Im Fokus der "Soko Tierschutz"

Schockierende Zustände in der Putenmast beklagen Aufnahmen der "Soko Tierschutz". Auch zwei Betriebe aus der Region werden gezeigt. Doch das Veterinäramt hat dort bisher keine Verstöße festgestellt.

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Die Wogen schlagen hoch, seit im Fernsehen Aufnahmen der "Soko Tierschutz" mit harten Bildern aus Putenmastbetrieben zu sehen waren. "Flatternde Tiere werden weggeworfen, brutal niedergeknüppelt und für den Verkauf ab Hof illegal geschächtet", klagen die Tierschützer an. Friedrich Mülln, Vorsitzender des Vereins, wird im Film gezeigt, nachts in einem Mastbetrieb flüstert er in die Kamera, schockiert über den Umgang mit den Tieren. Es handle sich um "klare Straftatbestände".

Als abschreckende Beispiele werden unter anderem Putenmastbetriebe aus Staig-Altheim und Westerstetten (Alb-Donau-Kreis) aufgeführt. Sie sind - wie alle anderen im Film - Vertragshändler des österreichischen Konzerns Hubers Landhendl, der unter anderem Edeka, Netto, Penny und Vinzenz Murr beliefert, und damit wirbt, auf "regionale Familienbetriebe" zu setzen. Das sind die beiden Putenmast-Betriebe aus dem Alb-Donau-Kreis in der Tat, über ihre Größe sagt das jedoch nichts aus. Knapp 10 000 Puten hält der Landwirt aus Altheim-Staig, rund 20 000 der Kollege in Westerstetten. Beide wollen nach dem Beitrag von Spiegel TV ihren Namen nicht öffentlich machen. "Das ist doch Lynchjustiz", klagt der Westerstetter. Beide Landwirte hatten keine Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern, keiner fragte bei ihnen nach.

Mitten in der Nacht seien sie in seinen Betrieb eingebrochen, schimpft der Westerstetter, um die vielen tausend Puten zusammengedrängt im Stall zu filmen. "Rücksichtslos" seien die vermeintlichen Tierschützer: "Die hätten eine Seuche einschleppen können." Die Veterinäre des Landratsamtes konnten an dem Filmausschnitt nichts Ungewöhnliches finden, sagt Bernd Weltin, Sprecher des Landratsamtes, auf Anfrage. Bei den regelmäßigen Kontrollen in dem Betrieb - im Schnitt alle 20 Wochen - habe es nie Beanstandungen gegeben. Es sei normal, dass bei einem großen Bestand einzelne Tiere krank oder verletzt sind. Damit erklärt der Landwirt auch den Sack Antibiotika, den die Filmer zeigen. Einige Puten hätten Durchfall gehabt, worauf der Tierarzt vier Tage lang das Medikament verordnet habe. Der letzte Sack sei einfach vergessen worden. Dann übermannt ihn der Zorn über die "illegale Aktion", weiter will er nicht reden: "Irgendwas bleibt immer hängen." So schicke ihm der Schlachthof, die zu Hubers Landhendl gehörende Süddeutsche Truthahn AG in Ampfing, einen extra Kontrolleur.

Fast außer sich vor Wut ist auch der Altheimer Landwirt. Heimlich habe die "Soko Tierschutz" bei ihm in der Ausstall-Halle gefilmt, wo die Puten in Transport-Käfige verladen werden. Die Aufnahmen seien jedoch schon ein Jahr alt. Von Tieren, die in überfüllte Container geschmettert werden, wird gesprochen. Das seien gezielte Bewegungen der Fänger, sagt dagegen der Landwirt. "Ein harter Job." Es sei dort wie überall: "Zeit ist Geld."

Der Betrieb wurde erst kürzlich wieder kontrolliert, es sei alles in Ordnung gewesen, erklärt Weltin. "Die Käfige entsprechen der rechtlichen Norm." Seit bald 40 Jahren betreibe er die Putenmast, er habe sich nichts vorzuwerfen, meint der Altheimer. Freiwillig habe er seinen Bestand vor drei Jahren verringert: "Immer den Stall voll, voll, voll", das habe er nicht mehr gewollt. Seither steht eine Halle leer. Der Fachdienst werde den Film zum Anlass nehmen, nochmals das Verladen der Tiere in Augenschein zu nehmen.

Puten bluten kopfüber in Trichtern aus

Niedergeknüppelt In dem Film ist auch eine Putenmast im Landkreis Dillingen zu sehen. Dort werden Tiere niedergeknüppelt. Eine Tötung/Betäubung mit einem Stockschlag ist seit 2013 verboten. Zur schnellen Tötung werden Bolzenschussapparate verwendet.

Antibiotika Der Einsatz ist in der Putenmast nur noch bei Krankheit erlaubt, nicht mehr prophylaktisch. Kranke Tiere müssen in Buchten gehalten oder getötet werden. "Die Behandlung mit Antibiotika ist im Laufe der letzten Jahre spürbar rückläufig", haben die Veterinäre im Landratsamt Alb-Donau beobachtet.

Schlachtung Kopfüber in einem Trichter bluten die betäubten Puten aus. Das Herz muss schlagen, damit die Tiere vollständig ausbluten. Dafür werden beide Halsschlagadern geöffnet.

SWP

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