Der Dramatik gefrönt: International Regions Symphony Orchestra in Ehingen

Mit Klassikern von Ludwig van Beethoven und Richard Wagner bot das International Regions Symphony Orchestra in der Lindenhalle in Ehingen einen Ohrenschmaus.

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    Wieder einmal eine Klasse für sich: Das International Regions Symphony Orchestra beim Konzert in der Lindenhalle. Foto: 
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    Mächtiger Applaus für Beethovens Fünfte: Dirigent Ludwig Schmalhofer und Solistin Claire Huangci am Klavier. Foto: 
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Auf dem Plakat im Foyer der Lindenhalle war noch Florian Krumpöck als Dirigent und Solist des Konzertabends mit dem International Regions Symphony Orchestra angegeben. Doch der Vielbeschäftigte, 2017 zum Chefdirigent des Orchestre de Chambre du Luxemburg gewählt, hatte abgesagt. So erlebten die Zuhörer in der mit 450 Zuhörern gut besuchten Lindenhalle mit Claire Huangci eine junge Virtuosin als Solistin am Klavier und mit Ludwig Schmalhofer einen besonnenen Routinier am Dirigentenpult.

Das International Regions Symphony Orchestra war wieder einmal eine Klasse für sich. Im ersten Programmteil war Ludwig van Beethovens letztes und wohl bekanntestes Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur zu hören, das weltweit zu den am meisten gespielten Kompositionen gehört. Einleitend mit einem ES-Dur Dreiklang des Orchesters, entwickelte die amerikanische Pianistin Claire Huangci schon in der antwortenden Kadenz große Virtuosität. Die voluminösen Klavierpassagen führten jeweils zum Hauptmotiv zurück und umspielten den prachtvollen Orchesterklang. In der Pause fragten sich die Zuhörer, ob die Solistin auswendig gespielt hätte, da keine Noten zu sehen waren. Doch Claire Huangci tippte sich blitzschnell auf ihrem innen liegenden Tablet durch die Partitur. Im 2. Satz, dem Adagio, stellten die Streicher zunächst ein getragenes Motiv vor, das von der Pianistin schwebend übernommen wurde. Vor allem hier fiel manchen Konzertbesuchern das störende Geräusch eines Hörgeräts auf, das in einem unangenehm hohen Ton den Musikgenuss beeinträchtigte. In der Konzertpause konnte der Besitzer gefunden und darauf aufmerksam gemacht werden.

Den Schlusssatz begann Claire Huangci mit einem donnerndem Fortissimo, bei dem die Finger nur so über die Tasten wirbelten. Das Orchester wiederholte das Hauptthema und führte es weiter. Man hörte das süßliche Nebenthema und den verlängerten Triller, der in die Reprise überleitete. Zackig und wild gelang der Schlusssatz, der einen triumphalen Schlusspunkt setzte. Der mächtige Applaus forderte eine Zugabe, die perlend leicht einen Gegensatz zu Beethoven setzte.

Nach der Pause frönte das Orchester dem Komponisten Richard Wagner. Man hörte die Ouvertüre zu Tannhäuser, an dessen Pariser Uraufführung die Kritiker kein gutes Haar gelassen hatten. Die Oper erschien zu undramatisch, effektarm und hatte außerdem kein Ballett. Das Orchester verströmte sich mit den Geigen und ließ das Dilemma des Sängerkriegs bereits in der Ouvertüre durchscheinen. Mit einem bezaubernden Celli-Einsatz begann der „Karfreitagszauber“ aus dem dritten Akt der Oper Parsifal. Man hörte die Klage als Grundmotiv, den Kreuzweg und die Erlösung, die von der Harfe atmosphärisch aufgelöst wurde. Die Hauptstücke aus „Tristan und Isolde“, das Prelude und der Liebestod, gaben eine Ahnung von Wagners hoch emotionaler Oper mit ihren schauerlich-süßen Momenten. Das Publikum genoss einen Abend voller Dramatik, der von den Interpreten hervorragend inszeniert worden war.

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