Chefin in einer Männerdomäne Frauenfrühstück: Leiterin der Ehinger Polizei gibt Einblick in ihre Arbeit

Sonja Bohlien hat in ihrer Zeit als Leiterin des Ehinger Polizeireviers den Frauenanteil von drei auf sechs Frauen verdoppelt. Auch das erfuhren gestern die Besucherinnen beim Frauenfrühstück.

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Sonja Bohlien, Leiterin des Polizeireviers Ehingen, setzte sich zu den Frauen an den Tisch und beantwortete Fragen.  Foto: 

Was macht die Leiterin des Polizeireviers in Ehingen? Wie viele Frauen arbeiten in Ehingen im polizeilichen Dienst? Gibt es für die Beamten Psychologen, wenn sie bei einem belastenden Einsatz waren? Und gibt es in Ehingen Fälle von K.o.-Tropfen? Dies waren einige der Fragen, die die Besucherinnen des Ehinger Frauenfrühstücks gestern an Sonja Bohlien, der Leiterin des Ehinger Polizeireviers, hatten. "Weibliche Führungskraft in einem traditionellen Männerberuf" war der Titel des Vormittags, an dem aber auch ganz praktische allgemeine polizeiliche Dinge zur Sprache kamen. Sonja Bohlien stellte etwa die Arbeitszeiten des Schichtdienstes vor, die hintereinander von 10 bis 20 Uhr, dann von 6 bis 13 Uhr und anschließend von 20 bis 6 Uhr laufen. Danach ist ein Tag frei.

Im Ehinger Polizeirevier sind 89 Polizeibeamte beschäftigt, darunter sechs Frauen. Als Sonja Bohlien die Leitung übernahm, waren es nur drei Frauen. In ihrer Zeit habe sich somit der Frauenanteil verdoppelt, meinte sie und bestätigte zudem, dass auch bei der Polizei "eine familienbedingte Auszeit ein Karriereknick" ist. Bei Männern und bei Frauen. Bis auch in Ehingen der Frauenanteil erheblich wachse, brauche es wegen der ländlichen Struktur seine Zeit, sagte die Referentin vor mehr als 50 interessierten Besucherinnen.

"Wer hier arbeitet, wohnt meist auch hier und scheidet erst durch Pensionierung aus", erläuterte sie. Junge Beamte werden zunächst in Großstädten wie Stuttgart eingesetzt. Das Ehinger Polizeirevier umfasst ein Gebiet, das von Laichingen im Norden über Blaubeuren, Schelklingen und Ehingen bis Munderkingen reicht. "Das sind 697 Quadratkilometer mit rund 88 000 Einwohnern", sagte Sonja Bohlien. Ihre Tätigkeit habe sehr viel mit Schreibtischarbeit zu tun, bedauerte Sonja Bohlien. Die Chefin muss sich um Personalführung, das Budget, um die Repräsentation und das Beschwerdenmanagement kümmern. Bei großen Einsatzlagen wie an der Kirbe oder der Fasnet sei sie jedoch auch "draußen vor Ort."

Die Ausbildung sei bei Frauen und Männern im polizeilichen Dienst gleich. So lernten auch Frauen, wie sie Männer überwältigen können. Bei Frauen komme es nicht auf die Kraft, sondern auf die Technik an, erläuterte die Revierleiterin. "Aber natürlich stelle ich bei einem Einsatz bei einer Schlägerei eher den breiten Zweimetermann in die erste Reihe", meinte Sonja Bohlien. Ihr sei es am liebsten, wenn bei einer Streife ein Mann und eine Frau miteinander fahren, "weil bei einem Ladendiebstahl eine Frau nur von einer Frau durchsucht werden darf." In Führungspositionen hapere es nicht nur bei der Polizei noch in Sachen Frauenanteil. Doch "wenn Frauen männlicher sind als die Männer, läuft auch etwas schief", beschrieb Sonja Bohlien die Rollenkonflikte weiblicher Polizeibeamter.

Praktische Tipps gab es zum Thema Wildunfall. "Immer die Polizei rufen, damit sie mit der Versicherung den Schaden ordentlich abwickeln können." Im Notfall solle man die 110 oder die 112 anrufen. "Da kommen Sie in Ulm raus, aber das geht zeitgleich nach Ehingen und dort sieht man, welcher Streifenwagen gerade in der Nähe ist".

Auch die Frage zur psychologischen Betreuung von Beamten beantwortete Bohlien: Die Polizei hat ein Netzwerk von Konflikthandhabern, an die sich ein Beamter wenden kann, wenn er psychologische Hilfe benötigt. Und die berüchtigten K.o-Tropfen? "Da ist mir in meiner Zeit hier kein Fall bekannt", meinte Sonja Bohlien.

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