Der Natur wieder Raum geben

Erneuerbare Energie, Lebensraum für Fische und Tiere, Ökologie sowie Naherholung verbinden sich mit der Donau in Rottenacker. Gestern standen das Wasserkraftwerk und der neue Fischpass im Blickpunkt.

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Hermann Strampfer (Mitte rechts im Anzug) und interessierte Bürger beim Fischpass, der rund 250 000 Euro kostete und ein wichtiger ökologischer Bestandteil der neuen Wasserkraftturbine an der Donau in Rottenacker ist.  Foto: 

"Werdet aktiv für eine lebendige Donau" lautete das Motto des Internationalen Donautages, zu dem das Regierungspräsidium (RP) Tübingen gestern in Rottenacker einen Schwerpunkt setzte. Regierungspräsident Herrmann Strampfer nahm viele Eindrücke von dem belebten Fluss mit, der in Rottenacker Naherholung und Energie für das Wasserkraftwerk Walkermühle spendet, wo gerade die dritte Turbine fertig wurde. Damit in Verbindung entstand ein 126 Meter langer Fischpass mit 26 Becken.

"Es ist Ziel des Integrierten Donauprogrammes, dass der von vorherigen Generationen in ein enges Bett gezwängte Fluss für Fische und Kleinlebewesen wieder durchgängig wird", betonte Strampfer. 34 Wehranlagen im Bereich des RP seien bereits mit einem Fischpass ausgestattet. 43 weitere Projekte stehen noch auf der Liste. Flüsse zu renaturieren koste stattliche Summen Geld, 60 Millionen Euro wurden bisher investiert, viele weitere müssen folgen. Ein Kilometer Renaturierung erfordere zwei Millionen Euro, informierte Strampfer. Hier sei weiterhin die Hilfe des Landes gefragt. Strengen EU-Gesetzen sei es zu danken, dass der Fluss ökologisch wieder ins Lot komme.

Der Firma Meyer aus Memmingen, die seit 2004 das Kraftwerk in Rottenacker betreibt und nach gut zweijähriger Bauzeit Ende 2013 eine dritte Turbine in Betrieb nahm, zollte der Regierungspräsident Respekt und Dank für das in mehrfacher Hinsicht bedeutende Projekt. Mit Wasserkraft regenerativen Strom zu erzeugen nannte er einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz und zur Energiewende.

Rund vier Millionen Euro hat die Firma Meyer in den Bau der dritten Turbine investiert, gut eine Million Euro mehr als zunächst kalkuliert, berichtete Günther Meyer, der mit seinen Söhnen Armin und Elmar rund 40 Besucher durch die neue Anlage und zum Fischpass führte. Allerdings wird es etwa 20 Jahre dauern, bis sich diese Investition amortisiert. Extra Lob zollte Strampfer für die Gestaltung des Rechens. Er schützt mit einem Stababstand von nur 20 Millimetern die Fische, vor allem die stark gefährdeten Aale, davor, in die Turbine zu geraten.

"Einen Glücksfall für Rottenacker" nannte es Bürgermeister Karl Hauler, dass die Firma Meyer 2004 das damals marode Kraftwerk erworben hat, kurz bevor es zwangsversteigert wurde. Zunächst wurde der Bestand samt der Wehranlage saniert, dann der Bau einer dritten Turbine geplant und umgesetzt. Nun werden rund fünf Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt, zusammen mit der Stromernte von den Solaranlagen in der Gemeinde sind es sieben Millionen Kilowattstunden im Jahr. Die Haushalte in der Gemeinde verbrauchen 3,5 Millionen. Es lassen sich mit diesem Potenzial jährlich 6000 Tonnen CO2-Ausstoß vermeiden. Die Donau fließt von ihren 2888 Kilometern auf 3,6 über die Markung Rottenacker: Sie brachte der Gemeinde auch schlimme Erlebnisse wie ein Brückenunglück vor mehr als 300 Jahren und viele Hochwasser. Ihnen wird mittlerweile mit umfangreichen Baumaßnahmen und hohem Kapitaleinsatz vorgebeugt. Auch Rottenacker sei damit aktiv geworden für eine lebendige Donau, betonte Hauler. "Der Fluss ist heute unser Freund."

Der Scheich von Rottenacker

Lob "Man darf Rottenacker als beispielhafte und autarke Gemeinde in Sachen erneuerbare Energie loben und Bürgermeister Karl Hauler als ,Scheich eines besonderen Emirats bezeichnen, das sogar noch regenerativen Strom exportieren kann", sagte Regierungspräsident Herrmann Strampfer bei seinem Besuch in Rottenacker. Er zeigte sich beeindruckt vom Wasserkraftwerk und insbesondere dem Fischpass, der auf 126 Metern dreieinhalb Meter Höhe überwindet. Die jetzt sichtbaren Flussbausteine werden sich mit der Zeit mit natürlichem Bewuchs begrünen. mo

SWP

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