Hemmungslos gelacht

Lachtherapie mit Herz: Das Jubiläumsprogramm der Saubachkomede kam in der gut besetzten Lindenhalle am Samstag bestens an. Die überzeugten Landeier schlüpften in verschiedenste Rollen.

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Wenn der Erfolg einer Comedygruppe an der Anzahl der in Zuschauergesichtern zu erblickenden Backenzahnplomben abzuzählen ist, hat die Saubachkomede aus Äpfingen am Samstag in der Lindenhalle die volle Punktzahl erreicht.

Mit ihrem Jubiläumsprogramm "Zea Johr" erfreute die zwischen Kabarett, Bauerntheater, Sketch- und Musikcomedy angesiedelte Truppe rund 450 Gäste. Auch wenn die Nummern teils wahnwitzige Züge annehmen: Viele echte Begebenheiten aus dem schwäbischen Alltag wurden eingebaut. Etwa bei der Ehrung des Gesangvereins "Incontinenzia 1961" das unbeholfene Vorlesen des "morgen" ablaufenden Haltbarkeitsdatums auf dem Präsent. Dem 80-jährigen Josef, dem vom nervösen stellvertretenden Vereinsvorsitzenden nicht nur ein "grüner Daumen" bescheinigt wird, passt das Lied "Rote Rosen" nicht. "Weil die älleweil Blattläus" haben und aus dem Garten entfernt wurden.

Melanie Traub bewirbt sich gleich in mehreren Rollen für die Wahl der "Miss Tellersulz 2012", und Alwin Hagel zeigt herbe Eleganz als schmuddeliger Wirt, der seine über die Glatze frisierte Schmalzlocke schwungvoll zurückwirft und das Bier am letzten Tag zum halben Preis verkauft, weil aus der Wirtschaft ein Wellness-Tempel werden soll. Nicht nur Etymologen des Schwäbischen haben bei der Saubachkomede ihre Freude, pflegt diese doch Wörter mit Seltenheitswert wie "micken" für "bremsen" oder "bossa" für "absichtlich tun".

In ihren zehn Jahren hat die Gruppe oft die Erfahrung gemacht, dass ein Wort, das in einem Dorf für Lacher sorgt, 20 Kilometer entfernt schon nicht mehr verstanden wird, dass dafür dort aber wiederum andere Dialekt-Leckerbissen honoriert werden. Gut kam die Zaubershow von "Siegfried & Schorsch" an, bei der auf wundersame Weise Wasser vom Mund ins Ohr in den Mund "übertragen" wird, oder auch Schorsch alleine als durch Publikum schwankender Single-Bauer, der Luftküsse und Kärtchen verteilt.

Der Auftritt der oberschwäbischen Antwort auf die Bee Gees, die Brüder Egon, Alwin und Edgar Hagel als "Behas" mit brusthaarfreundlichem Glitzer-Outfit, ist schon Kult. Neu im Programm: Aus "Cherish the love we had" von Cool & The Gang wurde der Kehrwochensong, im Refrain nimmt Egon Hagel den "Kehrwisch fürd Stroß". Auch die Szene zum Volkswandertag gelang gut. Die Wanderer genossen ganz modern auf Englisch einen Country Hunter (Landjäger) und singen statt "Das Wandern" folglich "Se wandring isch se millers joy".

Immer wieder wurde gekonnt geklampft, gesungen, getrommelt und getrötet. Und aus dem aktuellen Hit von Michel Teló macht die Gruppe das Heuschnupfenlied mit dem Refrain "Gnossa, gnossa, i du des id zum bossa - Heuschnupfa hab i, Heu-, Heuschnupfa hab i." Einige Zuschauer bedankten sich nach der Vorstellung bei den Protagonisten mit den Worten: "Ich habe seit Jahren nicht mehr so gelacht."

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