Kein Zuschuss für Kulturdenkmal-Sanierung

Zu weiten Teilen hat das Ehepaar Rommel das Dach des Kulturdenkmals Hauptstraße 3 und 5 neu eindecken lassen. Der vor drei Jahren gestellte Antrag auf Zuschuss ist jüngst abgelehnt worden.

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Das Kulturdenkmal in der Hauptstraße ist bald wieder gerüstfrei. Für die Sanierung im Dach gibt es kein Geld vom Land Baden-Württemberg.  Foto: 

Bald soll das Gerüst am Kulturdenkmal Hauptstraße 3 und 5 abgebaut werden. Der Stromkonzern ENBW wollte im Rahmen der Sanierung des Gasthauses "Adler" die Stromleitung im Gebiet bis zur Bank erneuern. Hierzu war mit den Handwerkern von Lore und Günter Rommel - die als direkte Nachbarn zwei Giebel ihres Daches sanieren ließen -, vereinbart, dass zu den Leitungsarbeiten das Gerüst genutzt werden durfte. Das habe ein bisschen länger gedauert als gedacht, sagen die 80-Jährige und ihr drei Jahre älterer Mann.

Für sie aber ist dieser verspätete Gerüstabbau leichter zu verschmerzen, als der Bescheid aus dem Wirtschafts- und Finanzministerium. Darin teilt die in Stuttgart zuständige Diplom-Ingenieurin Beate Hertlein mit, dass sie die Maßnahmen an dem Kulturdenkmal in Absprache mit dem Denkmalreferat im Regierungspräsidium Tübingen alleine zu stemmen haben. Laut dem Schreiben liegen aus den vier Regierungspräsidien 580 Zuwendungsanträge mit einem Bedarf von 18,1 Millionen Euro vor. Im Haushalt des Landes seien aber nur 14,2 Millionen Euro eingestellt. Somit könne Rommels Antrag aus Obermarchtal aus dem Jahr 2010 nicht berücksichtigt werden.

Bis vor Kurzem hatten die Hauseigentümer noch gehofft, einen Zuschuss zu bekommen. Denn die neue Dachdeckung auf der Süd- und Ostseite ihres Kulturdenkmals wird mehr als 100 000 Euro kosten, rechnet Lore Rommel hoch. Noch seien nicht alle Rechnungen von den Handwerkern da, die auf dem einstigen Verwaltungsgebäude der Prämonstratenser Dachlattung und Verwahrungen mitsaniert haben.

Die Enttäuschung des Ehepaars ist groß, denn seit Jahrzehnten bemüht es sich darum, das einstige Klostergebäude an zentraler Stelle als Ganzes zu erhalten. Deshalb haben sich die Rommels, denen die Haushälfte 3 gehörte, 1989 entschlossen, den größeren Teil mit der Hausnummer 5 dazu zu kaufen. Lore Rommels Vater, der einstige Bürgermeister Lorenz Striegel, hatte 1937 das kleine Gebäude Nummer 3 von der Kaufmannsfamilie Funkenweh erworben; die andere Hälfte war im Eigentum der Tuchhändler geblieben, die auf dem heutigen Platz des Kindergartens ihr großes Geschäft hatten. Für etwa 50 000 Euro richteten Rommels zur Belebung der Infrastruktur am Marktplatz 1990 im Erdgeschoss eine Zahnarztpraxis ein. Bereits 1975/1976 hat das Ehepaar auf seiner Seite den Dachstuhl ausbessern lassen und auch im Jahr 2003 waren am Dach Sanierungsarbeiten unternommen worden. Dazwischen wurde an dem Gebäude, das zur selben Zeit wie das Gasthaus "Adler" entstanden ist, nach den Vorstellungen des Denkmalamts die Außenfassade restauriert und die neue Sprossenfenster eingebaut. Erhalten geblieben sind im Haus 3 noch die originalen Haustüren.

Das Alter des Gebäude ist nicht eindeutig zu klären. "Der Türsturz aus dem Jahr 1559 ist kein Hinweis auf das Baujahr", sagt Lore Rommel. Vermutlich hätten Funkenwehs verwandtschaftliche Beziehungen in die Pfarrei genutzt und den Türstürz mit dem Wappen des in Munderkingen geborenen Abts Christophorus Schenz, der einst Pfarrer in Kirchbierlingen war, von dort holen und einbauen lassen. Fachleute von der Denkmalbehörde in Tübingen gehen allerdings davon aus, dass das Verwaltungsgebäude des Klosters ins 16. Jahrhundert datiert werden kann - jene Zeit, als Schenz Abt war (1559 bis 1571). Wie Pressesprecher Carsten Dehner ergänzt, "ist das Haus mit seinem Mansard-Walmdach im 18. Jahrhundert umgestaltet worden." Aus architektonischen und künstlerischen Gründen sei es als Kulturdenkmal eingestuft worden.

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