Der Gesang ruht

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Mit 12 Ja-Stimmen von 14 Stimmberechtigten haben die anwesenden Mitglieder des Männergesangvereins Rißtissen die Einleitung der Auflösung des Vereins beschlossen.  Foto: 

Schon die wehmütigen Blicke der Sänger sprachen bei der Jahreshauptversammlung am Freitag in der „Traube“ Bände darüber, wie sehr ihnen der Schritt nahe geht: Von den 14 stimmberechtigten Teilnehmern sprachen sich zwölf in geheimer Abstimmung für die Einleitung der Auflösung ihres Männergesangvereins aus, einer war dagegen und eine Stimme war ungültig. „Somit leiten wir die Modalitäten ein. Wenn keine Wendung eintritt, wird die Auflösung unseres Vereins in einem Jahr endgültig sein“, sagte Karl-Josef Spleiß. „Mich hat es vor diesem Tagesordnungspunkt richtig gegraust. Nach 156 Jahren Vereinsbestehen und vielen, vielen schönen und erfolgreichen Jahren“, gestand der Sängerchef. Wie der Vorsitzende erinnerte, „haben wir unsere aktive Tätigkeit als Chor nach dem Gartenfest im vergangenen Sommer eingestellt. Wir haben aus Mangel an verfügbaren Stimmen der aktuell 14 Sänger keine Möglichkeit mehr, ein sangesfähiges Ensemble zu stellen.“

Einen Verein ruhen zu lassen, um diesen nicht auflösen zu müssen, hatte er als wenig tragfähig gesehen, da die Verbandsbeiträge weiterlaufen, aber ohne die aktive Tätigkeit auch keine Einnahmen mehr zu erwarten seien. Martin Stückle sagte: „Ein Chor, der nicht mehr singt, hat seine Vereinsbasis verloren.“ Parallel auch aktiver Sänger im Kirchenchor, dort Schriftführer und Pressewart, lud Stückle die Sänger ein, sich dem gemischten Chor anzuschließen. „Wir können Männerstimmen gut gebrauchen.“ Nach den Worten von Karl-Josef Spleiß habe die Sängerwerbung in den vergangenen Jahren keinen Erfolg gebracht. Sollte sich dies wider Erwarten bis nächstes Jahr ändern und der Chor Nachwuchs bekommen, sei das Vereinsende schnell vom Tisch. Um die Auflösung des Vereins einleiten zu können, hatten die Mitglieder die Änderung der Satzung beschlossen, die seit der Wiedergründung des „Liederkranzes“ 1949 in dieser Struktur bestanden hatte.

Nach aktueller Satzung kann die Auflösung des Vereins nur durch eine zu diesem Zweck einberufene Versammlung mit Dreiviertelmehrheit beschlossen werden. Bei Auflösung fällt das Vermögen an gemeinnützige, mildtätige und kirchliche Zwecke. Obgleich die Vereinsauflösung im Mittelpunkt stand, wurden auch die Regularien abgearbeitet. Auf den verstorbenen Franz Gaißmaier folgt Karl Thomas als Kassier, der einen soliden Kassenstand meldete. An diesem habe die Betreuung des Wertstoffcontainers mit 1000 Euro Einnahmen jährlich einen großen Anteil gehabt. Ortsvorsteher Markus Stirmlinger hatte die Entlastung übernommen. Schriftführer Franz Schick ließ die Aktivitäten des Vereins Revue passieren. Er blendete kurz auf die glanzvolle 150-Jahr-Feier des Liederkranzes 2011 zurück, zudem auf die Teilnahme bei Freundschaftssingen, Christbaumsingen, Volkstrauertag und auf das eigene Gartenfest. Ein Fotobuch für die Sänger sei gestaltet worden. Mit Hildegard Bendel habe man eine kompetente Chorleiterin gehabt. Nach den Worten von Sängerchef Karl-Josef Spleiß wurden 2016 und 2017 keine Mitgliedsbeiträge mehr erhoben, da die Chortätigkeit seit Juli 2016 ruht. Dennoch hätten kameradschaftliche Aktivitäten wie der Kameradschaftsabend und das Hüttenwochenende im Lechtal stattgefunden. Beide Veranstaltungen sind auch in 2017 geplant, ebenso ein Ausflug.

Auch Ehrungen standen an: 50 Sängerjahre weisen Hans Glöggler und Franz Schick auf. Seit 20 Jahren aktiv singt Otto Ryll, seit 10 Jahren Josef Weber. Jeweils eine Flasche Wein für den fleißigen Besuch der 69 Singstunden seit dem Jahr 2014 erhielten Karl-Josef Spleiß, Karl Thomas, Hans Glöggler und Anton Maier.

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