Busbahnhof Ehingen: Geschnatter wie am Ententeich

10 Minuten . . . Warten auf den Bus am Ehinger Busbahnhof nach Schulschluss

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Bus 315 fährt los, vollgepackt mit Schülern, viele müssen stehen, die Scheiben sind bereits beschlagen. Als der Bus aus der Haltebucht drei am Ehinger Busbahnhof rausgefahren ist, taucht dahinter die "Gang" auf, die gerade aus der Stadt kommt. Die "Gang", das sind acht Jungs, fast noch Kinder, aber schon erwachsen genug, um Chinohosen zu Markenschuhen und lässigen Pullovern zu tragen. Coolnessfaktor 3000. Ein wenig getrübt wird das frühreife Gehabe dadurch, dass sie sich zu acht eine riesige Süßigkeitentüte teilen: Bonbons, Gummibärchen, Brausepulver kommen da zum Vorschein, nur um direkt in einen gierigen Schnabel verfrachtet zu werden.

Apropos Schnabel: Ein wenig hat diese Gruppe tatsächlich die Anmutung einer Entenfamilie. Die Art und Weise, wie die "Gang" mit ihren präpubertären Stimmen spricht, erinnert stark an das aufgeregte Geschnatter von Enten. Und der Busbahnhof ist gerade ihr Teich. Derjenige, der die Süßigkeitentüte in der Hand hält, wird von den anderen angesteuert, als wäre er ein in die Mitte des Teiches geworfenes halbes Brötchen. Hin, futtern, weg. Und dazwischen schnattern. Schnattern, schnattern, schnattern. Die Enten-Gang zieht in Richtung des türkischen Spezialitätenladens.

An Bahnsteig vier setzt sich eine Frau auf die Bank. Was um sie herum passiert, interessiert sie nicht. Sie hat ein Smartphone. Konzentriert blickt sie auf das Display, die Kopfhörer sind fest in die Ohren gepresst, die Musik aber ist trotzdem bestens zu verstehen. Es läuft Katy Perry.

An Bahnsteig fünf fährt ein Bus in Richtung Erbach ein. Da aber kommt die "Gang" wieder. Das heißt, zuerst ist sie zu hören. Zielstrebig steuern die acht Jungs den Bus in Richtung Laupheim an, um sich dann doch davor an dem Wartehäuschen niederzulassen. Davor wird gerangelt, wer sich setzen darf. Zwei müssen stehen, Positionskämpfe in der Gruppe.

Plötzlich taucht ein etwas älterer Junge auf, der schon durch seinen Gang die "Gang" zu beeindrucken scheint. Schwarze Hose, schwarze Jacke, graues Kapuzenshirt. Hier schießt der Coolnessfaktor in die Stratosphäre. Zumindest aus Sicht der Jungs, denn die stehen alle auf und scharen sich wie Entenjunge um die Mutter. Die "Mutter" will aber so recht nichts von der "Gang" wissen. Der Kerl dampft wieder ab, nachdem er den Busfahrer etwas gefragt hat. Kurz darauf schließt die Tür und der Bus nach Laupheim fährt ab. Zurück bleibt die "Gang" - und schnattert.

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Kommentare

16.10.2013 09:46 Uhr

Schnattern... - tun eher Frauen.

Tja, Frau Jirmann: Das ging daneben. Schnattern tun eher Frauen bzw. Mädchen.

Oder haben Sie das noch nie gehört?

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