Engel mit Image-Problemen

Die Midlife-Crisis und andere Katastrophen des Älterwerdens nahm das Leipziger Kabarett "Academixer" aufs Korn und bot bei seiner gut besuchten Vorstellung therapeutische Lösungen an.

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"Ich bin normal - holt mich hier raus" meinten die Leipziger "Academixer" in der Lindenhalle zum Vergnügen der Zuschauer. Foto: Christina Kirsch

Man ist versucht, dieses ominöse Dorf "Notmannsdorf" im Erzgebirge auf der Landkarte zu suchen. Gibt es dieses Kaff hinter den Bergen wirklich? Dort soll die Not an Männern so groß sein, dass sich die Kabarettgruppe "Academixer" ernsthaft um die dort hausenden Herren sorgt. Statistisch gesehen sei dort die Frauenquote schlechter als im Vatikan, konstatiert Heike Ronniger als Beraterin in Bevölkerungsfragen. Der alleine lebende Notmannsdorfer Ralf Bärwolff tröstet sich über sein Single-Dasein mit einem Blumentopf und dem ehrenden Andenken an seinen Rauhaardackel. Ansonsten hat er sich mehr recht als schlecht eingerichtet. Doch so kann das natürlich nicht weitergehen, befindet die taffe Dame, die die weibliche Komponente in Notmannsdorf untersucht. Groß fündig wird sie nicht und gibt Empfehlungen, die an dem renitenten Single gehörig abprallen. Notmannsdorf braucht ein Begrüßungsgeld und Frauenparkplätze. Eventuell auch eine Frau, die in Form von Elisa beth Hart den eingefleischten Single eher abschreckt. "Ein neuer Dackel hätte es auch getan."

Dem Bürger ist also nicht zu helfen. Doch die "Academixer" haben sich in ihrem Programm "Ich bin normal - holt mich hier raus" die Hilfeleistung aufs Programm geschrieben. Denn die Republik sei in der Midlife-Crisis, konstatieren die drei Darsteller und finden die deutsche Schieflage in Gruppentherapiesitzungen, am Herd, bei der Verschuldung oder auch beim Eltern-Plausch auf dem Spielplatz.

Zu dritt sitzt man am Rand eines Sandkastens und unterhält sich über seine Kinder, die nicht nur so fürchterliche Namen wie Even-Etienne haben, sondern auch maximal gefördert werden. "Mein Kind spielt den ganzen Tag", befindet eine Mutter. "Drei Stunden Klavier, eine Stunde Tennis und mit einer DVD." Die therapeutische Laufbahn ist damit schon programmiert. Die "Academixer" konkurrieren in therapeutischen Sitzungen mit ihren Problemen, nerven die Therapeutin und müssen zwischendurch immer wieder therapeutisch atmen, um Luft holen zu können.

Unter der Gitarren- und Klavierbegleitung durch Ekky Meister wird im Laufe des Abends auch therapeutisch gesungen. Manchmal trägt die Truppe dick auf. So sei das Treiben von Sport ja an sich gesund. Doch es gebe Gegenbeispiele. "Möllemann hat bis zur letzten Sekunde seines Lebens Sport getrieben", stellt Heike Ronniger fest, "Und was hat es ihm genutzt?".

Das unterhaltsame Krisen-Potpourri drehte sich um falsche Erwartungshaltungen, Rentnerwünsche und gefallene Engel, die das Engel-Image satt hatten. Das war ein hübscher Seitenhieb auf die "Gelben Engel" des ADAC, die derzeit auch ein Imageproblem haben.

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