Erzieherinnen gesucht: Fachkräftemangel wegen Kita-Ausbau

Mit dem Ausbau der Kindertagesstätten hat sich die Suche nach Personal verschärft. Auch in der Region spitzt sich die Lage zu: Der Markt ist leer gefegt, Erzieherinnen werden händeringend gesucht.

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In jüngster Zeit sprießen sie wie Pilze aus dem Boden: neue Kindertagesstätten. Doch wo zaubern die Träger eigentlich die für den Betrieb notwendigen Erzieherinnen her? In Ballungsräumen macht die Not bereits erfinderisch: Stuttgart wirbt neuerdings Fachkräfte aus Rumänien und Italien an. Wer nun glaubt, für die ländliche Region Ehingen sei Erzieherinnenmangel ein Fremdwort, ist schief gewickelt: "Es ist deutlich schwieriger geworden, Personal zu finden. Man muss intensiver suchen, sich mehr Zeit nehmen", weiß Ehingens Sozial-Bürgermeister Sebastian Wolf. Immer mehr Angebote an Kitas schafften eben auch mehr Nachfrage bei den Familien. "Den landesweiten Trend, dass das Angebot auf dem Markt immer kleiner wird, spüren wir auch."

Für das künftige Kinderhaus im Rosengarten beispielsweise hat die Stadt bislang erst 70 Prozent des Personals gefunden. Das Haus sei für vier Gruppen angelegt, gestartet werde mit drei. "Es ist aber sinnvoll, etappenweise zu beginnen. Jetzt müssen wir noch weiter nach Personal suchen, doch ich bin zuversichtlich", sagt Wolf. "Bislang konnten wir noch jede Stelle besetzen."

Dazu wurde aber in Ehingen bereits im "Erweiterten Fachkräftekatalog" geblättert: Zwei der Betreuerinnen für unter Dreijährige sind keine Erzieherinnen, sondern eine Kinderkrankenschwester und eine Hebamme. Dass Ehingen bald Wege wie Stuttgart einschlägt und im Ausland auf Suche geht, kann sich Wolf nicht vorstellen. Und übertarifliche Bezahlung anzubieten, sei unfair anderen Einrichtungen gegenüber, die dann nachziehen müssten. Wolf sieht die Lösung vielmehr darin, stärker in die Ausbildung zu investieren und die Rahmenbedingungen zu verbessern, um die Fluktuation so gering wie möglich zu halten. So habe Ehingen seit kurzem eine eigene Fachberaterin, die die Einrichtungen und Träger beispielsweise bei internen Abläufen oder Fortbildungskonzepten berät.

Ebenfalls verzweifelt auf der Suche nach Personal ist Gudrun Ruf-Speidel, Beauftragte für die katholischen Kindergärten im Raum Ehingen. Auch sie hat schon auf den "Erweiterten Fachkräftekatalog" zurückgegriffen und eine Grundschullehrerin sowie eine Kinderkrankenschwester ausgewählt. "Teilweise müssen wir die Stellen bereits zweimal ausschreiben", sagt Ruf-Speidel. Um die Zukunft zu sichern, hält sie es wie alle von uns Befragten für unerlässlich, mehr eigenes Personal auszubilden, auch in Form der neuen "Praxisintegrierten Ausbildung".

"Seit es den Rechtsanspruch für einen Platz für unter Dreijährige gibt, ist der Bedarf stark gestiegen", weiß Florian Ott, Hauptamtsleiter der Stadt Erbach. 34 Prozent der U3-Kinder erhalten dort einen Platz. "Auch wir suchen daher händeringend nach Personal." Erbach beschäftige ebenfalls bereits eine Lehrerin als Erzieherin. Den Ausweg sieht Ott in den genannten Maßnahmen. Weitere Möglichkeiten: unbefristete Stellen anbieten und auf die Arbeitszeitwünsche der Bewerber stärker eingehen.

"Mit Müh und Not haben wir genug Personal für die neue Kita ,Bunte Welt gefunden", schildert Ulrich Ruckh die Situation in Schelklingen. Der Kämmerer ist dort auch für Kindergärten und Kitas zuständig. 14 Personen wurden eingestellt, rund zwei Bewerber gab es pro Stelle, doch beides müsse zueinanderpassen, was nicht immer der Fall sei. "Der Markt ist leergefegt", findet Ruckh. Gerade für eingruppige Einrichtungen werde es schwer, jemanden zu finden. "Dort ist die Arbeitsbelastung einfach höher." Ebenso unbeliebt sei der Schichtbetrieb in den Einrichtungen mit langer Ganztagsbetreuung. Problematisch werde es zudem immer bei Ausfallzeiten durch Krankheit oder Elternzeit. Die Lösung liegt für Ruckh darin, möglichst viele Wege zu beschreiten, beispielsweise mehr Teilzeit zuzulassen, um so Krankheitsvertretungen und Sprachförderung zu sichern.

"Ich finde, das Ansehen des Berufs ist hoch. Aber solange sich an der Bezahlung nichts ändert, wird das Problem bleiben." Davon ist die Ehinger Pfarrerin Margot Lenz überzeugt, deren Einrichtung sich im Sommer schwer tat, für das Regenbogenhaus rasch eine neue Stelle zu besetzen.

Entspannte Lage hingegen in Munderkingen: "Wir benötigten in letzter Zeit kein neues Personal", sagt Hauptamtsleiter Markus Mussotter. Doch im Herbst soll eine weitere Krippe an den Start gehen. "Dann werden wir sehen, ob es schwierig wird."

Erweiterter Fachkräftekatalog und neue Form der Ausbildung
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