Mehr als einmal um die Welt

Er ist ein Vollblutsportler und hat den VfL Munderkingen in der ganzen Welt repräsentiert: Der Geher Alfred Ludwig war dreimal Welt- und zweimal Europameister. Mit 71 hört er nun auf mit dem Leistungssport.

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Alfred Ludwig hat in seinem bisherigen Leben viele Medaillen gesammelt. Mit 71 hört er jetzt mit dem Leistungssport auf. Foto: Doris Moser

Die Erde hat er mehr als umrundet während der 45 Jahre, die Alfred Ludwig aus Munderkingen als Geher unterwegs war. Bei den beinahe unzähligen Wettbewerben, Europa- und Weltmeisterschaften in aller Herren Länder sowie dem erforderlichen Training hat er 53 000 Euro zu Fuß zurückgelegt. Er selbst nennt dies "fast abartig", doch dahinter steht eine große Leidenschaft für das Straßengehen.

Einen anstrengenden Sport hat sich Ludwig da ausgesucht, denn sehr oft war er stundenlang in glühender Hitze bei 35 bis 40 Grad auf Tour. Über die Jahrzehnte hinweg hat er akribisch Buch geführt und so lässt sich genau aufschlüsseln, wie intensiv er seinem Sport gefrönt hat. 400 000 Kilometer ist er mit Flugzeugen zu Wettbewerben geflogen, 145 000 Kilometer reiste er mit dem Auto, um in 50 Ländern an den Start zu gehen. 22 Welt- und 26 Europameisterschaften listet Alfred Ludwig auf, dazu unzählige andere internationale Wettbewerbe. Dreimal wurde er Weltmeister, zweimal Europameister - und dies bei starker Konkurrenz. Er war in Afrika, Australien, Ozeanien, China, Japan, Alaska und Russland, maß sich mit wenigen Ausnahmen in allen europäischen Ländern, von Norwegen bis Spanien, mit Gleichgesinnten, meistens als Einzelgeher. Dabei gab es auch Abwerbungsversuche. "Die Frankfurter Geher wollten mich unbedingt anwerben, doch ich bin dem VfL treu geblieben und habe es nicht bereut", erzählt der Geher.

Sämtliche Reisekosten habe er selbst finanziert, nur ab und zu habe der VfL die Startgebühren bezahlt, stellt Ludwig klar. Er habe für seinen Sport gelebt und gearbeitet, wobei er seinem Chef Manfred Tries einen besonderen Dank ausspricht. "Er war sehr tolerant und hat mich zu jeder Zeit zu den Wettbewerben ziehen lassen, sonst wären diese Leistungen nicht möglich gewesen." Dies gelte auch für seine Frau Hedwig, die ihren Mann stets auf den Sportreisen begleitet und betreut hat.

Alfred Ludwig, der 1945 als Kind mit den Eltern aus Südmähren fliehen musste und über Österreich und Bayern mit der Familie 1955 nach Munderkingen kam, hatte sich zuerst dem Tischtennis verschrieben, spielte beim TSV Pfuhl und von 1960 bis 1965 beim TSV Ulm in der Oberliga. "Doch Gerhard Elstner bekniete mich damals regelrecht, doch bei den Munderkinger Gehern mitzumachen, die eine Mannschaft bilden wollten, es wenigstens mal zu probieren. Daraus sind nun 45 Jahre geworden", sinniert Ludwig. Er hat sich dem Langstrecken-Gehen verschrieben und ist alles gegangen, was es in diesem Metier gibt. 100 Kilometer und 100 Meilen, in Südfrankreich legte er 180 Kilometer Nonstop zurück und in der Schweiz waren es 300 Kilometer in sechs Tagen. Als einziger Geher hat Ludwig den 100 Kilometer langen Lugano-Cup zehn Mal in Folge hingelegt. Ein Mal indessen hat er Nein gesagt, obwohl es eine recht attraktive Herausforderung war: Die 520 Kilometer von Straßburg nach Paris ist er nicht gegangen, auf dringendes Anraten seiner Frau. Sie kannte zwei Geher, die nach dieser Ochsentour psychische Wracks waren. "Diesem Risiko wollte ich mich nicht aussetzen", sagt Ludwig. Doch bei allen Starts er sei immer ans Ziel gekommen, aufgegeben habe er nie.

Mit konsequentem und zum Teil hartem Training hat er sich über die Jahrzehnte fit gehalten, heute noch ist er fit und drahtig. Zwei- bis dreimal pro Woche ging er 25 Kilometer auf der Straße, Richtung Federsee war seine bevorzugte Route. Jetzt hängt der Geher seine Laufschuhe zwar nicht an den Nagel, doch den Leistungssport gibt er auf. Weiterhin wird er Tischtennis spielen beim SSV Ulm, wo er trotz seiner Geher-Karriere immer an der Platte stand. Auch in dieser Disziplin war er schon 15 Mal bei den Senioren-Weltmeisterschaften dabei. Und als ob dies nicht genug wäre, trainiert er auch noch den Tischtennisnachwuchs des VfL Munderkingen. Das macht ihm Spaß.

Der VfL Munderkingen wird den Geher Alfred Ludwig in der Jahreshauptversammlung am morgigen Freitag aus dem aktiven Sport verabschieden und seine Leistungen würdigen. Beansprucht habe er den Verein kaum, resümiert Ludwig. Er hatte einen Anzug, zwei Sporthemden und eine Sporthose von seinem Verein bekommen, alles andere finanzierte er selbst. Eine der Jacken habe er Bürgermeister Michael Lohner geschenkt.

Apropos Sportjacke: Als Alfred Ludwig einmal in Melbourne in Australien sportlich unterwegs war mit dem Emblem des VfL Munderkingen auf dem Rücken, sprach ihn ein Mann an und fragte, ob die Munderkinger Fasnet immer noch so schön sei. Der Mann stammte aus Blaustein und war nach Australien ausgewandert. Die Wuselinger Narretei hatte er offenkundig noch in guter Erinnerung.

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