Brunnenspringer in Munderkingen haben besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl

|

Es ist schon etwas ganz Besonderes, im ,Narrenbote’ so viel Platz eingeräumt zu kriegen“, sagt Claudia Brunner. Die Munderkinger Tradition des Brunnensprungs ziert das Titelbild der 40. Ausgabe des Magazins der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN), und eine siebenseitige Geschichte der Narrenrätin würdigt die Einzigartigkeit der Munderkinger Fasnet. Wichtig war es der als Wusele Aktiven, die wie viele die Fasnet sprichwörtlich mit der Muttermilch aufgesogen hat, nicht nur Fakten aufzuzählen. „G’schichtle und Geschichte“ verknüpft Brunner im Artikel „Ein Hoch auf meine Liebste“, in dem sie aus ihrem reichen Erfahrungsschatz berichtet, aber auch aus Gesprächen mit Brunnenspringern erzählt, zu denen sie einen guten Draht hat.

Urkundlich vor 275 Jahren erstmals erwähnt, folgt das Ritual am Fasnetssonntag und -dienstag einem festen Ablauf: Nach Trommelwirbel und Auswürfeln der beiden Brunnenspringer begeben sich diese auf den Rand des Marktbrunnens, in dem die Maischer das Wasser „in Wallung bringen“. Nach ersten Trinksprüchen tanzen die ledigen jungen Männer zum „Hopser und Schleifer“, erhalten von einer Trommmaid die Krüge mit Glühwein, leeren diese mehrmals und bringen ihren Spruch aus: „Ein Hoch auf Magistrat und Deputat, ein Hoch auf Pfarrer und Bürgersleut, ein Hoch auf meine Liebste!“ Ist der Krug ordnungsgemäß zerschellt – einen besonderen Aberglauben dazu gibt es nicht, jedoch sollte es beim ersten Mal klappen – wird gesprungen. Mindestens drei Mal. Alles ruft „Narro Hee“, und bevor die Jünglinge sich umziehen, küssen sie noch „ein jeglich Maidlein“, das ist ihr Recht.

„Wenn es richtig kalt ist, ist es leichter zu springen, denn das Eintauchen ins Wasser ist dann warm“, zitiert Brunner einen Springer in ihrem Artikel, in dem die spezifische Glückseligkeit in der Fasnetszeit, die alle echten Narren kennen, aufs Schönste beschrieben wird. Dazu gehört auch die Wehmut am Saisonende, die auch Brunnenspringer plagt. „Irgendwann, oder viel zu schnell, kommt der letzte Sprung, den man am liebsten unendlich lang auskosten würde“, zitiert Brunner einen. Beim ersten Mal, wenn diesem die Ehre zuteil wird, den Verein auch auswärts zu vertreten, ist die Aufregung groß, weiß die Narrenrätin aus ihren Gesprächen. „Ab dem zweiten Mal überwiegt dann die Vorfreude und man beginnt zu genießen“, gibt sie eine Aussage wieder. Drei Mal ist das Maximum.

Wenn man die Munderkinger Fastnacht mit Bräuchen anderer Orte vergleicht, seien dort die Trommgesellen ledige Gesellen der Handwerkerzünfte gewesen, die die Fastnacht organisieren mussten. Der Brunnensprung enthalte wohl Elemente „des alten Narrenertränkens“, wie auch von Lossprechungsritualen der Handwerkszünfte. Und Zünfte gab es in Munderkingen einst viele. Geschätzt wird, dass der Brunnensprung mit Unterbrechungen seit bis zu 500 Jahren in „Wuselingen“ Tradition hat.

Was für Claudia Brunner selbst neu war: Auf der Unterseite des Bierkrugs, den die Brunnenspringer werfen, sind Springer-Name und Datum vermerkt. So könne sie sich schon besser erklären, wie es mancher schafft, die Scherben wieder zusammenzupuzzeln. Claudia Brunner: „Manch einer hat den Krug dann zusammengesetzt Jahre später zur Hochzeit geschenkt bekommen.“ Und es gelte: Einmal Brunnenspringer, immer Brunnenspringer, „Ehemalige“ gibt’s nicht.

Jubiläum Anlässlich der urkundlichen Ersterwähnung des Munderkinger Brunnensprungs vor 275 Jahren  (1742) richtet die Trommgesellenzunft Munderkingen am 18. und 19. Februar 2017 das Landschaftstreffen der Landschaft Donau in der VSAN aus. Am Samstag, 18. Februar, beginnt es in der Donaustadt, die zur Fasnet „Wuselingen“ heißt, um 17 Uhr mit Brauchtumsvorführungen, um 18 Uhr ist Narrenmesse, bevor um 19.30 Uhr die Fasnet auf dem Marktplatz gefeiert wird. Der Sonntag beginnt um 11 Uhr mit dem historischen Brunnensprung, um 13.30 Uhr starten Zünfte der Landschaft Donau und darüber hinaus mit dem Umzug durch Wuselingen. kam

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden