Engpass bei Dinkel: Preise für Backwaren steigen

Dinkel gilt als gut bekömmlich - wenn man ihn denn bekommt. Zurzeit herrscht auf dem Markt ein Engpass, den das Bauralädele bereits spürt. Bei den Bäckern macht sich das Problem am Preis bemerkbar.

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Weizen, Roggen - oder eben Dinkel: Backwaren aus diesem Getreide sind begehrt. Zurzeit herrscht auf dem Markt jedoch ein Engpass.  Foto: 

Zu Ursula Stiehle vom Ehinger Bauralädele kommen viele Kunden gerne wegen der Bio-Dinkelprodukte. Das Dinkelvollkornbrot sei das beliebteste von allen Broten, das über die Theke wandert. Doch vor allem beim Mehl, den Körnern und Nudeln kann es sein, dass Stiehle bald sagen muss: "Tut mir leid, haben wir zurzeit nicht da." Denn die Bioland-Erzeugergemeinschaft Kornkreis aus Herbrechtingen, von der sie diese Waren bezieht, kann nicht liefern. "Die haben seit etwa einem Monat einen Lieferengpass. Zum Glück konnte ich noch Mehl und Körner vom Bioland-Bauern Raiber aus Griesingen bekommen, aber das reicht nicht mehr all zu lange", schildert Stiehle die Situation. Wenn dieser Vorrat zu Ende geht, müsse sie mangels anderer Lieferanten bis zur neuen Ernte warten und die geschätzten drei, vier Monate lang zumindest die selbst hergestellten Produkte wie Nudeln aus Bio-Weizen herstellen. "Solange ich den noch habe, ist die Lage für mich nicht so dramatisch", sagt Ursula Stiehle. Über die Gründe für den Engpass beim Dinkel kann sie nur spekulieren.

Und genau darum geht es nach Einschätzung des Müllers Josef Dom aus Munderkingen: "Das liegt nur an den Spekulanten. Die Ernte vergangenes Jahr war normal." Er versucht, zu veranschaulichen: 1950 habe es in der alten Bundesrepublik knapp 20 000 Mühlen gegeben, derzeit seien es in Gesamtdeutschland nur noch etwa 212. Die einzelne müsse daher viel größere Mengen einkaufen. Gleichzeitig würden große Mühlen wie auch die Lebensmittelindustrie kaum noch Ware bevorraten, um Lagerkosten zu sparen - ideale Voraussetzungen für alle, die Spaß am Spekulieren haben. Gibt es zudem einen kleinen Engpass auf dem (Welt-)Markt, habe der sogleich enorme Auswirkungen auf den Preis. Die Dom-Mühle selbst betreffe dies nicht: "Wir werden von den Bauern aus der Region beliefert und sind gut versorgt - bis Weihnachten." Das Silo sei gefüllt, der Preis für seine Kunden beim Dinkelmehl stabil.

Das sagt auch Müller Erwin Lutz aus Buttenhausen, der ebenfalls im Raum Ehingen Kunden beliefert: "Unser Preis fürs Mehl ist ganz unwesentlich gestiegen, denn wir haben mit unseren Lieferanten feste Verträge auf ein Jahr." Diese seien im Herbst vereinbart worden, der Dinkelpreis habe aber erst zum Jahresende angezogen. Insgesamt hat sich der Preis für Rohdinkel seinen Angaben zufolge in den vergangenen zwei Jahren glatt verdoppelt.

Das bekommt auch die Bäckerei Knöpfle in Ehingen zu spüren. Den Preisanstieg können zwar weder Bäckermeister Jürgen noch seine Mutter Frieda Knöpfle genau beziffern, aber zurzeit zahlten sie fürs Kilogramm Dinkelmehl etwa doppelt so viel wie für ein Kilogramm Weizenmehl. "Wir mussten daher die Preise anpassen." Ein weißes Dinkelbrötchen koste nun etwa zehn Cent mehr als noch vor drei Jahren. Lieferengpässe spürt die Bäckerei aber keine. Und die Dinkelware mache auch nur etwa fünf Prozent des gesamten Sortiments aus. Bei Bäckermeister Hans Heckenberger von Bucks Höfle sind es sogar nur etwa ein bis zwei Prozent. Dass er zurzeit mit 110 Euro für 100 Kilo reines Dinkelmehl etwa 30 bis 40 Euro mehr bezahlen muss als noch vor zwei, drei Jahren sei daher "kein so großes Problem". Auch er sieht sich gezwungen, die Preiserhöhung an die Kunden weiterzugeben.

Von den Landwirten im Raum Ehingen kennt Hans Götz, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Ulm-Ehingen, nur zwei, die Dinkel anbauen. Sein Verband rät allen, die an Dinkelanbau interessiert sind, sich einen eigenen Absatzmarkt aufzubauen, um von weltmarktbedingten Schwankungen bei Angebot und Nachfrage unabhängig zu sein. Mit den Getreidepreisen sei das generell so eine Sache: "Bei Weizen und Raps hieß es zum Beispiel zum Jahresende: Jetzt sind die Höchstpreise erreicht, nun solle man rasch verkaufen. Dann kam die Ukraine-Krise, und plötzlich schoss der Preis nach oben."

Gestiegene Nachfrage

Lang vernachlässigt Die Dinkel-Knappheit ist laut Hans Götz, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Ulm-Ehingen, schon seit mehreren Jahren immer im Frühjahr und Frühsommer spürbar. Lange Zeit sei die Getreidesorte vernachlässigt worden. "In den 90er Jahren gab es dann eine Renaissance." Zu viel Angebot bei zu wenig Nachfrage, die Preise purzelten, sagt Götz, also sei wieder weniger angebaut worden. Doch seit ein paar Jahren steige die Nachfrage nach den bekömmlichen Dinkelprodukten wieder (auch nach Dinkel-Spätzle). Wenn dann auch noch aus irgendeinem Grund klassische Anbauländer weniger liefern könnten, gebe es rasch Engpässe. Das häufig genannte Argument, der gestiegene Anbau von Rohstoffen für die Biogasanlagen habe zu weniger Dinkelanbau geführt, kann Götz nicht bestätigen.

 

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