In den Bann gezogen

Kann eine einzelne Gitarre fesseln? Und wie! Der Gitarrist Stefan Schmitz schlug seine Zuhörer so in Bann, dass man im Vortragssaal des Franziskanerklosters den Uhrzeiger vorrücken hörte.

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Der Gitarrist Stefan Schmitz hat mit seinem Programm "Ewige Sehnsucht" im Franziskanerkloster begeistert. Foto: Christina Kirsch

. "In 17 Jahren Ehinger Musiksommer stand noch kein Gitarrenkonzert auf dem Programm", sagte Michael Buntz, der Leiter der Musikschule zur Begrüßung beim Konzert mit dem Gitarristen Stefan Schmitz. Und dann kam gleich so ein Virtuose in das Ehinger Kulturzentrum, der mit großer Präsenz eine geradezu körperlich spürbare Spannung aufbaute. Schmitz Konzentration übertrug sich auf das Publikum und keiner in dem gut besuchten Konzert musste hüsteln oder mit einem Taschentuch rascheln. Es war perfekt.

Der Solist begann mit dem Titelstück seiner CD, der "Eterna Saudade" von Dilermando Reis, einem 1977 verstorbenen Komponisten. Voller Schmelz und inniger Zugeneigtheit erklang die temperamentvolle Walzermelodie. Hinter jedem Aufbrausen auf den Saiten war auch das Legen des Sturms durchzuhören. Zart und spannungsvoll führte der Solist sein Publikum durch die Sehnsuchtsmelodie. Im "Desengano" (Enttäuschung) betitelten Stück klang die Melodie ganz und gar nicht nach Enttäuschung, sondern nach einem fröhlichen Neuanfang. Mit Vehemenz und brasilianischem Temperament schlug der Gitarrist die negativen Gefühle von den Saiten. Die Enttäuschung wechselte ihr Gesicht in Befreiung. Auch in den anderen Kompositionen von Dilermando Reis konnte Stefan Schmitz die Musik einerseits los galoppieren lassen, aber dann auch wieder mitten im Lauf zügeln.

Erst als 15-Jähriger kam der in Köln geborene Musiker zur Gitarre und brachte sich zunächst alles selbst bei. Es folgten Studien an verschiedenen Musikhochschulen, Wettbewerbe und Konzerttourneen durch Brasilien und Japan. Parallel zu seiner Konzerttätigkeit unterrichtet der 37-Jährige an der Neu-Ulmer Musikschule Gitarre und freut sich über einige Jugend-musiziert-Preisträger unter seinen Schülern.

Mit Kompositionen von Leo Brower, einem kubanischen Musiker und Arrangeur, unternahm Stefan Schmitz einen Ausflug in die Gegenwartsmusik, die ihre Wurzeln in der Romantik nicht verleugnet. "El Decameron Negro" handelte von einem afrikanischen Krieger, der kein Krieger mehr sein wollte. Man hörte in "La Arpa del Guerrero", dass der Krieger lieber Harfe spielen wollte. So stritten kriegerische und engelszarte Klänge hin und her. Mal wurde es hektisch, dann wieder beseelt und ruhig.

Stefan Schmitz sah man die Konzentration und Anstrengung beim Spiel an: Er nahm die Musik körperlich auf und gab sie durch die Saiten wieder ab. Nach der Pause wurde es romantisch. Die Bellini-Arien, die Giulio Regondi für Gitarre umschrieb, seien unter Gitarristen gefürchtet, meinte Stefan Schmitz in seiner Moderation. "Man bricht sich schier die Finger dabei." So sah es dann auch aus, aber der Musiker kam wohlbehalten aus dem Stück heraus und wechselte mit einer russischen Romanze den Kontinent. Sergei Rudnevs "Old Lime Tree" (Der alte Lindenbaum) war herrlich traurig und von der Weite der russischen Landschaft getragen. Kapriolen schlug Schmitz mit einem Ragtime des gleichen Komponisten und begeisterte sein Publikum restlos. Es war eine hervorragende Idee, erstmals einen Gitarristen von der Klasse eines Stefan Schmitz zum Musiksommer einzuladen.

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Kommentare

05.07.2013 15:24 Uhr

Stefan Schmitz

Glückwunsch zum gelungenen Konzert!

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