Ehinger züchtet Rassetiere: Leben mit Somali-Katzen

"Somali ist für mich die perfekte Katze", sagt der Ehinger Francesco Ventimiglia. Seit fünf Jahren züchtet er diese Rassekatzen, neun leben mit ihm in der Wohnung. Sie machen auch bei Wettbewerben mit.

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Kater Amor ist der World-Champion in der Familie seiner Somali-Katzen. Der Ehinger Francesco Ventimiglia demonstriert die typische Pose, wie er Preisrichtern seine Rassekatzen präsentiert.  Foto: 

Kaum hat der Gast das Wohnzimmer betreten, kommen sie aus allen Richtungen, manche schmiegen sich gleich an den Fremden an: Neun Katzen hält Francesco Ventimiglia in seiner Wohnung am Ehinger Karpfenweg. Es sind keine normalen Hauskatzen: Ventimiglia züchtet Rassekatzen, Somali heißen sie und sind die halblanghaarige Variante der Abessinierkatze (siehe Infokasten unten). Und es scheint ihnen auch viel besser zu gehen als so mancher Haus- und Hofkatze.

Denn Amor, Bella, Coco, Destiny, Galliano, Phoebi, Sorrel, Summer und Yasmeen können sich in allen Räumen der 140 Quadratmeter-Wohnung frei bewegen. "Die Wohnung gehört den Katzen und mir", sagt das Herrchen. Bis auf einen Raum: "Die Küche ist tabu". Hinzu kommt der mit 20 Quadratmetern sehr große Balkon als Auslauf, den die Katzen gerne auch als Rückzugsgebiet nutzen, auch im Winter.

Das Gästezimmer ist gleichzeitig das Kittenzimmer; Kitten sind die Jungkätzchen. "Hier richte ich dann alles her für den Wurf", erklärt Ventimiglia. Denn er züchtet auch die Rassekatzen, vermittelt die Jungen an andere Züchter weiter. 750 Euro kostet so ein Katzenkind dann, inklusive Stammbaum und Gesundheitszeugnis. Wichtig ist ihm dabei, dass der künftige Besitzer sieht, wo die Tiere herkommen, wie es beim Züchter aussieht. "Ich zeige den Interessenten alles, wenn sie herkommen." Ehrlichkeit sei wichtig, und die Tiere sollen schließlich auch glücklich leben, sagt er.

Somali-Katzen seien überhaupt sehr menschenbezogen, zwar intelligent, aber zu zutraulich: "Sie würden sofort mit jedem mitgehen." Jedenfalls seien sie sehr anschmiegsam. Weitere Vorzüge: Sie haben keine genetischen Defekte, sagt der Fachmann - höchstens Nierenprobleme, weil Katzen generell schlechte Trinker seien -, und können sehr alt werden, 18, 19 Jahre. Das alles freut den Züchter. "Somali ist für mich die perfekte Katze", schwärmt der Ehinger.

Vor zehn Jahren wurde er auf die Somalis aufmerksam, seitdem leben sie bei ihm. Er hatte die Rassekatzen bei einer Ausstellung gesehen und sich sofort in sie verliebt. Vor fünf Jahren hat er mit der Zucht angefangen. Seine Tierliebe ist aber schon viel älter: "Schon als Kind habe ich Ferien auf dem Bauernhof bei meiner Oma gemacht, mit Pferden, Hunden und Katzen." Vor allem für Letztere habe er schon immer eine Schwäche gehabt.

Bei der Zucht ist noch vieles andere zu beachten. "Es gibt klare Zuchtrichtlinien, an die man sich halten muss." So sei es wichtig, "intelligent" zu züchten, Inzucht zu vermeiden. Allenfalls Linienzucht ist in Ausnahmefällen erlaubt, das bedeutet, etwa den Vater mit der Tochter zu paaren. Denn dies trage dazu bei, die Rasse zu festigen, sagt Ventimiglia. Am besten ist es jedoch, verschiedene Stammbäume zu verpaaren. Dreimal in zwei Jahren dürfen die Katzen trächtig werden, sonst sind sie überfordert. "Denn es sind keine Gebärmaschinen." Dies schreiben die Züchterverbände wie die TICA (The International Cat Federation) oder WCF (World Cat Federation) vor, bei denen der Ehinger eingetragen ist.

Dann gibt es noch den Governing Council of the Cat Fancy (GCCF), eine Dachorganisation von Zuchtvereinen. Zu dessen Vorstandsmitgliedern zählt Barbara Pointing aus Bristol in England. Sie ist derzeit in Ehingen zu Besuch, zwischen ihr und Ventimiglia ist eine Freundschaft entstanden, "sie ist meine Mentorin", erzählt der Ehinger.

Auch bei den Wettbewerben, an denen Ventimiglia mit seinen Tieren teilnimmt. Bei diesen Ausstellungen, die in ganz Europa stattfinden, werden die schönsten Katzen prämiert. Die nächste wird in Waiblingen stattfinden. Es ist eine Art Miss-Wahl, nur eben für Katzen. Die Somali konkurrieren dabei mit anderen Halblanghaarkatzen. Bewertet werden Muskulatur, Körperbau, die Farbe und die Augen. Amor vereinigt alles davon auf sich, das Tier ist so etwas wie der Star in Ventimiglias Stall und hat schon vieles gewonnen. "Mein World-Champion", sagt der Besitzer stolz.

Vor dem Erfolg kommt aber auch hier der Schweiß: Die Katzen brauchen außer Liebe auch viel Pflege. Und: "Reich wird man nicht damit." Das Futter - die Tiere werden reichhaltig und ausgewogen ernährt -, die jährlichen Impfungen und die Reisen zu den Ausstellungen schlagen zu Buche. "Golfen ist billiger", sagt Ventimiglia, von Beruf Lehrer an der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule in Ulm. Er ist 42, sieht aber aus wie allerhöchstens 35. " Die Katzen halten mich jung."

Somali - früher verpönt, heute weltweit anerkannt

Geschichte Um die Abessinierkatze nach den beiden Weltkriegen vor dem Aussterben zu retten, bedienten sich Züchter anderer Rassen. Es kamen langhaarige Rassen hinzu, und so traten erstmals in den 50er Jahren gehäuft die Somalis auf, vorwiegend im britischen Sprachraum. 1979 sind sie erstmals offiziell anerkannt worden.

Etablierung Von Abessinierzüchtern wurden die Somalis zunächst verpönt und verschwiegen, weil diese um ihre Reputation in der Züchterwelt fürchteten. Mit den Jahren wurde die Somali aber anerkannt und hat sich etabliert.

Aussehen Die Somali kommt in sechs Farben und deren Silbervarianten vor. Als beliebteste gilt das Wildfarbene der Foxcat, wie sie auch heißt.

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