Infoabend zur Aufnahme von Asylsuchenden

Mehr als 30 Interessierte kamen ins Rathaus, um sich darüber zu informieren, wie es in Dintenhofen nach der Ankunft der Flüchtlinge weitergehen kann. 13 Bürger haben sich in eine Helferliste eingetragen.

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Wie kann ein gutes Miteinander gelingen? Wilhelm Schantel, Sebastian Wolf, Josef Barabeisch, Renate Hänle, Erwin Bolach, Achim Walter, Ursula von Helldorff und Peter Bausenhart (von links) sprachen darüber mit den Bürgern.  Foto: 

"Ich bin sehr zufrieden. Wenn ich an den 28. Januar denke, ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht", sagte Ortsvorsteherin Renate Hänle nach dem zweiten Infoabend, bei dem es um Flüchtlinge und Asylbewerber in Dintenhofen ging. Mehr als 30 Menschen kamen, um sich darüber zu informieren, wie ein gutes Miteinander funktionieren kann und wie Interessierte ehrenamtlich helfen können.

Im Januar hatten Bürger und Ortschaftsräte die Kreisverwaltung und die Stadt kritisiert, die im Ort im Vorfeld nicht über die Ankunft der Asylsuchenden informiert hatten. "Sorgen und Nöte gibt es auf beiden Seiten. Wir müssen uns nun gemeinsam der Aufgabe stellen", sagte Sozialdezernent Josef Barabeisch gleich zu Beginn des Abends, an dem auch Wilhelm Schantel, Fachgebietsleiter der Ausländerbehörde der Stadt Ehingen, Bürgermeister Sebastian Wolf, Fachdienstleiter Erwin Bolach, Sozialarbeiter Achim Walter, Ursula von Helldorff von der Lokalen Agenda und Peter Bausenhart, Vorsitzender des Arbeitskreises Migration im Alb-Donau-Kreis, teilnahmen.

Bedenken und Berührungsängste lassen sich am ehesten überwinden, indem man etwas über die Menschen erfährt. Und so schilderte Ursula von Helldorff ihre Eindrücke nach dem Besuch. "Die Männer waren ganz freundlich und haben mir gleich einen Tee angeboten." Besonders gefreut habe die Männer, die im ehemaligen Gasthaus Sonne untergekommen sind, dass Nachbarn da waren und einen Kuchen vorbeigebracht haben. Diese freundliche Geste habe sie "sehr berührt und sehr gefreut". Doch wer sind die Menschen, die nun da sind? Unter ihnen sei ein Zahnarzt, ein Schneider, ein Friseur, ein Chefkoch, ein Dekomaler und ein Ingenieur. "Das sind alles gebildete und ausgebildete Menschen." Die Männer aus Syrien und Togo seien sehr dankbar, hier zu sein, und möchten auch etwas zurückgeben, sagte von Helldorff. "Diese Menschen wollen keine Probleme machen, sondern Probleme hinter sich lassen."

Diesen Eindruck bestätigte auch Sozialarbeiter Achim Walter, der aus Rottenacker stammt und sich um die Flüchtlinge in Blaubeuren und nun auch in Dintenhofen kümmert. Täglich ist er oder seine Kollegin vor Ort. Erfreulich sei es, dass die Männer einige Fahrräder bekommen haben. So konnten sie bereits die Gegend erkunden. Walter bat die Bürger um eine gute Zusammenarbeit. Als Nächstes sollen die Männer mit den Sprachkursen beginnen. Die vier, die unter 21 sind, sollen den Unterricht in der Magdalena-Neff-Schule bekommen, die anderen werden beim Internationalen Bund in Ehingen unterrichtet.

Von Helldorff sagte den Bürgern ihre Unterstützung bei Fragen rund um den Helferkreis zu. Bürgermeister Sebastian Wolf erklärte, dass die Geschäftsstelle der Lokalen Agenda die zentrale Anlaufstelle für die Helfer sei. Peter Bausenhart bat die Bürger darum, den Menschen in Not ein Hoffnungszeichen zu sein. Am Ende trugen sich 13 Dintenhofener in die Helferliste ein. Jetzt will Josef Barabeisch die Helfer zu einem Treffen einladen.

Flüchtlinge und Migranten

Serie Mit der wachsenden Zahl von Flüchtlingen in der Region und ihrer Situation, aber auch mit Integration von Migranten, Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen vor Ort wird sich die SÜDWEST PRESSE in den kommenden Wochen verstärkt beschäftigen. Einmal wöchentlich beleuchten wir, wie das Zuwanderungsland Deutschland in der Region funktioniert.

 

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Kommentare

11.02.2015 21:41 Uhr

Noch ein Dank - „Dankes-Runde für Asyl-Hilfe?””

In der Dankes-Runde sind die Leistungen der Bundespolizei und der für die Durchsetzung des Asylrechts zuständigen gänzlich vergessen worden.

Würde die Bundespolizei, ehem. Bundesgrenzschutz, die Schleuser-Routen Italien-Deutschland oder Osten-Deutschland besser sichern, dann wäre der ein oder andere Wirtschaftsflüchtling gar nicht nach Deutschland gekommen. Somit gebührt auch der Bundespolizei dafür ein grundsätzlicher, besonderer Dank!

Ein weiterer, ganz besonderer Dank, gebührt den für die Durchsetzung des Asyl-Rechts zuständigen Politikern/Behörden.
Würden diese ihre Arbeit verrichten, dann würden Deutschland plötzlich 600.000 (sechhunderttausend) abgelehnte Asylbewerber 'fehlen':
(..) In Deutschland halten sich aktuell mehr als 600.000 Ausländer auf, deren Asylantrag abgelehnt wurde oder deren Flüchtlingsschutz abgelaufen ist. Das geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage des Bundestagsvizepräsidenten Johannes Singhammer (CSU) hervor, die dem Magazin Cicero vorliegt. (..)
http://www.cicero.de/berliner-republik/bundestagsvizepraesident-ueber-dresdner-demonstranten-pegida-anhaenger-nicht-zu

Diese 600.000-Lücke könnte gar nicht so schnell mit wirklich hilfsbedürftigen (Kriegs-)Flüchtlingen gefüllt werden.

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11.02.2015 19:16 Uhr

meine volle Zustimmung, Herr Radmanns!

...

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11.02.2015 18:03 Uhr

Am frechsten dann der Tenor "Euer Elend und Eure Armut kotzt uns an"! - DAs ist unfair, stimmt!

Am frechsten dann der Tenor "Euer Elend und Eure Armut kotzt uns an"! - Das ist unfair, stimmt! Man sollte den Leuten wirklich helfen. Aber bitte nicht bei uns, außer sie haben einen Asylgrund.

Wie sagte ein Politiker erst gestern: Wir sind nicht das Sozialamt der Welt!!

Da hat er Recht. Und das Asylrecht ist nicht dafür geschaffen worden, jeden ARmen auf der Welt auf zu nehmen - es gibt leider Millionen davon, und es sind ja nicht die Ärmsten, die zu uns kommen. Gerade denen muss man aber helfen - sehen wir uns nur die 1,5 Millionen Flüchtlinge in den Zeltstädten in Palästina an! DORT müssen wir helfen, da sind die wirklich armen. Und mit dem Geld, das die ungerufenen Wirtschafts- Asylanten hier kosten, können wir vielen dort helfen. Wenn wir nur die Wirtschaftsasylanten rasch wieder abschieben, die zu uns wegen dem GEld kommen, dann können wir den Armen dort unten helfen, die unsere Hilfe wirklich dringend nötig haben.

So werden Millionen verpulvert für Leute, die als Wirtschaftsflüchtlinge zu uns kommen. Statt den wirklich Armen dort zu helfen - wogegen eigentlich niemand wirklich etwas haben kann.

Wer wirklich verfolgt wird, muss bei uns Schutz erhalten. Aber 99 % sind es leider nicht.

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11.02.2015 16:37 Uhr

Antwort auf „Dankes-Runde für Asyl-Hilfe?”

Neben den Helfern, die sich durch eigenen Mitarbeit und persönlichen Einsatz einbringen, ist natürlich auch den Steuerzahlern zu danken, die die finanziellen Rahmenbedingungen für diese Hilfe leisten!

Und den Steuerzahlern ist sehr vieles zu verdanken!
Haben sie doch in den letzten Jahren z.B. die durch eigene Gier und Schuld gestürzten internationalen Banken gerettet, mit hunderten von Milliarden Euro, die jetzt auf den Schultern der europäischen Steuerzahler lasten bis zum Sankt Nimmerleinstag oder der nächsten großen Währungsreform.
Zahlten und zahlen sie doch auch weiterhin jährlich hunderte von Milliarden zuviel Steuern, weil ein Kartell aus internationalen Großkonzernen unter tätiger Mithilfe vieler europäischer Staaten wie Irland, Niederlande und ganz an der Spitze das schöne Luxemburg, dafür sorgt, dass die Multimilliarden, die diese internationalen Großkonzerne jedes Jahr in Europa verdienen, quasi überhaupt nicht in diesen europäischen Ländern versteuert werden (und auch sonst nirgends).
Und so weiter und so fort!

Hätte der Radmanns die Wahl, würde zumindest er seine Steuergelder für die Aufstockung der Unterstützung von Mitmenschen in Not aufbringen (hier geht es um einige hundert Millionen, nicht um einige hundert Milliarden!) und sicher nicht für das oben beschriebene mutinationale Kartell.

Wie sehen das die anderen?

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11.02.2015 13:01 Uhr

Dankes-Runde für Asyl-Hilfe?

Der Herr Peter Radmanns, der hat sie eröffnet, die Dankes-Runde für Asyl-Helfer:

(..) Herzlichen Danke den Helfern, die sich für notleidende Mitmenschen einsetzen. (..)

Beim unmittelbaren 'Vor Ort'-Danken sollte man die grössten Asyl-Helfer weder unbedacht, noch unbedankt lassen: Die Steuerzahler.

Die Steuerzahler, das sind die, die meistens es sich nicht leisten können irgendwo zentral zu wohnen, die werktäglich früh aufstehen, ihre Steuern bezahlen, häufig dafür dann später eine geringe Rente zu erwarten haben. Und das sind auch die, die in der Regel nicht für's quasseln und dem ausgeben von Steuergeldern durch Steuergelder bezahlt werden.

Also, wenn schon danken, dann vielleicht etwas umfänglicher und allen. Oder etwa nicht?

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11.02.2015 12:49 Uhr

Antwort auf „13 Helfer für die Asylanten??? - Nun, wie heißt es: Die ___ sterben nie aus!”

Herzlichen Danke den Helfern, die sich für notleidende Mitmenschen einsetzen.

Das ist genau die richtige Antwort auf dümmlich-egoistische bis dumpfbackige Kommentatoren, die hier immer wieder die gleichen Sprüche klopfen.
In der Regel sitzen diese dabei feist in ihrer warmen Stube, sicher oft gut versorgt, nicht selten wohl auch durch staatliche Transferleistungen, und kotzen ihre armes Seelenleben aus mit Rumgewimmer, wie schlecht es ihnen doch ginge.
Am frechsten dann der Tenor "Euer Elend und Eure Armut kotzt uns an"!
Wären sie nicht so armselig, kleingeistig und in Selbstmitleid zerfließend, könnte man direkt Mitleid bekommen.
So bleibt nur Verachtung.

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11.02.2015 12:31 Uhr

13 Helfer für die Asylanten??? - Nun, wie heißt es: Die ___ sterben nie aus!

13 Helfer für die Asylanten??? - Nun, wie heißt es: Die ___ sterben nie aus!

Die Lösung kann jetzt jeder selbst einsetzen und in den Spiegel schauen.

Ach ja: Praktisch alle sind Wirtschaftsflüchtlinge, die lieber hier sind als in dem sicheren Staat, in dem sie zuerst angekommen sind.

Hier ist eben die Sozialhilfe höher...

Wie war das noch mit der Anerkennungsquote von ca. 1 %?

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Migration in Ehingen und Umgebung

Mit der wachsenden Zahl von Flüchtlingen in der Region und ihrer Situation, aber auch mit Integration von Migranten, Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen vor Ort beschäftigt sich die SÜDWEST PRESSE in einer Serie. Wöchentlich beleuchten wir in der Zeitung, wie das Zuwanderungsland Deutschland in der Region funktioniert. In diesem Online-Dossier bündeln wir Texte zu diesem Thema.

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