Erstwähler finden Netzauftritte der fünf Ehinger Listen nur bedingt hilfreich

Bei der Kommunalwahl dürfen erstmals auch 16- und 17-Jährige wählen. Viele der Erstwähler informieren sich vor allem im Netz. Darauf scheinen die hiesigen Parteien nur in Teilen vorbereitet gewesen zu sein.

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"Keine der Parteiseiten spricht Erstwähler explizit an." So lautet das Urteil von Jonas Braunsteffer über die Internetauftritte der in Ehingen wählbaren Listen von CDU, SPD, Grünen und Freien Wählern. Der Schüler des Ehinger Johann-Vanotti-Gymnasiums darf am kommenden Sonntag erstmals seine Kreuze auf einen Stimmzettel setzen. Die nötigen Informationen über die in Ehingen wählbaren Listen und Kandidaten aber, findet er im Internet nur unzureichend dargestellt. "Der Erstwähler kann sich kein genaues Bild von den jeweiligen Wahlprogrammen machen, da es auf den Seiten schlicht an nötigen Informationen fehlt." Zwar finde man auf den ersten Blick die Kandidaten von CDU, SPD, Grünen und Freien Wählern, es werde aber nicht viel über sie preisgegeben.

Aus den Aussagen Braunsteffers lässt sich etwas ablesen, das sich offensichtlich widerspricht: das Informationsangebot seitens der lokalen Parteien auf der einen und das Informationsbedürfnis der Erstwähler im Internet auf der anderen Seite.

Dabei stellen die im Land eine beachtlich große Gruppe - erst recht, da heuer erstmals auch 16- und 17-Jährige kommunal wählen dürfen. Rund 200 000 wahlberechtigte 16- und 17-Jährige gibt es in Baden-Württemberg. Sie machen zwar "nur" 2,4 Prozent der insgesamt 8,5 Millionen Wahlberechtigten aus. Nimmt man aber noch die 600 000 18- bis 23-Jährigen hinzu, die bei der Kommunalwahl 2009 noch nicht wahlberechtigt waren, kommt man auf rund 800 000 Erstwähler - knapp zehn Prozent. Zehn Prozent, die ihre Informationen oft lieber auf dem digitalen Marktplatz namens Internet als auf den Marktplätzen der Städte und Gemeinden beziehen.

Auf diesem digitalen Marktplatz bereits angekommen sieht Jonas Braunsteffer die Seite von Junges Ehingen. "Die ist gerade für nicht deutschsprachige Erstwähler interessant, weil dort das Wichtigste auch auf Russisch und Polnisch steht." Natürlich besetzt Junges Ehingen bewusst "jüngere" Themen, präsentiert diese aber eben auch entsprechend im Netz. So wird etwa die Wahl in Ehingen exemplarisch in Schlagworten erklärt. Auch Sophie Schlecker, ebenfalls Schülerin am Vanotti-Gymnasium, findet, dass auf der Seite von Junges Ehingen "auf junge Wähler eingegangen und die Wahl ausführlich erklärt" werde. Zudem werde deutlich gemacht, dass erstmals ab einem Alter von 16 Jahren gewählt werden darf. Manch einem, den das betrifft, war das schlicht nicht bewusst. Darüber hatten wir bereits im Februar berichtet.

Zu dem gleichen Urteil kommt auch Lukas Siegle. Auch für ihn ist der Auftritt von junges-ehingen.de der beste. Von den großen etablierten Parteien schneide die Internetseite der Grünen in Ehingen am besten ab. Allerdings fehlt ihm auch hier als Erstwähler die direkte Ansprache. Das Urteil zu den Seiten von CDU, SPD und Freien Wählern hingegen ist vernichtend: von "mangelndem Inhalt" über "amateurhaftes Design" bis hin zu "langweilig und inhaltslos" gehen seine Einschätzungen. "Appetit aufs Wählen" werde hier nicht gemacht.

Dabei sollte mit der Herabsetzung des Wahlalters auf 16 gerade dieser Appetit bei Erst- und Jungwählern angeregt, ihre Teilhabe an der Demokratie gestärkt und der politische Wille dieser Gruppe besser abgebildet werden. Nimmt man die Urteile der drei jungen Ehinger zur Grundlage, fühlen sie sich von der Politik nur bedingt "mitgenommen". Ihren Aussagen zufolge gelingt das nur anderthalb Internetauftritten der fünf Listen vor Ort - "Junges Ehingen" in hohem Maße und den Grünen bedingt.

"Kompakte, einfach vermittelte Informationen", lautet eines der Kriterien von Lukas Siegle für eine gelungene Aufmachung im Netz. Sophie Schlecker findet zudem den Einsatz von sozialen Netzwerken wie Facebook als Kommunikationsmittel wichtig. Seiten, denen das aus Sicht der drei gelingt, sind die von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg aufgesetzte "Wählen ab 16" sowie das Portal "Deine Wahl". "Hier wird gezeigt, was man mit einer Stimme erreichen kann", sagt Braunsteffer.

Das aber dient lediglich der Theorie, denn Kommunalwahlen werden von den Personen und mit den Themen vor Ort entschieden. Den Bewertungen der drei Erstwähler zufolge haben die hiesigen Listen es vor dieser Wahl weitgehend verpasst, sich mit dieser neuen jungen Zielgruppe auseinanderzusetzen und sich um deren Bedürfnisse zu bemühen. "Dies könnte man bei der der nächsten Wahl deutlich verbessern", sagt Braunsteffer. Für die jetzige ist es zu spät.

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