Liebherr: Probleme beim Kran-Transport

Bei Liebherr in Ehingen gibt es Sorgen über marode Brücken und Straßen im Land. Dies war ein Thema beim Gespräch mit FDP-Abgeordneten. Auch zum Russland-Geschäft gab es Fragen.

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Große Krane, schwieriger Transport (von links): Die FDP-Abgeordneten Jochen Haußmann und Dr. Hans-Ulrich Rülke gestern im Gespräch mit Liebherr Geschäftsführer Dr. Hubert Hummel.  Foto: 

Die FDP ist derzeit nach erneuten Wahlniederlagen wieder einmal in schwerem Fahrwasser. Jetzt haben sich Landtagsabgeordnete der Liberalen im Raum Ehingen umgeschaut - wohl auch, um im Hinblick auf die Wahl in Baden-Württemberg 2016 schon einmal Präsenz zu zeigen.

Bei Liebherr in Ehingen diskutierten die Abgeordneten mit Geschäftsführer Dr. Hubert Hummel, Personalleiter Jürgen Joos und Versandabteilungsleiter Bruno Seele. Etwas lag den Liebherr-Verantwortlichen besonders auf dem Herzen: Der Transport der schweren Krane aus dem Werk zu den Kunden stößt wegen maroder Infrastruktur auf immer mehr Hürden. Seele präsentierte den Abgeordneten eine lange Liste von baufälligen Brücken und Straßen im ganzen Bundesgebiet, die oft weite Umwege nötig machen. "Wir fahren zu oft mit der Kirche ums Dorf", fasste Seele zusammen. Seine Schilderungen der Routen, die die Großraum- und Schwerlasttransporte von Liebherr mittlerweile nehmen müssen, klingt abenteuerlich: Um nach Hamburg zum Seehafen zu kommen, müssen die Transporte jetzt einen erheblichen Umweg über Potsdam nehmen - in den neuen Bundesländern sind die Autobahnen noch besser intakt. "Zum Glück", sagte Seele. Aber für einen Transport sind immer enorme Anträge auszufüllen, eine Genehmigung dauert Wochen.

Vor allem aber die Lage in der Region treibt den Liebherr-Verantwortlichen etliche Sorgenfalten auf die Stirn: Zwei Routen sind für die Kran-Transporte vorgesehen, um zum Autobahnkreuz Elchingen zu gelangen. Beide machen Probleme. Die "grüne" Strecke führt durch Erbach und über die Kast-Brücke im Ulmer Donautal. 53 Kilometer lang ist diese Strecke, 55 Minuten Fahrzeit und 39 Liter Diesel braucht ein Transport dafür. Die "rote" Strecke führt über Münsingen-Böttingen-Merklingen auf die Autobahn. 80 Kilometer sind dabei zu bewältigen, 112 Minuten Fahrzeit und 80 Liter Diesel braucht ein Transport bis zum Autobahn-Kreuz. Seele machte deutlich, dass beide Routen ihre Nachteile haben. Bei der Strecke durch Erbach müsse die Ortsdurchfahrt bewältigt werden, es gebe Fahrauflagen und Engstellen, Polizei sei notwendig. Aber noch problematischer sei wohl die Strecke über Münsingen: Sehr schmal seien die Straßen, es gebe zum Teil keine Markierungen, auf der Route liege viel Schnee und Eis im Winter. Es bestehe erhöhte Unfallgefahr. "Wir sagen den Fahrern immer, sie sollen auf dieser Strecke sehr vorsichtig sein." Bei Liebherr machen sich die Verantwortlichen laufend Gedanken über neue Routen zum Autobahn-Kreuz. Aber eine Strecke etwa durchs Ulmer Stadtgebiet sei nicht praktikabel. "Wir brauchen ganz dringend die Querspange bei Erbach", sagte Seele. "Dann wären viele unserer Probleme gelöst." Die Problematik hat Liebherr Ehingen vor kurzem auch Regierungspräsident Hermann Strampfer erläutert. Lob erhielten übrigens die Stadt Ehingen und das Regierungspräsidium für die Zusammenarbeit beim Umbau der Fischerkreuzung.

Die FDP, die mit dem Fraktionsvorsitzenden Dr. Hans-Ulrich Rülke, seinem Stellvertreter Jochen Haußmann und dem in den Landtag nachgerückten Abgeordneten Niko Reith angereist war, kann sich eine Infrastruktur-Gesellschaft wie in Österreich oder der Schweiz zur Sanierung der Verkehrswege vorstellen. Die FDP will sich zudem für besondere Mittel für die Brückensanierung im Land einsetzen.

Auch der aktuelle Stand beim Russland-Geschäft von Liebherr Ehingen kam zur Sprache: Auf 200 Millionen Euro belief sich zuletzt das Geschäft des Kranherstellers in Russland, das sind knapp 10 Prozent des Umsatzes. Ersatzteile sind von Sanktionen betroffen. Doch was das Geschäft mit Russland und der Ukraine schwierig macht, sind oft die indirekten Auswirkungen der Krise, schilderte Geschäftsführer Hummel beim Gang durch das Werk: Banken zögern wegen des schwelenden Konflikts, etwa in Leasing-Geschäfte einzusteigen.

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