Für den Anbau von Linsen war 2013 ein gutes Jahr

Linsen von der Alb sind zur Marke geworden. Wie jetzt in der Biosphärenwoche werden Alb-Leisa als Kernprodukt des Biosphärengebiets genannt. Der Bio-Landwirt Franz Häußler aus Schwörzkirch baut sie an.

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  • Am 3. August 2013 war Ernte auf dem Linsenacker der Familie Häußler hinter dem Friedhof in Schwörzkirch. Andreas Häußler fährt mit dem Mähdrescher mit 4 km/h über das Feld und drischt Gerste und Linsen gemeinsam. Knapp vier Monate davor, genau am 8. April 2013, hatte die Aussaat stattgefunden; 21 Tage danach zeigte sich der Acker in ein zartes Grün gefärbt. Fotos: Christina Kirsch 1/4
    Am 3. August 2013 war Ernte auf dem Linsenacker der Familie Häußler hinter dem Friedhof in Schwörzkirch. Andreas Häußler fährt mit dem Mähdrescher mit 4 km/h über das Feld und drischt Gerste und Linsen gemeinsam. Knapp vier Monate davor, genau am 8. April 2013, hatte die Aussaat stattgefunden; 21 Tage danach zeigte sich der Acker in ein zartes Grün gefärbt. Fotos: Christina Kirsch
  • Franz Häußler vor der Trieur, in dem die Linsen-Gerste-Ernte nach dem Trocknen getrennt wird. Dazu durchlaufen die Körner Trommeln, in denen die runden Hülsenfrüchte in Aussparungen hängen bleiben, während die längliche Gerste herunterfällt. 2/4
    Franz Häußler vor der Trieur, in dem die Linsen-Gerste-Ernte nach dem Trocknen getrennt wird. Dazu durchlaufen die Körner Trommeln, in denen die runden Hülsenfrüchte in Aussparungen hängen bleiben, während die längliche Gerste herunterfällt.
  • Linsen wachsen ständig weiter; an der Pflanze finden sich dann gleichzeitig Blüten, erste Fruchtansätze und auch schon fertige Linsen. Den Zeitpunkt der Ernte bestimmt bei Häußlers die Reife der Gerste. 3/4
    Linsen wachsen ständig weiter; an der Pflanze finden sich dann gleichzeitig Blüten, erste Fruchtansätze und auch schon fertige Linsen. Den Zeitpunkt der Ernte bestimmt bei Häußlers die Reife der Gerste.
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"Es war ein gutes Linsenjahr", sagt Franz Häußler, nachdem er seine Ernte eingefahren hat. Der Schwörzkicher Bio-Landwirt hat Glück gehabt. "Auf über 20 Hektar vor allem im Neckarraum hatten wir einen schweren Hagelschaden", berichtet Lutz Mammel von der Öko-Erzeugergemeinschaft Alb-Leisa in Lauterach.

Franz Häußler hatte 2013 im August den richtigen Erntezeitpunkt erwischt. Die gute Ernte war für ihn im April jedoch noch nicht absehbar. Vier Wochen später als in den Vorjahren säte der Landwirt auf dem Linsenacker hinter dem Schwörzkicher Friedhof aus. "Je später man sät, desto geringer der Ertrag", meinte er bei der Aussaat. Doch es kam die nächsten Monate besser als zunächst befürchtet.

Vor der Aussaat hatte Franz Häußler den Boden mit der Kreiselegge vorbereitet und ihn weitgehend eingeebnet. Die Aussaat war dann Sache von Sohn Andreas Häußler. Der angehende Landwirtschaftsmeister belud die Maschine mit einer Mischung aus Gerste und der französischen Le Puy-Linse zu gleichen Teilen. Die Linsen kamen dann etwa zwei Zentimeter tief in die Rinnen. Das Wetter war günstig und schon nach neun Tagen sah man erste Pflänzchen aus dem Boden spitzen. Die Linsen sind anlehnungsbedürftige Pflanzen, die Gerstenhalme als Stütze benötigen. Schon bald rankten sich die zarten Linsenarme um die stabileren Gerstenhalme. Auch andere Pflanzen wuchsen mit. "Die Wicken werden zum Problem", meinte Franz Häußler eines Tages. Die Wickensamen lassen sich aus dem Saatgut schlecht auslesen, da sie fast genauso aussehen wie Linsen. Die lila blühenden Wicken sind für die Linsen zwar Konkurrenz; Franz Häußler lässt sie aber trotzdem mitwachsen. Die schnell groß werdenden Ampfer-Stauden sind ihm jedoch ein Dorn im Auge. In aller Herrgottsfrühe rupft Franz Häußler auf dem Acker von Hand den Ampfer aus.

Ende Juli mussten sich Häußlers entscheiden, wann geerntet wird. Die Gerste muss reif sein und die Linsen sollten noch nicht ausfallen. Franz Häußler richtet sich bei der Ernte eher nach der Reife der Gerste als nach den Linsen. Die Braugerste muss nach der Ernte eine Keimprobe bestehen, in der auch der Wasser- und Eiweißgehalt bestimmt wird. "Erst wenn die in Ordnung ist, liefern wir an die Mälzerei", sagt der Landwirt.

Die Fahrt mit dem Mähdrescher war dann wieder Andreas Häußlers Sache. 2013 ernteten Häußlers auf eineinhalb Hektar 7,5 Tonnen Linsen-Gerste-Gemenge, das auf dem Hof mit der Abwärme der Biogasanlage getrocknet wurde. Ein paar Wochen später nahm Franz Häußler seinen Trieur in Betrieb. Vor sechs Jahren hat er sich die Maschine angeschafft und ist damit einer von zwei Landwirten, die auf dem Hof vorreinigen. Alle anderen liefern das Gemenge nach Lauterach. Der Trieur (Französisch für auslesen) trennt in mehreren Vorgängen die Gerste von den Linsen. Unkrautsamen wie Ackersenf oder Hederich fallen durch Siebe und ganz leichte Samen wie Kamille werden vom Aspirateur fortgeblasen. In den Trommeln bleiben an den Innenwänden die runden Linsen in kleinen, konkaven Ausbuchtungen hängen, während die länglichen Gerstenkörner in der Trommel von den Innenwänden herunterfallen und weitertransportiert werden. In einer Stunde werde etwas weniger als eine Tonne Gemenge sortiert und gereinigt, erklärte Franz Häußler.

Der Trieur lief fast drei Tage und am Ende standen große Säcke voller Linsen auf dem Hof. Die Ernte wurde dann in Lauterach bei der Erzeugergemeinschaft mit einem Gewichtsausleser auf einem Rütteltisch nochmals ausgelesen. Feine Steinchen fallen bei diesem Prozess durch das Rüttelsieb. 2013 ernteten die 70 Linsenanbauer der Erzeugergemeinschaft Alb-Leisa auf 220 Hektar rund 130 Tonnen Linsen. Das sei ein durchschnittlicher Ertrag, meint Lutz Mammel. Die ersten Verkaufspäckchen Alb-Leisa 2013 lagen schon an Weihnachten in den Geschenkkörben.

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