Damit das Dorf Zukunft hat

Die Dächinger Bürger sind stolz auf ihren Ort. Das wurde beim Besuch der Bewertungskommission deutlich.

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  • Mit dem Planwagen war die Kommission auch unterwegs rund um die Ortschaft. Beim Steinriegel am Rad- und Wanderweg zwischen Altsteußlingen und Dächingen informierte Inge Striebel über das Projekt, das möglicherweise um das Element Wasser erweitert werden soll.  1/2
    Mit dem Planwagen war die Kommission auch unterwegs rund um die Ortschaft. Beim Steinriegel am Rad- und Wanderweg zwischen Altsteußlingen und Dächingen informierte Inge Striebel über das Projekt, das möglicherweise um das Element Wasser erweitert werden soll. Foto: 
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Seit Jahren denkt, lebt und handelt man in Dächingen nachhaltig. Ziel ist es, die junge Generation im Ort zu halten, einen lebenswerten Raum für alle Generationen zu schaffen und gemeinsam anzupacken, wo es nötig ist. „Wir ziehen alle an einem Strang“, sagte Ortsvorsteher Alfons Köhler beim Besuch der Bewertungskommission für den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Ob Flurneuordnung, Besinnungsweg, Gewerbegebiet Alb, innerörtliche Bebauung, Infozentrum fürs Biosphärengebiet, Dorfplatzsanierung oder Kreismusikfest – ohne bürgerschaftliches Engagement wäre Dächingen nicht der lebenswerte Ort, der er heute ist.

Für die meisten Bürger sei es eine Selbstverständlichkeit, sich einzubringen, mitzumischen und Hand anzulegen, sagte Köhler und spricht vom „emotionalen Wert“ des ganzen Dorfes. Ideen werden aufgegriffen und in ehrenamtlicher Arbeit umgesetzt, dann ist es „unser Eigenes“, wie es die Jugend formulierte. So wie der Sportplatz samt Hütte und Volleyballfeld. Das Ensemble wurde nach und nach unter tatkräftiger Mithilfe der jungen Generation verwirklicht und stellt heute einen Ort der Zusammenkunft für jedes Alter dar. „Die Jugend wird wertgeschätzt, wir gehen auf ihre Wünsche ein“, betonte Köhler. Die Kommission unter Leitung von Stephan Eckardt vom Regierungspräsidium Tübingen zeigte sich beeindruckt. Schließlich geht es im Wettbewerb darum, Bürger zu motivieren, sich den Herausforderungen wie dem demografischen Wandel zu stellen und durch unterschiedliche Entwicklungen mitzubestimmen, in welche Richtung es gehen soll.

Dächingen hat mit vielen Aktionen dafür gesorgt, dass das Leben auf dem Land attraktiv ist und es auch für junge Menschen bleibt. „Der Mensch steht im Mittelpunkt und soll hier eine Zukunft haben“, betonte Oberbürgermeister Alexander Baumann. „Sei ohne Sorg’“ – das Motto des Kreismusikfestes vor vier Jahren mache die Mentalität der Dächinger Bürger und ihr Potenzial deutlich. In den vergangenen 13 Jahren wurden im innerörtlichen Bereich 14 Häuser neugebaut und 18 Sanierungen durchgeführt. Für Alfons Köhler stärkt dies im Gegensatz zu einem Baugebiet außerhalb „die Seele des Dorfes“.

Gut funktionierende Netzwerke

Mit dem Planwagen ging es für die Kommission rund um Dächingen herum, denn auch die Umgebung hat etwas zu bieten. Theresia Klöble stellte die Hochzeitsallee mit Bäumen für Paare vor, die in Dächingen heiraten und diese Bäume anschließend selber hegen und pflegen. „Hinter jede Tafel gehören Gesichter, die ab der Pflanzung zu unserem Dorf gehören.“ Den dazugehörigen Baumschnittkurs liefert Obstbaumspezialist Paul Gräter dazu.

Dank gut funktionierender Netzwerke kam auch das Projekt „Steinriegel“ zustande, das mit Bürgern aus Altsteußlingen und Schülern am Rad- und Wanderweg umgesetzt wurde. In der Form eines Fußabdruckes wurden Wildkräuter gepflanzt, gleich nebenan sorgt ein Bienenhotel für Leben. Laut Inge Striebel gibt es nun schon Ideen, die vorhandenen Quellen in der Nähe in das Projekt durch einen Barfußlehrpfad und verschiedene Becken mit einzubeziehen.

Was aus der Idee eines Einzelnen schließlich zu einem Projekt für viele werden lassen kann, zeigt auch die Kapelle „Maria auf der Höh“, die Erhard Kopp mit vielen freiwilligen Helfern baute, um Dank für seine Genesung zu sagen. Sie passt zum Besinnungsweg, der 51 Kilometer weit die sechs Ehinger Teilorten auf der Alb verbindet. „Der Weg ist die Kette, wir haben die Perlen drum herum gelegt“, beschrieb Peter Münch. 30 Tafeln und 90 Wegweiser wurden von engagierten Bürgern aufgestellt. Das Besondere dieses Besinnungsweges: Er ist der einzige zertifizierte Wanderweg Deutschlands, der ehrenamtlich konzipiert und umgesetzt wurde und nun auch ehrenamtlich unterhalten wird.

Stillstand soll es nicht geben

Auch für die tägliche Versorgung mit Lebensmitteln ist in Dächingen gesorgt. Es gibt einen Tante-Emma-Laden, den Hofladen von Karl und Rita Holzmann sowie den Hofladen von Alfons Köhler im Gasthaus Krone. Mit den Öffnungszeiten wechseln sich die drei Betriebe ab. Dieses Miteinander und das Gemeinschaftsdenken werden von Einwohnerschaft und Kunden aus dem Umkreis geschätzt. Doch Stillstand wird es auch in Zukunft in Dächingen nicht geben. Auf einem Grundstück mitten im Ort bauen Investoren ein Mehrgenerationenhaus mit acht Wohnungen, derzeit wird die Ortsdurchfahrt saniert und der Breitbandausbau soll vorangetrieben werden. „Wir sprechen hier nicht nur vom Wandel, wir setzen ihn um“, machte OB Baumann deutlich. Diese positive Entwicklung hätte zu einem neuen Bewusstsein und zu einer Stärkung der Identität geführt.

Wettbewerb Bei „Unser Dorf hat Zukunft“ wird in erster Linie die Qualität von eingeleiteten Entwicklungsschritten honoriert und nicht das erreichte Niveau. Auf Bezirksebene machen diesmal sieben Teilnehmer mit, außer Dächingen sind das Mehrstetten sowie die Ortschaften Reutlingen-Reicheneck, Leibertingen-Thalheim, Hechingen-Stetten und -Bechtholdsweiler sowie Rottenburg- Eckenweiler. Bewertet wird die Zukunftsfähigkeit der Gemeinden nach folgenden vier Kriterien: Entwicklungskonzepte und wirtschaftliche Initiativen, soziale und kulturelle Aktivitäten, Baugestaltung und Siedlungsentwicklung, Grüngestaltung und das Dorf in der Landschaft.

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