Braumeister Franz-Josef Schökle voller Ideen

Nicht verkopft, sondern ganz nah beim Kunden ist der experimentierfreudige Franz-Josek Schökle vom „Adler“ in Moosbeuren: Einmal im Monat lässt er die Gäste tief in seine Bottiche schauen. Zur Zeit tüftelt er unter anderem an einem Starkbier.

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    Seit Herbst 2015 Brau-Hockete in der Adler Brauerei in Moosbeuren am ersten Montag im Monat mit Brauermeister Franz Josef Schökle Foto: 
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    Seit Herbst 2015 Brau-Hockete in der Adler Brauerei in Moosbeuren am ersten Montag im Monat mit Brauermeister Franz Josef Schökle Foto: 
  • Seit Herbst 2015 gibt es am ersten Montag im Monat eine Brau-Hockete in der Adler Brauerei in Moosbeuren. Ein großer Stammtisch aus dem Winkel stieß diesen Monat gut gelaunt an, während Brauermeister Franz Josef Schökle per Spindel den Stammwürzegehalt maß. Später erklärte er Hans-Peter Brenner und Eveline Gerster aus Biberach den Brauvorgang am Bottich. 3/3
    Seit Herbst 2015 gibt es am ersten Montag im Monat eine Brau-Hockete in der Adler Brauerei in Moosbeuren. Ein großer Stammtisch aus dem Winkel stieß diesen Monat gut gelaunt an, während Brauermeister Franz Josef Schökle per Spindel den Stammwürzegehalt maß. Später erklärte er Hans-Peter Brenner und Eveline Gerster aus Biberach den Brauvorgang am Bottich. Foto: 
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In Radlerhosen kommt zu späterer Stunde eine weitere Gruppe in den Gastraum. „Wir hatten jetzt Glück, wir wussten gar nichts von der Hockete“, sagt eine Frau aus Altheim. Wirtin Maria Britsch, Braumeister Franz-Josef Schökle und seine Schwester Bernadette wirbeln routiniert umher und eröffnen mangels Plätzen noch den gediegenen Saal – einst ein Stall. Zum Ambiente tragen nicht nur die Hopfen-Deko oder die zünftigen Gerichte wie Schlutzkrapfen bei, sondern vor allem die Dünste, die aus den Braubottichen des vergleichsweise winzigen Sudwerks steigen. „Mitten im Brauhaus statt nur nebenan“, das könnte die Devise der Wirtsfamilie sein, die für die jeden ersten Montag im Monat stattfindende Brauhockete nur Werbung in Form von Mundpropaganda macht.

Und die zieht Kreise, „vor allem im Herbst und Winter wird sie rege besucht“, sagt Schökle, der soeben Hans-Peter Brenner und Eveline Gerster aus Biberach erklärt hat, dass der übrige Treber nach dem Einmaischen, das er demonstriert hat, als Viehfutter genutzt wird. Die beiden kennen das „Adler“ vom Schützenfest. „Wir finden das hier klasse. Man muss die kleineren Brauereien unterstützen“, sagt Brenner, der dann begeistert von  der wiedereröffneten Hausbrauerei Weichhardt in Biberach berichtet, in der Wirt Mecky als Unikat ein Highlight sei.

Nach dem Ausschenken von ein paar Bieren posiert der 34-jährige Braumeister Schökle wie selbstverständlich noch mit einer Radlergruppe aus Mietingen. „Einer von uns hat von dieser Brauhockete gehört, und dann haben wir uns entschlossen, mal herzukommen“, sagt Berthold Berg aus Mietingen.

Am Nebentisch genießt Hans Rieger sein Bier mit einigen Freunden. „Wir sind öfter hier“, sagt der Bürgermeister von Unterwachingen und Hausen am Bussen. Daher kennt er schon die Schritte, die Schökle zeigt: Vom Einmaischen über das Abläutern und Würze kochen inklusive Hopfengabe und anschließendem Anstellen der frischen Würze (Abkühlen und mit Luft sowie Hefe versetzen) kann der Braumeister, der in Ulm an der Gewerblichen Schule sein Handwerk gelernt hat, viel zeigen. Mit einer Spindel misst er den Stammwürzegehalt, was anfangs auch für Fragen aus dem Gastraum gesorgt hat. Einen Vortragscharakter hat die Veranstaltung nie. Eher den einer gläsernen Produktion.

„Dann beginnt die Gärphase“, erklärt Schökle, was nach der Brauhockete noch passiert. „Das dauert fünf bis sieben Wochen je nach Biersorte, ob untergärig oder wie beim Weizen obergärig.“ Sein Bier – im „Adler“ wird ausschließlich naturbelassenes Bier aus regionalen Zutaten gebraut – hält sich vier Monate und wird nicht nur in Moosbeuren in der Brauerei verkauft, sondern auch in Biberach an zwei Verkaufsstellen, im Raiffeisenmarkt in Oberstadion und in Rottenacker bei Optis Getränkemarkt.

„Wir sind schon in voller Planung für den Winterbier-Anstich“, sagt Schökle, der das Datum auch mit dem Wintermarkt am 25./26. November angibt und für den 2. Oktober natürlich wieder eine Brauhockete plant, diesmal auch mit Live-Musik. Auch den „Heavy-Wenkel-Rock“ mit Heavy Metal Bands will er im Herbst wieder veranstalten.

„Ich will noch viele verschiedene Sachen machen“, sagt der ideenreiche Brauer auch in Sachen Bier. „Ich mache nur Craft-Biere, aber nach deutschem Reinheitsgebot.“ Hefen-, Malz- und Hopfensorten machten viel aus, „da kann man so viel spielen, und das soll auch die Herausforderung sein, mit dem Reinheitsgebot viele verschiedene Geschmäcker hinzubringen, von Erdbeer- und Bananennoten oder zitrusartig bis hin zu Röstaromen, die in Richtung Kaffee gehen.“ Auch die Lagerung in Fässern, die zuvor bereits für Hochprozentiges oder Wein gedient haben, sei denkbar. Genaueres will Schökle, dessen Hauptlieferanten Bentele in Dittmannsweiler/Tettnang und Schwabenmalz aus Baustetten sind, noch nicht verraten. Nur so viel: Nächstes Jahr soll zu den bisherigen Sorten (siehe Infobox) ein Starkbier kommen, „natürlich auch mit einem schönen Fest umrahmt“.

Warum dem Bierbrauer die Nähe zum Kunden so wichtig ist und er sich gern in die Bottiche und somit in die Karten schauen lässt? „Die Offenheit kommt davon, wenn man in einer Wirtschaft aufgewachsen ist und der Umgang mit Gästen einfach normal ist.“ Ihm sei es „wichtig, dass die Leute nicht einfach nur ihr Bier trinken, sondern dass ich ihnen näherbringe, was beim Brauprozess passiert und was alles dazugehört“. So entstehe eine neue Beziehung des Kunden zum Produkt. Daher kann jedermann auch unterm Monat zu jeder Zeit vorbeischauen im „Adler“ in Moosbeuren und in die Produktion gucken, sagt Franz-Josef Schökle: „Immer wenn der Sudhaus-Kamin raucht.“

Sorten In der „Adler“-Brauerei in Moosbeuren wird nach gut zehn Jahren Pause seit 2014 wieder Bier gebraut. Familie Britsch-Schökle hat die bis 1596 zurückreichende Tradition wiederbelebt. Inzwischen gibt es die Sorten „Adler Hell“, „Anno 1596“, ein bernsteinfarbenes Lager-Bier (von März bis Ende November), das Pils „Hop-Stuff“, das Moosbeurer Winterbier (dunkler, etwas kräftiger, vollmundig mit leichter Rauchnote durch Rauchmalz) und die Wenkl-Weiße (Weizenbier).

Crafted Als Craft Beer bezeichnet Brauermeister Franz-Josef Schökle sein Bier. Der Begriff kommt aus den 70er Jahren, als sich von Nordamerika ausgehend von Hobbybrauern der Trend zur Kleinstbrauerei entwickelt hat. Craft bedeutet Handwerk. Heute geht es um die von großen Brauereigruppierungen unabhängigen Brauereien, die ihre Produkte in bewusster Konkurrenz zu den Konventionellen als besonders hochwertig bewerben.

Verbund Schökle hat sich dazu vor wenigen Jahren mit sieben anderen Brauereien zusammengetan: Adlerbrauerei in Hundersingen, Brauerei Kronburg (Kronburg), Bulzinger Brauerei (Rietheim), Weichhardt (Biberach), Grüner Baum (Fleischwangen), Schöre (Tettnang) und Schlossbrauerei Aulendorf. Er bildet mit diesen die „Schwäbisch-Alemannischen Kleinbrauer“ als losen Verbund, der sich gemeinsam vermarktet: „www.alemannische-kleinbrauer.de“. kam

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