Krankheiten vorwiegend des Alters

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Dr. Michael Jamour ist Chefarzt der geriatrischen Rehaklinik in Ehingen. Foto: Michael Fuchs  Foto: 

. „Manche Forscher stellen die provokante These auf, das es sich bei den Erkrankungen Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson um dieselbe Grundproblematik mit zweierlei Polen handele“ sagte Dr. Michael Jamour, Chefarzt der geriatrischen Rehaklinik in Ehingen. Beides sind langsam chronisch fortschreitende Erkrankungen des Gehirns, die durch Eiweißablagerungen zum Untergang von Nervenzellen führen und werden daher als neurodegenerative Erkrankungen bezeichnet. In beiden Fällen ist bis heute keine Heilung möglich. Therapiert werden können nur die Symptome, mit dem Ziel, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen, erklärte Jamour den zahlreichen Zuhörern im Allmendinger Bürgerhaus.

Unterschied der Erkrankungen

Der grundsätzliche Unterschied zwischen Alzheimer und Parkinson sind die Gehirnregionen in denen sie entstehen. Während Morbus Alzheimer im Hippocampus, dem Sitz des Kurzzeitgedächtnisses entsteht, beginnt Morbus Parkinson in den Zellen der Substantia Nigra (schwarze Substanz) die im Gehirn für Motorik zuständig sind. So sind auch die anfänglich stark unterschiedlichen Symptome, die Erkrankte im ersten und zweiten Stadium haben, zu erklären. Während der Alzheimer-Patient im ersten Stadium am Verlust des Kurzzeitgedächtnisses leidet und oft auch Stimmungsschwankungen dazu kommen können, hat der Patient mit Parkinson zunächst mit der Verlangsamung seiner Mimik zu kämpfen und erst im zweiten Stadium mit Problemen beim Gang und bei der Körperhaltung. Geistig ist er aber normalerweise voll leistungsfähig.

Das zweite Stadium bei Alzheimer geht dagegen mit dem starken Ausfall kognitiver Fähigkeiten einher. Die schwierigste Phase für den Patienten sei daher eher das erste Stadium, meinte Jamour, weil er sich damit auseinandersetzen müsse, dass er an einer unheilbaren Krankheit leide. Im zweiten Stadium seien Alzheimerpatienten dann eher mit sich im Reinen. Die emotionalen Fähigkeiten sind in diesem Stadium aber laut Jamour noch voll erhalten. Die Patienten merken sehr wohl wenn sie Zuwendungen erfahren, etwa bei Berührungen und Gesprächen. Beide Krankheiten führen letztlich zur vollen Pflegebedürftigkeit mit Bettlägerigkeit, Inkontinenz und Ähnlichem.

Möglichkeiten der Behandlung

Medikamentöse Behandlung sollte bei beiden Erkrankungen gut abgewogen werden. Der Linderung von Symptomen und einer Hinauszögerung der Krankheitsverläufe stehen mögliche, teils unangenehme Nebenwirkungen der Medikamente gegenüber. Viele Tipps zum Umgang mit Erkrankten, die pflegenden Angehörigen spielen hier eine wichtige Rolle, gab Jamour seinem Publikum. Wichtig sei, die Erkrankungen in die Normalität zu holen und sie nicht zu verschweigen. Sie sind eben Teil unserer alternden Gesellschaft geworden.

Neue Therapieansätze zeichnen sich laut Jamour vielleicht durch die Erforschung des Vorgangs der Autophagie, der zellinternen Müllabfuhr ab, die schädliche Proteine aus dem Verkehr zieht. Für seine Arbeit daran hat der Japaner Yoshinori Ohsumi in diesem Jahr den Nobelpreis für Medizin erhalten. Mit dieser Hoffnung beendete Jamour seinen Vortrag und stand danach seinen Zuhörern noch für eine Reihe Fragen zur Verfügung. Joachim Schultheiß

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