Fröhlicher Vogelhändler mit Comedy in der Lindenhalle

Das Tourneetheater "Johann-Strauß-Operette-Wien" präsentierte in der Lindenhalle eine schmissige und unterhaltsame Aufführung der Operette "Der Vogelhändler". Fröhlicher Gesang erfreute das Publikum.

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Schmissig und unterhaltsam - und etwas für Kostümfreunde - war die Aufführung "Der Vogelhändler" der "Johann-Strauß-Operette-Wien" in der Lindenhalle.  Foto: 

Die Pisa-Studie in der Operette der Vogelhändler? Ja, das gab es mit dem Tourneetheater "Johann-Strauß-Operette-Wien", das die Operette zwar in den volkstümlichen Kostümen und heimatlicher Kulisse spielte, aber in Text und Melodie auch etwas gegen den Strich bürstete. Und weil Dummheit über Jahrhunderte Bestand hat, kam auch die Pisa-Studie zu Ehren.

Die Operette "Der Vogelhändler" von Carl Zeller wechselt ihre Schauplätze zwischen Waldeslust und höfischer Etikette. Für Kostümliebhaber ist sie genau das richtige. Wahrscheinlich ist sie deshalb seit ihrer Uraufführung 1891 zu einer der erfolgreichsten Operetten geworden. Denn im "Vogelhändler" gibt es alle Zutaten für einen Dauerbrenner. Menschliche Schwächen werden freundlich aufs Korn genommen und es gibt ein paar Verwicklungen und Verwechslungen, die zu komischen Szenen führen. Hier können sich die Sänger komödiantisch betätigen, was sie auch in der Ehinger Inszenierung mit Lust und Genuss, zur Freude des Publikums, taten.

Vor allem die etwas ältliche Baronin Adelaide (Nera Nicol), die es gleich auf mehrere Männer abgesehen hat, glänzte mit zupackendem Charme. In der flotten Inszenierung wirbelte Nero Nicol in einem extra für sie geschriebenem Tanzcouplet nach Johann Strauß Tritsch-Tratsch-Polka über die Bühne und sang von Herzen "Wenn ich dann ein Mannsbild hab, form ich es nach meiner Art, muss er treu sein häuslich nett - geht täglich mit mir ins Bett". Dazu schlug die Sängerin sogar ein Rad und warf ihre Beine in die Höhe. Vor so viel zupackender Weiblichkeit flohen nicht nur Graf Stanislaus (Stefan Reichmann) und der eigene Gatte.

Der erste Akt spielte im Wald vor großer Wald- und Hüttenkulisse. Der untreue Vogelhändler Adam (Heinrich Schopf) ließ sich von seiner Christl (Christine Holzwarth) umgarnen und gab sich herrlich schnöde, abweisend und später ziemlich reumütig. Denn die Kurfürstin Marie (Anja Markwart), die sich inkognito im Wald aufhielt, gefiel dem Hallodri auch. "Schenkt man sich Rosen in Tirol, weißt du, was das bedeuten soll", war Adams schmachtender Schunkelwalzer, mit dem er sich bei der Kurfürstin bedankte. Herrlich charmant und unbefangen sang Holzwarth die "Christl von der Post" und auch "Ach, Ihre Reputation ist die beste nicht." Die Christl verkörperte die süße, treue Unschuld, während die anderen intrigierten und lavierten.

Das 18-köpfige Live-Orchester spielte unter seiner Dirigentin Marta Gardolinska frisch auf und gab der Operette einen feurigen Schmiss. Ausgereifte Comedy war die Prüfungskommission, bei der die beiden Herren in ihren gepuderten Lockenperücken sich zwar für Zierden der Wissenschaft hielten, aber nur alberne Gecken waren. Vor lauter Katzbuckelei und wiederholtem "hochgeehrt und tiefgerührt" gegenüber der Obrigkeit fielen sie beinahe über ihre eigenen Füße. Für das Publikum war es in der gut besuchten Lindenhalle ein großer Spaß mit bekannten Melodien, es gab viel zu lachen. Denn an Überraschungen war kein Mangel. So bewegten sich plötzlich die Ahnen in der höfischen Ahnengalerie und ein Gockel krähte zum Fenster hinaus.

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