Dem Staub auf der Spur

Rätselhafter Staub hat in Schelklingen Autos und Häuser verschmutzt. Laut Regierungspräsidium Tübingen war im Zementwerk ein Filterschlauch defekt. Ob das die Ursache sei, stehe aber nicht fest.

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Ein Monat ist vergangen, seitdem klebriger, schwer entfernbarer Staub in Schelklingen Autos, Fenster und Dächer verunreinigt hat. In der Stadt kursieren nach wie vor Tipps, mit welchen Mitteln die seltsame Kruste entfernt werden kann. Die Behörden rätseln weiterhin über die Ursache der Staubverschmutzung. Zwar sieht das Regierungspräsidium Tübingen keine Anzeichen für eine Gesundheitsgefahr, die genauen Bestandteile des rätselhaften "mineralischen" Staubs nennt die Behörde aber nicht.

In einer gestern veröffentlichten Mitteilung bezeichnet das Regierungspräsidium das Schelklinger Werk von Heidelberg Cement als möglichen Verursacher. Mitarbeiter der Behörde seien deshalb am 9., am 14. und am 29. Januar zu einer Überprüfung im Werk gewesen. "Aber für uns steht immer noch nicht zweifelsfrei fest, dass das Zementwerk Verursacher der Staubbelastung ist", sagt Pressesprecher Carsten Dehner. Zwar sei festgestellt worden, dass am 30. Dezember ein defekter Filterschlauch im Zementwerk gewechselt wurde. Wegen dieses Defekts könne vermehrt Zementklinkerstaub ausgetreten sein. Ob dies die Ursache für die ominösen Niederschläge war, könne im Nachhinein jedoch nicht mehr ermittelt werden.

Aus diesem Grund hätten sich Regierungspräsidium und Heidelberg Cement darauf geeinigt, einen Sachverständigen einzuschalten. Das Unternehmen werde den Gutachter mit der Überprüfung möglicher Emissionsquellen beauftragen. Dabei handele es sich um Betriebsbereiche, an denen Zementklinkerstaub in nennenswertem Umfang ausgestoßen werden kann. Diese Bereiche würden üblicherweise lediglich alle drei Jahre überprüft. Mit Ergebnissen sei im Laufe des Frühjahrs zu rechnen. Bei der Überprüfung durch den Gutachter gehe es vor allem darum sicherzustellen, dass beim Betrieb des Zementwerks die gesetzlichen Umwelt-Anforderungen eingehalten werden, betont das Regierungspräsidium und ergänzt: "Nach derzeitigem Stand ist dies gewährleistet."

Abgase aus den beiden Zementöfen des Werks seien nicht für den Niederschlag verantwortlich, teilt die Behörde weiter mit. Dies hätten die Überprüfungen vor Ort ergeben. Die Daten aus der kontinuierlichen Abgasmessung seien ebenso geprüft worden wie "verschiedene andere Quellen auf dem Betriebsgelände". Darüber hinaus seien Informationen über die verwendeten Stoffe und die betrieblichen Abläufen gesammelt worden.

Aufgrund der bisherigen Ermittlungen und der Schilderungen aus Schelklingen geht das Regierungspräsidium der Mitteilung zufolge davon aus, dass es sich bei dem Niederschlag um einen mineralischen Staub handelt. Dieser sei unbedenklich: "Es bestehen keine Anzeichen, dass hiervon eine Gesundheitsgefahr ausgehen könnte."

Dass der Dampf einer am Schelklinger Bahnhof haltenden nostalgischen Dampflok die Ursache sein könnte, schließt das Regierungspräsidium mittlerweile aus. Der Staub passe nicht zu einer Dampflok. Eine Leserin hatte der SÜDWEST PRESSE geschildert, dass sie am 29. Dezember am Bahnhof in Schelklingen eine große, graubraune Wolke gesehen hatte. Sie sei eindeutig aus einer Dampflok gekommen.

Indes beschäftigt der rätselhafte Staub die Bürger weiter. So teilte ein Schelklinger unserer Zeitung mit, dass er am Freitag, 3. Januar, ein neues Auto für eine Angehörige von Ulm nach Schelklingen gebracht habe. Am Sonntag, 5. Januar, sei das neue Auto dann mit der Staubkruste bedeckt gewesen. Wegen des Dreikönigstags habe er erst am Dienstag das Schelklinger Rathaus informiert. Dort sei ihm gesagt worden, er sei der erste, der sich melde.

Längst ist der Staub auch ein Thema in der Schelklinger Kommunalpolitik. Pro Schelklingen werde in den anstehenden Haushaltsberatungen einen Antrag stellen, ein Messgerät zu beschaffen, um laufend die Schadstoffe in der Luft aufzuzeichnen, teilt Fraktionsvorsitzender Stefan Auer mit. Auch Bürgermeister Michael Knapp hat erkannt: "Die Lage ist ernst."

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