Konrad Sam, der Reformator aus Rottenacker

Konrad Sam war Münsterpfarrer und hat in Ulm die Reformation eingeläutet. In seinem Heimatdorf kam diese erst später an, wie Forscher Gunther Dohl weiß.

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  • Zwei Bilder der Pfarrkirche in Rottenacker stellen die Bedeutung der Reformation dar (Nordseite Chor). Dieses (links) zeigt Paulus vor Festus [oder Gallio], dabei steht: „Dieser Mensch überredet die Leute, Gott zu dienen dem Gesetz zuwider.“ Und über dem Bild „Luther vor dem Cardinal Gajetan“ steht „Luther verteidiget vor dem Cardinal Cajetan die ev. Lehre und moniert durch das Wort Gottes vor dem Cardinal wie Paulus vor Aggripina und Festum“ (1767/68  von Michael Frey jung, Johann Martin Klauflügel gemalt). Mehrere Darstellungen des heiligen Wolfgang (rechts) sind wohl nach Oberstadion gekommen. 1/2
    Zwei Bilder der Pfarrkirche in Rottenacker stellen die Bedeutung der Reformation dar (Nordseite Chor). Dieses (links) zeigt Paulus vor Festus [oder Gallio], dabei steht: „Dieser Mensch überredet die Leute, Gott zu dienen dem Gesetz zuwider.“ Und über dem Bild „Luther vor dem Cardinal Gajetan“ steht „Luther verteidiget vor dem Cardinal Cajetan die ev. Lehre und moniert durch das Wort Gottes vor dem Cardinal wie Paulus vor Aggripina und Festum“ (1767/68  von Michael Frey jung, Johann Martin Klauflügel gemalt). Mehrere Darstellungen des heiligen Wolfgang (rechts) sind wohl nach Oberstadion gekommen. Foto: 
  • Bild des hl. Wolfgang in Oberstadion vermutlich aus Rottenacker Reformation 2/2
    Bild des hl. Wolfgang in Oberstadion vermutlich aus Rottenacker Reformation Foto: 
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Das 500-jährige Reformationsjubiläum, das heuer gefeiert wird, hat auch für das Dorf Rottenacker eine besondere Bedeutung, wie Heimatforscher Gunther Dohl in einem Aufsatz mittels vieler historischer Dokumente zusammengefasst hat. In der evangelischen Exklave wurde die Reformation allerdings erst 1534 durch Herzog Ulrich eingeführt, „obwohl mit Konrad Sam ein bedeutender Reformator aus der Gemeinde erwachsen ist“, wie Dohl schreibt. Die österreichisch-habsburgische Regierung, die damals in Württemberg herrschte, hätte reformatorische Bestrebungen vorher nicht geduldet. Sams Wirken zeigte sich daher nur in der Reichsstadt Ulm.

Aus Brackenheim vertrieben

Um 1483 in Rottenacker geboren, soll der begabte Junge von der verwandten Familie Stocker gefördert worden sein: Er besuchte die Lateinschule in Ulm, soll ab Juni 1505 an der Universität in Freiburg (Breisgau) immatrikuliert gewesen sein. 1509 studierte „Conradus Sain de Rotnacker“ dann in Tübingen. Von 1513 an war er Prediger in Brackenheim. Erste Kontakte zum Begründer der Reformation, Martin Luther, nahm er wohl 1520 auf. Luther sandte ihm einem wohlwollenden Brief und einige seiner Schriften. Sam wurde nach einem Besuch durch den ehemaligen Franziskaner und Flugschriftenschreiber Johann Eberlin von Günzburg dann 1524 als Pfarrer entlassen: „Man [die österreichische Regierung] hat ihn aus der Stadt Brackenheim vertrieben, wegen seiner Auffassung des Wortes Gottes wegen“, schreibt Sebastian Fischer, Sams Neffe, in einer Chronik. Konrad Sam fing noch im selben Jahr in Ulm als Prediger an, zuerst in der Barfüßer-Kirche, dann wegen der großen Schar der Zuhörer im Münster.

Nach dem Tod des Münsterpfarrers erhielt Sam die Leitung der Ulmer Kirche. Im Januar 1525 ersuchte ihn der Rat der Reichstadt Memmingen um ein Gutachten über den Reformationsplan des dortigen Predigers Schappeler. Ebenso ersuchten ihn 1525 die Bauern unter anderen Schiedsrichter in ihrer Angelegenheit zu sein. Im Abendmahlstreit schloss sich Sam mit Oecolampadius eng an Zwingli an, entfremdete sich dadurch mehr von Luther. „Es scheint so, dass er nicht nur mit Vertretern der katholischen Lehre, wie Johannes Eck, sondern auch mit denen der Reformation, wie Johann Schradin aus Reutlingen, Diskussionsschwierigkeiten bekam“, so Dohl.

Erlangung göttlicher Gnade

Die Vertreter der „evangelischen Sache“, wie sie später genannt wurden, sahen anfangs ihr Anliegen einer Reformation in einer Rückführung auf die ursprünglichen Aussagen vor allem des Neuen Testaments und in der bewegenden Frage, dass das Heil nur durch einen gnädigen Gott zu erlangen sei, der seine Gnade dem gibt, dem er will. Die „alte katholische“ Glaubensrichtung sah anfangs keine Gründe zu einer Änderung und sieht die menschlichen Werke noch heute als Mittel zur Erlangung göttlicher Gnade an. „Es wird viel Zeit brauchen, wann ich die Lügen alle, die man über mich erdichtet, erzählen wollte“, schreibt Konrad Sam in einer vielsagenden Antwort auf ein Büchlein Johann Schradins, das ihn verunglimpfe.

Etwa 1525 oder im Jahr darauf heiratete Sam seine Frau Elisabeth in Ulm, sie sollen friedlich beieinander gelebt haben, blieben kinderlos. Gemeinsam mit den Reformatoren Bucer, Blarer und Oecolampad führt Konrad Sam 1531 die Reformation in Ulm ein: Es werden keine Messen mehr gehalten. Und Sam wird mit der Leitung der Kirche in Ulm beauftragt. Am 20. Juni 1533 stirbt Sam, wohl an einem Schlaganfall.

Eine größere Bedeutung hatte die Familie Sam in Rottenacker wohl nicht. Da das Dorf später von Krieg, Pest und Hunger gebeutelt und von 1634 bis 1639 so gut wie ausgestorben war, wurde man sich Sams erst nach 1730, sicher erst 1750 wieder durch ein Taufregister seiner bewusst, das vom evangelischen, aus Ulm stammenden Pfarrer Matthäus Kern erstellt wurde. Erst nach dem Westfälischen Frieden war wieder ein evangelischer Pfarrer im Ort, nämlich 1649 Johann Loser. Aus Anlass des Ulmer Reformationsjubiläums wurde die Mittelhofergasse als Konrad-Sam-Straße benannt.

Verschiedene Schriftverkehre, die Dohl gefunden hat, zeigen, dass 1540 der Rottenacker Predicant Thoman (Thomas Hofmann) erheblich unterbezahlt war. Er scheint sich in dieser Sache an das Kloster Blaubeuren gewandt zu haben, doch mussten die Menschen in Rottenacker schließlich selbst für ihn aufkommen, von einem Teil des Zehnten.

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