtesten auf den Listen, auf denen viele Frauen kandidieren", sagt die Geschäftsfrau und verweist auf die CDU-Liste mit einem Frauenanteil von nahezu 30 Prozent. Im übrigen würden heute Familienentscheidungen nicht mehr geschlechtsspezifisch gefällt, "sondern von Eltern, von Männern und Frauen, und so halten wir es bisher auch im Ehinger Gemeinderat." Familienpolitik werde mit Sicherheit auch im neuen Gremium beispielhaft weitergeführt, "damit sich von unseren Kleinsten im Kinderhaus bis zu unseren Senioren im neuen Bürgerhaus alle in ihrer Heimatstadt wohlfühlen können, egal ob weiblich oder männlich".

Für Heidi Bossert von den Grünen gibt es in Ehingen "eine Vielzahl an großartigen Initiativen und ehrenamtlichen Aktivitäten, die vorrangig von Frauen getragen werden. Diese wichtige Rolle der Frauen in Ehingen sollte sich unbedingt auch bei der Besetzung von leitenden Funktionen in der Verwaltung und im Gemeinderat widerspiegeln. Es muss alles dafür getan werden, um Frauen eine verstärkte Teilhabe am politischen und öffentlichen Leben in Ehingen zu ermöglichen, beispielsweise durch die Förderung von flexiblen Kinderbetreuungsangeboten auch abends. Eine meiner Ansicht nach oft in Erscheinung tretende weibliche Eigenschaft, die ich auch immer wieder an mir selbst feststelle, ist es, sich selbst in Frage zu stellen und zurückzunehmen. Hier ist es wichtig, mehr Mut und Selbstvertrauen an den Tag zu legen."

Diesen Aspekt nennt auch Julia Fischer von der Liste Junges Ehingen: "Ich habe oft den Eindruck, dass vielen Frauen der Mut fehlt, ihre Interessen oder die einer Gruppe zu vertreten. Auch fehlt gerade alleinerziehenden Müttern oft schlichtweg die Zeit, sich zum Beispiel politisch zu engagieren. Ich denke, Ehingen und auch die Kommunalpolitik in Ehingen kann genau dann weiblicher werden, wenn ein Umdenken in der Gesellschaft stattfindet. Wenn mehr Frauen mutiger sind, Unterstützung erhalten und gewählt werden, dann wird sich der Rest von selber ergeben. Die Verantwortung hierfür liegt somit bei jedem Einzelnen selbst."

Auch Elisabeth Heimbach, die als eine von zwei Frauen auf der Liste der Freien kandidiert, hat die aktuelle Sitzverteilung im Ehinger Gemeinderat im Blick: "37 Sitze, davon fünf Frauen, das spricht schon für sich", antwortet die Ortschaftsrätin aus Heufelden/Blienshofen. "Der Frauenanteil liegt bei nur 13,51 Prozent. Es wäre wünschenswert, wenn mehr Frauen im Gemeinderat vertreten wären." Bei ihrer Kandidatur gehe es ihr aber weniger darum, "die Frauenquote zu heben, sondern eine sachorientierte und unabhängige Kommunalpolitik zu betreiben."

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