Landesjazzfestival: Max Mutzke zieht ein großes Publikum an

Jazz satt brachte das Wochenende den Ehingern. Das Landesjazzfestival wartete mit musikalischen Kleinodien und großem Sound auf. Vor allem Max Mutzke war am Samstag der Publikums-Magnet.

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Gab es beim Landesjazzfestival in Ehingen ein Instrument, das man nicht erleben konnte? Man muss eine Weile überlegen, um etwas Exotisches zu finden, das am Wochenende und zuvor nicht zu hören war. Selbst die Orgel war heuer dabei. Drei Tage erlebte Ehingen die unterschiedlichsten Jazz-Formationen und Stile. Unterhaltsames, Lautes, Differenziertes und Einfaches war dabei. Der große Sound traf auf viele Ohren. Nur am Freitag beim Auftritt desjenigen, der die Jazztage mit begründete, hätte sich der Ehinger Jazzclub mehr Zuhörer gewünscht. Mit "Beauties meet the Beats" aus jungen Künstlern der Region hörte das Publikum frischen Sound in einer etwas anderen Verpackung. Fusion-Titel wie von Chick Corea reihten sich an "Summertime" aus Porgy and Bess. Als Ersatz für Jessica Porter war Semi Hwang eingesprungen, die zusammen mit Vanessa Porter ein wunderbares afrikanisch angehauchtes Duo auf der Trommel und an der Marimba spielte. Man hörte die Klapperschlange förmlich klappern.

Als Mann der ersten Stunde des Ehinger Jazzclubs trat danach Wolfgang Lackerschmid auf. Der international agierende Künstler hatte internationale Größen mitgebracht, wie Ryan Carniaux an der Trompete. Fulminante Exkursionen in brasilianische Regionen wechselten mit gefühlvollen Balladen und scheinbar leichten Melodien, über die sich kunstvolle Girlanden der Solisten spannten. Man hörte Schiffschaukelklingeln und Schellengeläut bei "Boats in the air", einem Rummelplatzsong. Lackerschmids Ballade "Lady F" gab dagegen musikalisch Rätsel auf.

Der Vibraphonist erklomm am Samstagmorgen auch die Empore der Stadtpfarrkirche St. Blasius und spielte mit Volker Linz wunderbare Improvisationen über gängige Kirchenlieder wie "Nun bitten wir den Heiligen Geist". Sich gegenseitig Schwung gebend und wieder ausbremsend, harmonierten die Orgel und das Vibraphon so gut, dass die Orgel leichter als sonst und das Schlaginstrument "kirchlicher" als gewohnt klang.

Am Samstagabend mischten sich unter das Publikum auch auswärtige Gäste. Max Mutzke und die SWR Big Band erwiesen sich als Zugpferde der Jazztage. Wer zu spät kam, musste stehen. Der Entertainer verbreitete beste Stimmung, erwies sich musikalisch als Jazzer und gab alle Emotionen in seine Stimme, ballte die Faust, zog die Knie bis fast ans Kinn und drehte sich auf seinen Turnschuhabsätzen um sich selbst. Das Publikum feierte den Sänger beinahe frenetisch. Ihrem Ruf gerecht wurde auch die SWR Big Band, die aus dem Album "Our likes" spielte. Überragende Solisten verstanden sich auf Swing, Latin und Humor a la "Schwäbsche Eisenbahne". Ein schräger Schluss zierte so das Big-Band-Konzert, von dem aus Mutzke mit dem Hubschrauber zu einer TV-Sendung ausflog (wir berichteten). Samstagnacht erlebten auch die beteiligten Kneipen einen Besucheransturm.

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