Fremden Mais zu Geld gemacht: Landwirt wegen Betrugs vor Gericht

Ein Landwirt soll Mais von einem Acker, den er verpachtet hatte, verkauft haben. Wegen versuchten Betrugs stand er am Dienstag vor dem Amtsgericht.

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Ein Landwirt hat einen Acker auf der Ehinger Alb verpachtet und angeblich den Mais, der darauf angebaut wurde, verkauft. Nun steht er wegen Betrugs vor dem Amtsgericht.  Foto: 

Ort des Anstoßes ist ein Acker auf der Ehinger Alb. Das Grundstück gehört einem Landwirt, der sich gestern wegen versuchten Betrugs vor dem Ehinger Amtsgericht verantworten musste. Der 45-Jährige hatte die 50 Hektar an einen anderen Landwirt verpachtet. Der 35-jährige Pächter hatte Mais gesät und sollte diesen auch ernten. Allerdings kam es anders, denn einen Teil des Maises hatte ein Dritter geerntet. Dieser Dritte, ein 44-jähriger Handwerker, der gestern als Zeuge geladen war, sagte aus, dass der 45-jährige Landwirt bei ihm Schulden in Höhe von 13 400 Euro hatte. Diese rühren von zwei Aufträgen her, die er bei dem 45-Jährigen ausgeführt hatte.

Drei Mahnungen und ein Vollstreckungsbescheid, ebenso ein Besuch des Gerichtsvollziehers, hätten nichts geändert. "Für mich ist der Eindruck entstanden, dass es seinerseits an Mitteln fehlt, es zu begleichen", sagte der Handwerker.

Schließlich sei ihm die Idee mit dem Mais gekommen. "Ich habe den Vorschlag gemacht, ob man es so begleichen kann." Am 18. Oktober vergangenen Jahres habe man darüber gesprochen. Der Landwirt soll nach Aussage des Handwerkers zugestimmt haben, sodass ein Teil der Forderungen verrechnet werden konnte. Noch am selben Tag beauftragte der Handwerker eine Firma, die am Nachmittag rund vier Hektar Mais erntete. "Er hat mit keinem Satz zu mir gesagt, dass es nicht sein Mais ist", beteuerte der Handwerker. Der Landwirt habe lediglich angedeutet, dass er nicht allen Mais verkaufen könne, weil er diesen an den anderen Landwirt verkaufen wolle. Ihm sei bei der Sache unwohl gewesen, sagte der Handwerker. Deshalb habe er nach dem Gespräch einen Vertrag bei einem Anwalt aufgesetzt. Um kurz nach 23 Uhr erschien er dann bei dem Landwirt, um den Vertrag unterschreiben zu lassen. 4,2 Hektar Mais waren da bereits geerntet.

Der Angeklagte schilderte das Geschehene anders. "Ich habe ihm gesagt, dass ich es nicht machen kann." Als Sicherheit habe er dem Handwerker zwei Fahrzeugbriefe von zwei Schleppern überlassen. "Für mich war es mit den Fahrzeugbriefen erledigt", sagte der Landwirt. Er sei davon ausgegangen, dass der Handwerker von der Idee mit der Maisernte Abstand nimmt.

Den ersten Fahrzeugbrief habe der Handwerker direkt nach dem Gespräch bekommen, den zweiten habe der Landwirt ihm am Nachmittag gebracht. Da war die Firma bereits mit der Ernte zugange. "Ich wollte ihn davon abbringen, rief an, aber er ging nicht ans Telefon", sagte der Landwirt. Auch ein Anruf bei der Firma habe keinen Erfolg gebracht. Als der Handwerker spät am Abend mit dem Vertrag vor der Tür stand, sei er wie benommen gewesen, habe unterschrieben, ohne das Papier durchzulesen, berichtete der Landwirt.

Dem Pächter, der nach eigener Aussage nie Probleme mit dem Landwirt hatte, ist ein Schaden von rund 8000 Euro entstanden. Für den Acker hatte er dem 45-Jährigen 30 000 Euro Pacht bezahlt.

"Im Moment ist es sehr unklar, was da gewesen ist", fasste am Ende der Verhandlung Richter Wolfgang Lampa zusammen. Hat der Landwirt mit dem Handwerker gemeinsam ein Geschäft gemacht, um seine Schulden zumindest zum Teil zu tilgen? Oder war der Handwerker die treibende Kraft? Um diese Fragen zu klären, wird die Verhandlung am 5. Juni, 8.30 Uhr, fortgesetzt. Dann soll auch ein Vertreter der Firma als Zeuge gehört werden.

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