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Nach fünf Jahren legt die Stadt Ehingen den zweiten Integrationsbericht vor. Vorgestellt wird dieser im Sozial- und Kulturausschuss kommende Woche. Damit werden die Daten auch nach dem Zuzug vieler Geflüchteter im Jahr 2015 auf den neuesten Stand gebracht. Untersucht wurden unter anderem auch die Bereiche Sprache, Bildung  und Wohnen. Bei einer Befragung sind auch die Betroffenen selbst zu Wort gekommen. Als eines der wesentlichen Ziele formuliert die Stadt die Sprachförderung in Kindergarten und Schule.

Augenmerk auf Sprachförderung

Aktuell leben in Ehingen demnach 9037 Menschen mit Migrationshintergrund (2012: 7688). Bei einer Gesamtbevölkerung von 26 636 liege der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund bei 34 Prozent (2012: 31) und entspricht in etwa dem Anteil in Baden-Württemberg von aktuell 30 Prozent. Der Anteil der Menschen mit eigener Migrationserfahrung stieg in Ehingen von 3955 auf 5024 – Migranten aus der EU und Drittstaaten miteinbezogen. Mit 1255 stellen Ehinger mit türkischen Wurzeln  die größte Gruppe dar ((2012: 1207), gefolgt von 968 Kroaten (2012: 638) und 900 Einwanderern aus der Russischen Föderation (2012: 837). Neu in der Auflistung der am häufigsten vertretenen Nationalitäten sind Syrer. Aktuell leben 273 Syrer in Ehingen, 2012 gab es keine. 25 Prozent der zugewanderten Menschen haben einen deutschen Pass (2012: 27 Prozent). Die meisten der 9037 Migranten wohnen in Ehingen und in Nasgenstadt.

Auch der Bedarf an Sprachförderung wird in dem Bericht deutlich. Laut einer Untersuchung des Einschuljahrgangs 2016 zeigte sich, dass 43 Prozent der untersuchten Kinder eine Sprachförderung benötigen. Darauf gehen mehrere Sprachförderprogramme in den Stadtkindergärten ein. So gibt es die „Sprachhilfe“ für Kinder, die ohne Sprachkenntnisse in den Kindergarten kommen, und Sprachförderung für die Vorschulkinder nach dem „Ehinger Modell“. Sprache müsse laut Stadtverwaltung in die Alltagswelt der Kinder und auch ihrer Familien mit eingebunden werden. Künftig soll daher das Augenmerk verstärkt auf eine so genannte  alltagsintegrierte sprachliche Bildung gelegt werden. Dabei erlernen Kinder die Sprache in Alltagssituationen und im Spiel. Bei der Sprachförderung der Kinder sollen auch die Eltern stärker einbezogen werden.

Viele Förderangebote gibt es auch an Schulen. Der Anteil der Grundschüler  mit Migrationshintergrund liege in der Kernstadt bei 40 Prozent. Mit 45 Prozent weist die Michel-Buck-Schule den höchsten Anteil bei den Regelschulen auf, gefolgt von der Realschule (26 Prozent) und dem Gymnasium (21 Prozent). Hoch ist der Migrationsanteil an der Hermann-Gmeiner-Schule mit 63 Prozent. Sprachförderung in Kindergärten und Schulen werde die Stadt weiter beschäftigen, lautet das Fazit. Das Erlernen der Sprache in frühen Bildungsphasen soll gestärkt werden.

Lob für die Helferkreise

Für den Integrationsbericht sind auch die Migranten befragt worden. Die Situation bei der Ankunft in Ehingen schätzte etwa die Hälfte der Befragten als positiv ein. Angemerkt wurde, dass Beratungsangebote etwa zum Leben in Deutschland anfangs zu wenig bekannt waren. Positiv bewerteten die Befragten die professionelle Migrationsberatung durch Caritas und den Internationalen Bund, die ehrenamtlichen Helferkreise und die Sozialbetreuung in den Unterkünften.

Das ehrenamtliche Engagement spielt bei der Integrationsarbeit in Ehingen eine entscheidende Rolle. Unter dem Dach der Lokalen Agenda vereint, werde Menschen mit Migrationshintergrund vorbildlich geholfen, lautet das Fazit. Die Stadt unterstütze die Arbeit der Ehrenamtlichen organisatorisch wie finanziell. Dazu zählen die neu geschaffene Stelle der Integrationsbeauftragten, die Geschäftsstelle der Lokalen Agenda und auch die Oberschaffnei als offenes Bürgerhaus. Wesentlich für eine erfolgreiche Integrationsarbeit seien funktionierende Netzwerke, die in Ehingen gegeben sind.

Nachholbedarf sieht die Stadt im Bereich Wohnen, und bezeichnet das Thema Wohnraum und Quartiersentwicklung als eine Herausforderung für die kommenden Jahre. Bezahlbarer Wohnraum für untere und mittlere Einkommensschichten sei in der Innenstadt stark gefragt. Von der Beteiligung an Projekten etwa des Städtetags erhoffe sich die Stadt neue Impulse.

Nochmals bekräftigt wird im Bericht die Notwendigkeit eines Integrationsmanagers, der Geflüchtete mit Bleibeperspektive unterstützen kann. Mit dem Alb-Donau-Kreis wird ein Kooperationsvertrag abgeschlossen (wir berichteten). Damit sollen auch die ehrenamtlichen Helfer entlastet werden.

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