Ein überragender Lehrer

Nach 33 Jahren am Johann-Vanotti-Gymnasium in Ehingen geht Studiendirektor Winfried Brettschneider am Ende des Schuljahres in den Ruhestand. Mit ihm geht ein Stück Seele des Rektorats.

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Winfried Brettschneider teilt sein Zimmer seit 19 Jahren nicht nur mit Computern und Aktenordnern, sondern auch mit Sprudelkisten und Beamern. „Bei mir kommt alles vorbei“, sagt der stellvertretende Schulleiter des Johann-Vanotti-Gymnasiums. Schüler, die einen Beamer holen, Sekretärinnen auf der Suche nach Getränken und Kollegen, die Rat suchen. Nicht zu vergessen: die „Büßer“, die auf dem Wackelhocker Platz nehmen und bei Brettschneider Gelegenheit bekommen, über ein nicht ganz korrektes Tun nachzudenken.

Winfried Brettschneider residiert zwischen Sekretariat und Lehrerzimmer in einem schmalen Zimmerschlauch mit offenen Türen. Schon deshalb bekommt er alles mit, was sich in der Schule bewegt. Aber damit ist am 31. Juli Schluss. Der 62-Jährige geht in den Ruhestand. „Mit ihm verliert die Schule nicht nur eine herausragende Führungspersönlichkeit“, sagt Schulleiter Wolfgang Aleker, „er hinterlässt auch für mich persönlich eine große Lücke.“

Winfried Brettschneider war als junger Studienassessor am 1. Februar 1980 ans Gymnasium Ehingen gekommen. Am 8. Februar 1983 erfolgte die Ernennung zum Studienrat. Seitdem hat der – auch körperlich – überragende Lehrer viele Schülerschicksale mit einer großen Portion Güte und Freundlichkeit begleitet. Bei Brettschneider saßen die Disziplinarfälle und die außergewöhnlichen Schicksale. „Man muss als Pädagoge immer eine ganz besondere Lösung finden“, sagt der Lehrer. Er habe die schulischen Probleme oft beim Joggen oder Rasieren ganz für sich alleine erörtert, erzählt er. Das Schuljahresende erlbet er immer als eine besonders nervöse Zeit: Dann würde es in den Konferenzen knistern und das Telefon liefe heiß. Trotzdem hat Brettschneider immer eine große Ruhe ausgestrahlt. „Meine emotionale Sicherheit ist daheim“, sagt er. Schon 1976, während seines Mathematik- und Physikstudiums an der Universität Ulm, heiratete er seine Jugendliebe Elke. Mit Markus (33), Steffen (32) und Axel (27) kamen drei Söhne auf die Welt, von denen Markus bereits selber eine Familie hat.

Vielleicht ist es bezeichnend, dass der stellvertretende Schulleiter seinen Ruhestand familiär beginnt. „Wir radeln mit Schwager und Schwägerin am Main.“ Und danach gehen Brettschneiders ihren Oma- und Opa-Aufgaben beim Sohn in München nach. Denn die Kita hat zwei Wochen zu.

Winfried Brettschneider wurde in Buchloe geboren und ist in Neu-Ulm aufgewachsen. Schon während seiner Schulzeit am Technischen Gymnasium in Ulm entwickelte er zwei Leidenschaften, die ihn bis heute auszeichnen: Volleyball und Astronomie. „Vereinstätigkeit ist wichtig, wenn man Anschluss haben möchte“, sagt Brettschneider. „Als wir nach Ehingen kamen, sind wir der TSG beigetreten.“ Nicht nur den drei Söhnen war der Pädagoge ein erfolgreicher Volleyball-Jugendtrainer. Die Leidenschaft für ferne Galaxien begann bereits 1969. „Da war ich 16 und hab am Fernseher verfolgt, wie die ersten Menschen auf den Mond fliegen.“ Im Referendariat kam er am Ravensburger Albert-Einstein-Gymnasium an eine Schule mit einer astronomischen Kuppel und konnte dort Sterne studieren. In Ehingen befand sich auf dem Dach des N-Baus ein Instrument aus den 50er Jahren mit einer „liederlichen“ Montierung. Winfried Brettschneider kaufte ein C8-Fernrohr mit einer 20 Zentimeter großen Objektivöffnung, von dem die Schüler im Grundkurs Astronomie heute noch profitieren.

Brettschneider war am JVG auch Strahlenschutzbeauftragter und gab viele Fortbildungskurse zur Informatik. Unzählige Computer hat er wieder flott gemacht. Zu seinem Nachfolger wurde bereits Dieter Greulich bestellt.

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Kommentare

18.07.2015 12:24 Uhr

'Ein überragender Lehrer' - Ist das nicht schmierig??

Schön, dass die SWP den Lehrer so überschwänglich heraushebt. ''Ein überragender Lehrer' - Ist das nicht schmierig?

Dem Vernehmen nach war nicht jeder Schüler glücklich, wenn er ihn hatte.

Aber das ist ein typischer Kirsch-Artikel. Nett gemeint!

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