Hilfe für die Heimat

Die Überschwemmung in seinem Heimatdorf Prud in Bosnien hat Anto Majic so entsetzt, dass er mit seiner Familie eine große Hilfslieferung für die Flutopfer zusammenstellt. Dazu sammeln sie Spenden.

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Von einer Bekannten aus Prud hat Melani Majic dieses Bild bekommen, das zeigt, wie die Menschen mit Booten in Sicherheit gebracht werden.

Anto und Jasminka Majic aus Munderkingen haben in der vergangenen Woche besonders viel kroatisches Fernsehen geschaut. Vor allem die Nachrichten mit den Folgen der Überschwemmungen haben sie interessiert. "Seit Dienstag vergangener Woche hat es dort tagelang nur geregnet", berichtet Anto Majic. "Die Überschwemmungen haben ein verheerendes Ausmaß angenommen", sagt er. Die Menschen haben sich auf Hausdächer gerettet, mussten mit dem Hubschrauber oder mit Booten in Sicherheit gebracht werden und sind nun in Notunterkünften untergebracht. "Die Leute in Prud sind Überschwemmungen gewohnt", sagt Anto Majics Cousin Manuel Hresacak, "aber so schlimm war es das letzte Mal vor 120 Jahren." Bei einer "normalen" Überschwemmung steige das Wasser drei bis fünf Zentimeter, jetzt stehe es im ersten Obergeschoss auf 2,5 Metern Höhe.

Pruda hat als betroffenes Gebiet besonderes Pech. Die Region liegt am Zusammenfluss der beiden Flüsse Sava und Bosna. "Innerhalb von zwei Minuten standen die Höfe voller Wasser", berichtet Anto Majic. Manuels Oma Manda Abramovic musste mit dem Boot abgeholt werden. "Die alten Leute wollen ihre Häuser nicht verlassen", sagt der Enkel über seine 76-jährige Großmutter. Aber die Gefahren sind riesig. "Mittlerweile werden tote Tiere angeschwemmt, die es bis in die Küche treibt", hat Manuel erfahren. Öltanks laufen aus. "Außerdem hatten wir vor unserem Dorf rechts und links Minenfelder, die jetzt ebenfalls überschwemmt sind", erzählt Melani Majic, die Tochter von Anto Majic. Die Minen treibe es jetzt hoch und mit den Fluten über das Land.

Melani Majic ist Geschäftsstellenleiterin der Ehinger Volksbank in Rottenacker/Unterstadion und engagiert sich wie die ganze Familie, um den betroffenen Menschen in Bosnien zu helfen. 80 Prozent des Landes sei betroffen.

Auch Manda Majic, die 86-jährige Mutter von Anto Majic, musste ihr Haus verlassen und ist bei Bekannten in höher gelegenen Regionen untergebracht. "Mein Elternhaus steht komplett unter Wasser", sagt Anto Majic, der nun befürchtet, dass Seuchen ausbrechen. "Die Leute haben kein sauberes Trinkwasser und keinen Strom", hat er erfahren. Als gelernter Krankenpfleger weiß er, was das bedeutet. Das Risiko, dass Infektionen ausbrechen, ist groß. Dazu kommen die Mückenplage und angeschwemmte Giftschlangen, die es von den Bergen in die Uferregion gespült hat.

Deshalb sammelt die Familie jetzt mit Unterstützung der kroatischen katholischen Gemeinde Ehingen Hilfsgüter aller Art, aber vor allem Gummistiefel, Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel, Verbandsmaterial und Mundschutz. "Aber eigentlich brauchen die alles", sagt Melani Majic. "Die Leute haben seit Tagen die gleichen Kleider an, weil sie nichts zum Wechseln haben". Duschgel, Zahnpasta, Körperpflegemittel, Toilettenpapier, Tampons und Verbandsmaterial werden dringend benötigt.

Anto Majic will am kommenden Freitag mit einem großen Sattelschlepper in die Krisenregion fahren und die Hilfsgüter verteilen. Den Lastzug hat die Rottenacker Firma Stöhr zur Verfügung gestellt. "Es wird auf jeden Fall jemand von uns mitfahren", sagt Anto Majic, der als Maurer arbeitet.

Es gibt zwei Handynummern von Anto und Melani Majic, unter denen sich Spender melden können. Die Ware werde dann abgeholt, sagen die Helfer. Außerdem können sie in der Garage beim Heim der Kroaten in der Scheibengasse in Ehingen abgegeben werden. In einer Scheune in Nasgenstadt werden die Sachen dann bis zum Verladen gelagert. "Wenn wir jetzt helfen, kommt sicher Hilfe auf andere Weise zurück", ist Anto Majic überzeugt. Gebraucht wird abgepacktes Trinkwasser, Säfte, Milch, Konserven, Süßigkeiten für Kinder, Grundnahrungsmittel, Babynahrung, Windeln, Arzneimittel, Hygieneartikel, Hygienehandschuhe, Werkzeug aller Art, Kerzen, Taschenlampen, Batterien, Nägel, Seile, Schaufel und Besen. "Vielleicht hat jemand noch eine Schmutzwasserpumpe", ergänzt Anto Majic. Aber das wäre fast zu schön, um wahr zu sein.

So können Sie helfen

Kontakt Melani Majic ist erreichbar per Handy unter Telefon: 0173 - 6755182 und Anto Majic unter Telefon: 0172 - 7412551.

Spendenkonto Geldspenden sind möglich auf das Konto der katholischen Gesamtkirchengemeinde Ehingen mit Verwendungszweck Flutopfer Bosnien Prud:

IBAN: DE07 6305 0000 0021 2204 36

BIC: SOLADES1ULM

Aktion bei Rewe Seit Donnerstag und noch bis zum kommenden Freitag beteiligt sich auch Rewe in der Adolffstraße in Ehingen an der Hilfe für die Flutopfer in Serbien, Bosnien und Kroatien: Im Markt der Familie Widmann kann man für fünf Euro Tüten kaufen und den Inhalt an die Hochwasseropfer spenden.

SWP

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