Josef Fuchs im Franziskanerkloster: Heimat hier und dort

Gedichte, Erzählungen und kleine literarische Miniaturen hat Josef Fuchs in Franziskanerkloster gelesen. Der in Weisel geborene Autor ließ vor etwa 50 Zuhörern seinen Heimatgefühlen freien Lauf.

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"Ich war froh, auf dem Hof aufzuwachsen", erklärte Autor Josef Fuchs im Franziskanerkloster. Ein Bauernhof sei wunderbar für eine Kindheit. Fuchs wuchs in Weisel auf und durfte im Gegensatz zu seiner Schwester, die das eigentliche "Käpsele" der Familie war, aufs Gymnasium gehen. Bald schon habe er sich in die Ferne geträumt, Geschichten von fremden Ländern gelesen und sei weggegangen vom Ort seiner Kindheit. "Ich war ganz fasziniert von Geschichten über den Minotaurus", erklärte der 65-Jährige. "Da war der Häge im Stall natürlich weniger faszinierend".

Die Literatur habe ihn geprägt, meinte der Autor und Kunsterzieher auf Nachfrage. Doch es seien nicht spezielle Autoren gewesen, die er sich zum Vorbild nahm. "Ich wollte nur immer knapper sein als das, was ich zu lesen bekam". Das ist ihm in weiten Bereichen gelungen. Josef Fuchs schrieb in seinem Gedichtband "Allotria", der 1986 in einer Auflage von 1000 Exemplaren im Selbstverlag erschien, Aphorismen mit drei Zeilen und Gedichte, die nach acht Zeilen auch schon alles gesagt hatten. Darin ging es überwiegend um Kühe und Landleben, Schwoof und Katzen.

Das Buch sei wohl wegen des Titels nicht ganz so erfolgreich gewesen. Das Büchlein kostete übrigens damals 7 Mark und 1 Mark Versandkosten. Mit seinem Band "Rote Haare" sei er erfolgreicher gewesen, meinte Fuchs, der seine Zuhörer mit den "Geschichten für den Hausgebrauch" auch nach Bockighofen und Westerflach entführte.

Auch aus dem Band "Perücken", 1995 erschienen, gab es Kostproben. Während sich die frühen Bände mit dem unbeschwerten Alltags- und Landleben befassen, hat sich ins neue Buch von Josef Fuchs auch Melancholie eingeschlichen. "Uferstraße, Miniaturen und fabelhafte Gedichte" heißt es. Die Uferstraße bezieht sich auf Fuchs neue Heimat in Friedrichshafen. Man hörte Geschichten vom Bodensee, nahm an der seltsamen Stimmung in den Straßencafés vor Öffnung der Uferpromenade teil und hörte das Loblied auf den Stammtisch.

Fuchs betrachtet literarisch das Personal, "das neue Bestellungen erschmeicheln will", und die Jungen auf den Skateboard, die den Betrachter ans Alter erinnern. Berührend waren auch die kleinen Episoden von Anton, der daheim sitzend auf das Sterben-Dürfen wartet.

Für die meisten Besucher war die Lesung ein Wiedersehen mit einem Autor, Lehrer und Künstler, der in den 90er Jahren in Ehingen und Umgebung eine bekannte Figur war. "Ehingen hat mir viel gegeben", meinte er etwas unbestimmt. Aber auch für das "sophisticated Tübingen" und "Stuttgart mit seinem grässlichen schwäbischen Singsang" hatte Fuchs etwas übrig. Es gebe viele Orte namens Heimat, meinte er. Er sei "anhänglich dem See gegenüber", ihm gehe aber auch das Herz beim Anblick des Kirchbierlinger Pfarrhauses oder der Zellstofftürme auf. Die Grenzgängerei sei ihm als Lebensthema geblieben, sinnierte Josef Fuchs.

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