Magdalena-Neff-Schule hofft auf Spenden für Mutmacher-Kässchen

Schüler in finanzieller Not - das erleben Lehrer der Magdalena-Neff-Schule immer wieder im Alltag. Um schnell handeln zu können, soll ein Mutmacher-Kässchen eingerichtet werden. Die Schule hofft auf Spenden.

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Manchmal wird man im Schulalltag mit ganz existenziellen Problemen konfrontiert. "Wir hatten einmal eine Schülerin, die ganz blaugefroren hier ankam", sagt Dr. Claudia Simon-Kuhlendahl, Leiterin der Magdalena-Neff-Schule in Ehingen. Es stellte sich heraus, dass bei dem Mädchen zuhause Strom und Heizung abgestellt wurden. Die Mutter sei Alkoholikerin gewesen, habe den Unterhalt, den die Tochter vom Jugendamt erhielt, vertrunken. "Solche Extremfälle gibt es", sagt Simon-Kuhlendahl. Die Schulleiterin hat in ihrer beruflichen Laufbahn schon einiges gesehen. Immer wieder bekämen sowohl sie als auch andere Lehrer mit, dass Schüler in großen Schwierigkeiten steckten. "Wir haben es schon erlebt, dass jemand im Unterricht zusammengebrochen ist - vor Hunger", berichtet Simon-Kuhlendahl. Manchmal sind mehrere Mahnungen ins Haus geflattert, weil die Schüler ihre Fahrkarten nicht bezahlen konnten. Es sei auch vorgekommen, dass die Wohnung gekündigt wurde, weil die Unterlagen für den Bafög-Antrag nicht rechtzeitig eingereicht wurden.

Solche Fälle gebe es "durch die Bank von der zweijährigen Berufsfachschule bis zum Gymnasium". Oftmals seien es Jugendliche aus zerbrochenen Familien. Manche von ihnen müssen sich ganz alleine durchschlagen. "Sie sind mitunter sehr allein mit ihren Problemen", weiß Claudia Simon-Kuhlendahl. "Ihr seid erwachsen, seht zu, dass ihr klar kommt" - so würden es manche Eltern halten. Des öfteren betreffe es daher Schüler, die 18 Jahre und älter sind. Doch mit 18 sei man noch lange nicht erwachsen: "Wir haben es ganz oft, dass die Schülerinnen alleine wohnen und überfordert sind. Viele packen die Schule nicht", sagt Simon-Kuhlendahl.

Die Magdalena-Neff-Schule besuchen 500 Schüler. Drei bis fünf Mal im Jahr komme so etwas vor. "Soziales Elend gibt es. Auch bei uns", sagt Simon-Kuhlendahl. Für die Betroffenen sei die Situation sehr schwierig: "Es ist eine Mischung aus Verzweiflung, Scham und Wut." Manchmal offenbaren sich die Jugendlichen einem Lehrer oder der Jugendsozialhilfe. Manchmal sind es die Lehrer, denen etwas auffällt. In jedem Fall gelte es, sehr sensibel vorzugehen.

Doch auch für die Lehrer stellen solche Situationen eine Herausforderung dar - der Handlungsrahmen ist eingeschränkt. Denn bei Minderjährigen kann das Jugendamt eingreifen, für die Älteren gelte dies nicht. Bisher seien die Lehrer eingesprungen und haben privat finanziell geholfen. "In solchen Notfällen, wäre es gut, wenn man schnell handeln könnte", sagt Simon-Kuhlendahl. Künftig soll es daher an der Schule ein "Mutmacher-Kässchen" geben. Es gehe dabei ausschließlich darum, Schülern in Notlage schnell und unbürokratisch helfen zu können, betont die Schulleiterin. Aus dem Kässchen könnten etwa das Essen oder ein Vorschuss für die Miete gezahlt werden. "Später, wenn zum Beispiel das Bafög kommt, kann man darüber reden, wie viel der Schüler zurückzahlen kann oder ob der Förderverein der Schule etwas übernimmt." Das Mädchen, das frierend in die Schule kam, habe übrigens seinen Abschluss geschafft. "Sie hat ihren Weg gefunden", sagt Simon-Kuhlendahl. Die Chance sollen die anderen auch bekommen.

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