Gott behüte vor den Gäbelchen

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    Kochen wie einst bei Luther war im Franziskanerkloster angesagt. Foto: 
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    Hühnerbrust mit Zimt-Nelken-Soße. Foto: 
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    Kochen wie bei Luther im Franziskanerkloster: Lamm Foto: 
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Martin Luther aß vermutlich keinen Salat“. Zu dieser Erkenntnis kamen die Teilnehmer eines Kochkurses, der sich mit den Speisen des Reformators beschäftigt hat. Elke Brettschneider und Marlis Ratzinger hatten sich literarisch und kulinarisch auf die Spuren Martin Luthers begeben und kochten nach Rezepten von Katharina von Bora aus dem Buch „Kochen im Hause Luther“ von Thomas Correll. „Ich habe allerdings einiges abgewandelt, weil es mir nicht so gut geschmeckt hat“, erklärte Elke Brettschneider.

Die ehemalige Nonne Katharina von Bora sorgte mit schmackhaften Speisen fürs leibliche Wohlergehen ihres Mannes und der zahlreichen Besucher. So verstand sie sich unter anderem auf das Brauen von Bier. Im Hause zu Wittenberg tummelten sich unter Käthes Aufsicht unter anderem zehn Schweine, drei Ferkel, fünf Kühe, neun Kälber, eine Ziege und Pferde auf der Weide. „In der Regel griff Käthe auf Produkte zurück, die Feld und Hof lieferten“, sagte Marlis Ratzinger, „aber sie gönnte sich auch exotische Nahrungsmittel wie Nelken, Pfeffer, Zimt, Auberginen, Feigen und Orangen“. Gewürznelken und Ingwer hat sie importieren lassen.

Das vielleicht seltsamste Rezept, das im Kurs nachgekocht wurde, war Hühnerbrust in Zimt-Nelken-Soße (siehe Info). Dabei zog ein Duft von Weihnachten durch die VHS-Küche und das Resultat überraschte alle. „Schmeckt richtig gut“, meinten die Köche. „Eine Geschmacksexplosion“, konstatierte eine andere Genießerin. Vor allem der Ingwer ergänze sehr gut den Zimt.

Lutherpfanne mit Kassler

Die Kursteilnehmer haben auch einen Eintopf mit Lammfleisch gekocht, auch Weinkraut mit Leberwurst, eine Lutherpfanne mit Kassler, Schweinerücken und Lende, ein Kastenbrot und die im Schwäbischen gut bekannten Nonnenfürze.

Martin Luther sei kein Kostverächter gewesen, wusste Marlis Ratzinger. Man habe im Hause Luther viel Fleisch gegessen, während das einfache Volk Getreidebrei aß. So ist es nicht verwunderlich, dass Luther nicht nur unter Übergewicht, sondern auch an Gicht und Nierensteinen litt.

Doch er stand zu seinen Vorlieben und begründete sie mit dem Argument: „Darf unser Herrgott gute, große Hechte, auch guten Rheinwein schaffen, so darf ich auch wohl essen und trinken“. Im Hause Luther hätten durchaus Tischsitten geherrscht, bemerkte Marlis Ratzinger. Man habe beim Essen weder furzen noch die abgenagten Knochen um sich werfen dürfen. In Sachen Tischsitten verzichtete der Kochkurs auf authentisches Verhalten. So aßen die Teilnehmer brav mit Gabeln, obwohl Luther verkündet hatte: „Gott behüte mich vor Gäbelchen“. Die erinnerten ihn zu sehr an den Dreizack des Teufels.

Rezept Für die Soße werden im Rezept für 4 Personen 1 Teel. Zimt, 1 Prise gemahlene Nelken, 1 Teel frisch geriebener Ingwer und ½ Teel Kardamon gemischt. 400 ml Hühnerbrühe werden mit dem Saft einer frischen Zitrone erhitzt. 90 Gramm gemahlene Mandeln und die Gewürze werden eingerührt. Das Ganze muss auf kleiner Flamme ausquellen, da die Mandeln aufgehen. 500 Gramm Hühnerbrustfilets werden in mundgerechte Stücke geschnitten, gesalzen, gepfeffert und in Mehl gewendet. In Butterschmalz von allen Seiten anbraten und mit der Soße servieren. Katharina reichte Brot dazu. kir

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