Theater: Geschwisterzoff am Totenbett

Der in Ehingen geborene Karl-Heinz Ott führte in das Stück „Die Auferstehung“ nach seinem gleichnamigen Roman selber ein.

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„Die Auferstehung“ wurde in Ehingen aufgeführt.  Foto: 

Dass man als Besucher einer Einführung stehen muss, war in Ehingen auch noch nicht da. Aber dem Autor Karl-Heinz Ott fliegen die Sympathien zu. Man kennt sich. Wer zur Stücke-Einführung kam, hatte vermutlich die Ott-Romane im Regal stehen. In seiner Einführung beschrieb Karl-Heinz Ott zunächst das Tableau der Akteure. Vier Geschwister eilen in das Haus ihrer Kindheit zum Totenbett des Vaters. Da gibt es den friedliebenden Uli, der sich für ein Aussteigerleben auf der Alb entschieden hat. Joschi pflegt eine linksintellektuelle Attitüde und ist in Wirklichkeit obdachlos, Jakob mimt den und verkannten Kulturjournalist und Linda gibt die Pragmatikerin, die das Heft zunächst in die Hand nimmt. „Mir fallen zu jeder Figur echte Leute ein“, sagte der Autor, der seine Charaktere aus lebenden Personen zusammensetzt. „Die Auferstehung“ spielt vom Nachmittag des Zusammentreffens der Kinder bis zum Morgen des nächsten Tags. „Im Frühjahr wird der Roman verfilmt“, verriet Karl-Heinz Ott seinem Publikum. Die Württembergische Landesbühne Esslingen hat das Buch als burleskes Kammerstück inszeniert, das mit 2 Stunden und 40 Minuten an der Obergrenze der Aufführungsdauer liegt. Trotz der flott gespielten Dialoge zieht sich das Geschehen gelegentlich, was auch an den redundanten philosophischen Exkursen liegt, die der Autor eigentlich als extra Buch anlegen wollte und dann doch in die Auferstehung mit hinein gepackt hat. Die Bühne ist ein abgewracktes Wohnzimmer, dem der Mief der Jahrzehnte anzusehen war. Da liegt eine Häkeldecke auf dem Sofa und auf dem Couchtisch steht ein Druckaschenbecher. Die Lampen scheinen den Staub eines ganzen Lebens angezogen zu haben und an den Einbauschränken sieht man noch die Fetzen von heruntergerissenen Plakaten. Vater hat sich nämlich das Wohnzimmer mit Pornoplakaten tapeziert und die Kinder argwöhnen, dass die „ungarische Hure“, die ihn in den letzten Jahren pflegte, Ansprüche auf das Erbe erheben könnte. Doch auf das Erbe sind alle irgendwie scharf und verstecken ihre Gier mehr oder weniger gut. Man streitet sich über Sarg oder Urne, Friedwald oder Seebestattung. Man beklagt den Terror der Formlosigkeit bei Abschiedsfesten und prangert Rituale an. Die einen nutzen die Stunde für Bekenntnisse, die sich als verlogen heraus stellen, die anderen trauern verpassten Chancen nach oder wollen endlich einmal etwas los werden, was schon lange an ihnen nagt. Derweil liegt im Hintergrund der Bühne der aufgebahrte Vater. Auch der Münchner Staranwalt, bei dem das Testament verwahrt wird, lässt sich nichts entlocken. Der Alkohol treibt die Exzesse schließlich nach mehr als zwei Stunden auf die Spitze und es finden auf der Bühne die Falschen kopulierend zueinander. Wer das Buch kannte, wusste, welche Überraschung am Schluss auf den Zuschauer wartete. Das Ende wirkte letztlich absurd. Die einzelnen Personen hielten in „Die Auferstehung“ mit ihrem Gezänk manchem Besucher einen Spiegel vor, der durch den Schluss aber ins Lächerliche abdriftete.

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