Eiszeitkunst und Flötentöne

"Das war ein gelungener Auftakt", sagte Landrat Heinz Seiffert. Die Wanderausstellung "Eiszeitliche Kunst" hatte am Dienstag in Brüssel Premiere. Besucher zeigten sich von der Präsentation beeindruckt.

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Die Flöte aus Elfenbein blieb zu Hause. Die Flötistinnen Barbara Spreer und Dorothea Federle hatten Ärger mit dem Zoll befürchtet und die Nachbildung des Musikinstruments aus dem Geißenklösterle, das zu den ältesten der Welt zählt, nicht mit nach Brüssel genommen. Obwohl es nicht aus dem Elfenbein eines geschützten Elefanten, sondern aus dem legal erworbenen Stoßzahn eines fossilen Mammuts aus dem sibirischen Permafrost geschnitzt wurde. So musizierten die beiden Blaubeurerinnen bei der Eröffnung der Wanderausstellung "Eiszeitliche Kunst" in der baden-württembergischen Landesvertretung in Brüssel auf Flöten aus Geier- und Schwanenknochen, die den 35 000 Jahre alten Originalen aus dem Achtal entsprechen. Unter den 120 Zuhörern war es währenddessen mucksmäuschenstill.

Echte Elfenbein-Produkte sind dennoch in Brüssel zu sehen: An der Stele, die über Sirgensteinhöhle (Achtal) und Bocksteinhöhle (Lonetal) informiert, hängen kleine Schmuckstücke in einem blauen Rahmen. Bernhard Röck, Elfenbeinschnitzer aus Erbach im Odenwald, hat die Repliken aus fossilem Elfenbein hergestellt. An den Stelen der Achtal-Höhlen Hohler Fels und Geißenklösterle und der Lonetal-Höhlen Vogelherd und Hohlenstein sehen die Besucher allerdings keine Repliken aus Elfenbein, sondern aus Kunststoff in sehr guter Qualität. Röck findet es gut, dass die eiszeitliche Kunst von der Alb in jener Stadt gezeigt wird, in der die Europäische Union ihren Hauptsitz hat. "Das ist ideal." Das Thema könne "nicht hoch genug angesiedelt" werden. Die Redner des Abends sahen es nicht anders: Johannes Jung, Leiter der Landesvertretung, freute sich, "Kunstschätze aus dem Dorado der Eiszeitfunde" in Brüssel zeigen zu können. Jung geht davon aus, dass die Fundlandschaften den Sprung auf die Welterbeliste der Unesco fast schon geschafft haben.

Für Prof. Dr. Claus Wolf, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege, ist die Sache noch nicht durch. Im September werde der Antrag zur Vorprüfung eingereicht, danach könnten mögliche formale Fehler korrigiert werden, um dann im Februar 2016 die Anerkennung offiziell zu beantragen. Im Winter 2016/2017 komme dann eine Delegation in die Region, die Entscheidung falle Ende Juni oder Anfang Juli 2017. "Vielleicht treffen wir uns in zwei Jahren zu einem erfreulichen Anlass wieder", sagte Wolf zu den 120 Gästen, darunter Vertreter der Kreise Heidenheim und Alb-Donau, der Städte Blaubeuren und Schelklingen, die Europaabgeordneten Dr. Inge Gräßle (CDU) und Norbert Lins (CDU) sowie die Landtagsabgeordneten Jürgen Filius (Grüne) und Martin Rivoir (SPD).

Wichtiges Ziel der neu gegründeten "Arbeitsgemeinschaft Dachmarke Eiszeitkunst" sei die Unseco-Anerkennung, sagte Alb-Donau-Landrat Heinz Seiffert. Es gebe noch viel zu tun, etwa eine bessere Vernetzung der Fundorte und eine einheitliche Beschilderung. In der Region und weit darüber hinaus müsse über die Funde informiert werden - die Wanderausstellung trage dazu bei. Medienstationen, von denen eine bereits Teil der Ausstellung in Brüssel ist, sollen in den Museen und an weiteren Orten aufgestellt werden. Seiffert war am Ende des Abends - nach den Ansprachen genossen die Gäste unter anderem Hällischen Krustenbraten, Spätzle und Alblinsensalat - zufrieden: "Es war ein gelungener Auftakt für eine bedeutende Ausstellung." Dr. Sybille Wolf von der Uni Tübingen war für die wissenschaftliche Konzeption zuständig, wesentlich mitgewirkt hatte Georg Hiller, Vorsitzender des Koordinierungsausschusses der "Dachmarke Weltkultursprung". "Das Thema hat richtig eingeschlagen", freute sich Thomas Reinhardt, Landrat in Heidenheim.

Im Landratsamt in Ulm wird die Wanderausstellung vom 25. September an zu sehen sein. In Sachen Weltkulturerbe bedürfe es weiterer gemeinsamer Anstrengungen der Beteiligten, meint Reinhardt. Im Förderverein Eiszeitkunst Lonetal knirschte es aber kürzlich, der Niederstotzinger Bürgermeister Gerhard Kieninger trat als stellvertretender Vorsitzender zurück. Reinhard hofft, dass die Fundlandschaften 2017 auf die Welterbeliste kommen. Denn mit diesem Label werde es einfacher, an Zuschüsse zu kommen. Aus Berlin oder aus Brüssel.

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