Brillanter Vorleser: Andreas Eschbach liest "Todesengel"

Der erfolgreiche Schriftsteller und ehemalige Ehinger Abiturient Andreas Eschbach packt mit seinem Thriller mehrere heiße Eisen an. Zu seiner Lesung kamen viele Zuhörer ins Ehinger Gymnasium.

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Gut besucht war am Freitagabend die Aula des Johann-Vanotti-Gymnasiums (JVG). Selbst das angekündigte Fußballspiel Italien gegen Deutschland schien die Zugkraft eines Andreas Eschbach kaum zu schmälern. "normalerweise lese ich nicht in den Sälen, wo ich Deutschabitur gemacht habe", stellte Eschbach schmunzelnd fest, denn genau in dieser Aula war er 1978 geprüft worden. Für die Lesung setzte der Autor den Schwerpunkt auf das erste Kapitel seines neuen Roman "Todesengel", garniert durch kleine Einsprengsel aus folgenden Buchabschnitten.

Eschbach ist nicht nur ein vielfach ausgezeichneter Schriftsteller, sondern auch ein brillanter Vorleser. Die Akzente und Betonungen gekonnt gesetzt, schaffte er es sinngestaltend vorzutragen, ohne affektiert zu wirken. Das grausame Kapitel, gepaart mit der Art des Vortrages, führte zu einer Atmosphäre in der Aula, die man getrost als betroffen bezeichnen kann. In "Todesengel" geht es um einen "Racheengel", der einem zusammengeschlagenen 76-jährigen ehemaligen DDR-Soldaten hilft und damit aber sowohl das Opfer als auch einen darüber berichtenden Journalisten in die Bredouille bringt. Auch der ermittelnde Kommissar scheint an seine Grenzen zu kommen. Wie soll er einen tötenden Engel kriminalistisch einordnen. Der Roman zwingt den Leser zu moralischen Urteilen und zeigt die negativen Folgen von Selbstjustiz in aller Schrecklichkeit auf.

Der Schreibstil Eschbachs geht unter die Haut. Der Angriff auf den alten Mann wird, aus Sicht des Opfers, so eingänglich geschildert, es wird getreten, gespuckt und geschrien, dass den Zuhörer der Fluchtgedanke ergreift. Heiße Eisen packt der Autor mit diesem Buch wohl deshalb an, weil es um unbequeme Themen geht, die in unserem Land gerne verschwiegen oder kleingeredet werden. Eschbach spricht von "Zivilcourage und dem Mut des Bürgers" und findet es in der anschließenden Diskussion merkwürdig, "dass die Gesellschaft fragt: Was haben wir angestellt, dass der Täter so wurde?"

Auch das Missverhältnis in der Bestrafung von Eigentumsdelikten und Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit kritisiert Eschbach. Ein Steuerhinterzieher werde oft schwerer bestraft als ein Schläger. Die angreifenden Jugendlichen beschreibt der Literat "als Jugendliche mit aufgesetztem Dialekt und teurer hässlicher Kleidung". Dazu gehört Mut, denn politisch korrekt ist das nicht, aber dann doch die Lebenswirklichkeit. Richtig unbequem wird Eschbach durch den "Untertitel" zu seinem Buch "Selbstjustiz gegen staatliches Gewaltmonopol", steckt doch darin eine Kritik am Staat, der die Sorge um die öffentliche Sicherheit zunehmend vernachlässigt. Und auch Journalisten, denen Verkaufszahlen wichtiger als die Wahrheit zu sein scheinen, bekommen wohl noch ihr Fett ab.

Gefragt wurde der Dichter, wie er die Details zu seinem Buch recherchiert hat. "Das meiste steht in der Zeitung", und wenn er schreibe, recherchiere er nach Bedarf. Einem Zuhörer fiel auf, wie erwähnte Straßennamen an Opfer von Straftaten im öffentlichen Raum erinnerten. So gibt es eine Dominikstraße und eine Brunnerstraße. Eschbach bestätigte diese Übereinstimmung. Das habe er bewusst eingearbeitet, um der Opfer zu gedenken. Eines dieser Opfer hieß Dominik Brunner. "Im Roman ist alles synthetisch", und wenn der Leser das erkenne, sei das von ihm gewollt. Mit der Lesung war der Abend für Eschbach nicht zu Ende. Viele der Zuhörer reihten sich geduldig in eine Warteschlange, um ihre Eschbach-Bücher signieren zu lassen.

Die Lesung, mitorganisiert vom Ehinger Buchladen, fand vor dem Hintergrund des 25jährigen Bestehens des Fördervereines des Gymnasiums statt.

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