Liebherr hat die Mastnase vorn

In den vergangenen Monaten waren zwei Liebherrkrane an dem imposanten neuen Schiffshebewerk am Oder-Havel-Kanal im Einsatz. Sie bestückten es mit tonnenschweren Betonblöcken.

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Seit mehr als 80 Jahren tut eines der sehenswertesten Industriedenkmäler in Deutschland zuverlässig seinen Dienst: das Schiffshebewerk in Niederfinow am Oder-Havel-Kanal. An dieser Wasserstraße, die Berlin mit dem polnischen Stettin verbindet, verhilft es dem Schiffsverkehr einen 36 Meter hohen Geländesprung zu überwinden. In einem gewaltigen Wassertrog, der wie eine Schleusenkammer geschlossen werden kann, transportiert das Vertikal-Hebewerk bis zu 80 Meter lange Lastschiffe.

Doch das imposante Produkt deutscher Ingenieurskunst ist mit den Jahrzehnten zu klein geworden. Längere Binnenschiffe und Containerschiffe mit höherem Aufbau passen nicht in den Trog, Schubverbände müssen geteilt in den Aufzug. Deshalb wird seit sieben Jahren einen Steinwurf entfernt an einem leistungsfähigeren Lift für Lastschiffe gebaut. Zwei Liebherr-Raupenkrane LR 1600/2 bestückten in den vergangenen Monaten das neue Hebewerk mit Betonblöcken mit einem Gesamtgewicht von rund 10 000 Tonnen. Sie dienen künftig als Gegengewicht für den Wassertrog und die Schiffe. Zum Einbau der Kontergewichte in das Bauwerk benötigten die Krane besonders lange Mastnasen mit großer Traglast.

Die Standardmastnase für diesen Liebherr-Raupenkran hat eine Nutzlast von 36 Tonnen und ist zwei Meter lang. Für dieses Vorhaben jedoch wurde vom Kunden, dem belgischen Kran- und Transportspezialisten Sarens, eine Mastnase mit fünf Meter Länge und einer Nutzlast von 104 Tonnen bei Liebherr angefragt. Und die Ingenieure im Ehinger Kranwerk haben geliefert.

Nur mit diesem abgewinkelten Vorsatz konnten die Krane ihren Gittermast unter eine Störkante des Gebäudes schwenken und die Hakenflasche von oben durch die Fangrahmen für die Kontergewichte absenken. Bei jedem Hebevorgang wurden zwei Ballast-Blöcke mit insgesamt 89 Tonnen Gewicht auf knapp 40 Meter Höhe in die vormontierten Einfassungen gezogen und dann an die armdicken Stahlseile des Hebewerks gehängt.

Die Fangrahmen umgreifen später die gesamten Gewichte der einzelnen Gefache und dienen als Sicherheitseinrichtung. Bei einem Seilriss würde der gelöste Betonblock von den Seilen der übrigen Gewichte gehalten werden.

Die beiden eingesetzten Raupenkrane und die Montage-Teams waren an beiden Flanken des neuen Schiffshebewerks immer auf derselben Höhe tätig. Auch war aus Gründen der Statik ein nahezu synchroner Einbau der Kontergewichte gefordert. Der Schiffstrog, auf den über die Stahlseile große Zugkräfte wirkten, durfte nicht lange einseitigen Belastungen ausgesetzt werden. Im Bauch der 115 Meter langen Wanne stapelten sich indes tausende Sandsäcke.

Das neue Schiffshebewerk wird nicht vor 2017 seinen Dienst aufnehmen. Dann werden 65 000 Kubikmeter Beton und Stahlbeton in den 300 Millionen Euro teuren Lift der Superlative verbaut worden sein.

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