Höhlenforscher erkunden Schacht bei Justingen

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    Acht Meter in die Tiefe: Klaus Sontheimer vom Höhlenverein Blaubeuren bei der Erkundung des Farrenwiesenschachts bei Justingen. Foto: 
  • Der Einstieg liegt auf der Schachenheide – und ist gut gesichert. 2/4
    Der Einstieg liegt auf der Schachenheide – und ist gut gesichert. Foto: 
  • Kleine Tropfsteine sind zu sehen. 3/4
    Kleine Tropfsteine sind zu sehen. Foto: 
  • Auf Erkundungstour im Schacht. 4/4
    Auf Erkundungstour im Schacht. Foto: 
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Alles ist einem Zufall zu verdanken: Ein Jäger, der mit seinem Hund über die Schachenheide bei Justingen streifte, brach im Dezember 2014 unvermittelt bis zum Knie ins Erdreich ein. Er meldete das seltsame Ereignis dem Forstamt, das wiederum den Höhlenverein Blaubeuren verständigte. Noch im Dezember erweiterten die Höhlenforscher dann mit einem Spaten das kleine, etwa fußgroße Loch. Luftmessungen hatten zuvor auf einen größeren Hohlraum hingedeutet. Tatsächlich kam ein Schacht zum Vorschein, der acht Meter in die Tiefe führt. Petra Boldt und Klaus Sontheimer seilten sich ab und vermaßen ihn. Der obere Teil des Schachts besteht aus Humus und Lehm, unten tritt dann massives Gestein auf. Auch Tropfsteine sind zu sehen. Der Schacht wurde dann gesichert und abgedeckt. Bei einem Ortstermin im März 2015 diskutierten dann Vertreter des Forstamts, der Stadtverwaltung und des Höhlenvereins, wie es mit der Entdeckung weitergehen sollte. Den Schacht weiter erforschen oder zuschütten – das wären die Alternativen gewesen, berichten Petra Boldt und der Vorsitzende des Höhlenvereins, Felix Stark.

Starker Luftzug

„Jede Höhle ist ein Bio- und ein Geotop, das es zu erhalten gilt“, sagt Boldt. Außerdem sehen die Fachleute die Erforschung des Schachts als aussichtsreich an. „Unten ist ein sehr starker Luftzug zu spüren“,  berichtet Boldt. Das kann darauf hindeuten, dass eine Verbindung zu einer größeren Höhle oder einem Höhlensystem besteht. Letztendlich meldeten die Höhlenforscher ihr Interesse an einer weiteren Erkundung an. Sie beantragten Grabungsgenehmigungen für den „Farrenwiesschacht“, so der neue Name der Entdeckung. Das Landesdenkmalamt, der Landkreis als Untere Naturschutzbehörde und die Stadt Schelklingen erteilten diese. Für die Höhlenforscher begann damit die Arbeit. Ein Problem war der lange Einstiegsbereich aus Lehm und Erde – dort drohte Einsturzgefahr. Die Forscher halfen sich, indem sie eine Einstiegsröhre setzten, durch die sie jetzt hinunter zum massiven Fels gelangen.

Beton-Fundament gebaut

Um dieses Röhre verankern zu können, errichteten sie unten am massiven Fels ein Beton-Fundament. Von dort aus geht nun eine Metallröhre mit einem Durchmesser von 1,1 Metern von Beton umgeben bis an die Oberfläche. Ein Deckel verhindert, dass Menschen oder Tiere zu Schaden kommen. Jetzt können die Forscher gefahrlos in den Schacht einsteigen und unten weitergraben. Die Arbeit im Farrenwiesschacht ist dadurch und durch die sich unterhalb der Metallröhre anschließenden Felswände sehr sicher. Die Verantwortlichen des Höhlenvereins entschlossen sich deshalb, den Schacht vorrangig als Jugendprojekt zu betreiben. Zehn Jugendliche werden derzeit beim Höhlenverein zu Höhlenforschern ausgebildet. Petra Boldt ist die Jugendreferentin des Vereins. Der Farrenwiesschacht hat jetzt mit dem 14-jährigen Christopher Maetze sogar einen eigenen Projektbeauftragten.

Ersatz für ein anderes Projekt

Die Arbeit am Farrenwiesschacht ersetzt beim Höhlenverein ein anderes Projekt: Die Grabungen an der Sirgensteindoline sollen eingestellt werden. Als zu wenig aussichtsreich schätzen die Fachleute mittlerweile die Tätigkeit dort ein. Bislang war die Doline das Jugendprojekt des Vereins. „Es müsste jetzt aber massiv im Fels gearbeitet werden, um weiterzukommen“, berichtet Felix Stark. Der Schacht bei Justingen gilt als aussichtsreicher. Neben der Vetterhöhle, der Bärentalhöhle und dem Steebschacht zählt der Farrenwiesschacht zukünftig als das vierte Projekt des Höhlenvereins. Die Forscher sind nun gespannt, was dort in der Tiefe auf sie wartet (siehe Text links).

Info Am 18. Juni findet in Hütten  der Tag der Artenvielfalt statt. Dabei wird es Exkursionen in die Bärentalhöhle geben.

Fragen Was ist in Zukunft im Farrenwiesenschacht zu finden? Wie immer stehen die Höhlenforscher vor einem Rätsel. Der Schacht bei Justingen liegt auf einer Linie mit der Bärentalhöhle und der Sontheimer Höhle – fast in der Mitte zwischen beiden Höhlen. Spannend für die Forscher ist, wohin eventuell erkennbare alte Wasserwege im Schacht führen. Dorthin könnte sich auch ein Höhlensystem entwickelt haben. Beim Farrenwiesschacht wäre eine Verbindung zum Eistal, einem Seitental des Tiefentals, vorstellbar. Doch das sind derzeit nur Vermutungen. Erst weitere Arbeiten werden Erkenntnisse bringen.

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