Bildungserfolg in der Migrationsgesellschaft ist Thema einer Tagung

Die Eltern sind ein entscheidender Faktor für den Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen in der Migrationsgesellschaft. Eine Tagung in Ehingen bot am Freitag wichtige Informationen dazu.

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Dringend notwendig sei eine funktionierende Integration, sie sei sogar eine "wirtschaftliche Notwendigkeit": Ehingens Bürgermeister Sebastian Wolf wählte am Freitag im Franziskanerkloster deutliche Worte. Weit mehr als 50 Prozent der Kinder zwischen drei und fünf Jahren in der Ehinger Kernstadt haben einen Migrationshintergrund. Jedes dritte Kind in der Ehinger Kernstadt, das erstmals in einen Kindergarten kommt, hat keine Deutschkenntnisse. Angesichts dieser Fakten sei das Thema Integration in Ehingen "Chefsache", betonte Wolf - sowohl OB Baumann als auch ihm sei das ein sehr wichtiges Anliegen. Wolf und andere Redner betonten, dass die Eltern eine zentrale Rolle beim Bildungserfolg der Kinder spielen. Dies wird so auch im kürzlich vorgelegten Integrationsbericht der Stadt erwähnt. Dort ist aber auch zu lesen, dass sich die Elternarbeit schwierig gestaltet.

Ein wichtiger Anlass also für die "Vernetzungstagung Bildungserfolg in der Migrationsgesellschaft", zu der die Lokale Agenda Ehingen, die Stadt und der Alb-Donau-Kreis einluden. Das Thema hat Bedeutung - Moderatorin Dr. Ursula von Helldorff konnte deshalb viele Vertreter von Bildungseinrichtungen, von Vereinen, Organisationen und Ehrenamtliche begrüßen.

Über die Mitwirkung der Eltern am Bildungserfolg werde vor allem in den Kommunen entschieden, sagte Wolfgang Klenk, der als Geschäftsführer des - auslaufenden - Projekts "Netzwerke für Bildungspartner" einen Überblick über die Situation im Land hat. Die Eltern hätten im Übrigen als Steuerzahler schließlich auch einen Anspruch darauf, dass ihre Kinder eine gute Bildung erhielten. Bemerkenswerte Ansätze trug der Autor und Fachdienstleiter Andreas Foitzik aus Reutlingen in seinem Referat vor. Er plädierte unbedingt dafür, den "Anderen" nicht als defizitäres Wesen wahrzunehmen, das nur Probleme macht oder hat. "Migrationssensible" Arbeit mit Eltern sei weniger eine Frage der richtigen Methode als eine Frage der Haltung. Foitzik zählte mögliche Barrieren auf: Eltern fehle das Wissen über das deutsche Schul- und Ausbildungssystem, ihnen fehle unter Umständen die Sprache und stützende Netzwerke, es könne bei den Eltern eine prekäre Lebenssituation, Diskriminierungserfahrungen, Schuldgefühle und Scham geben. Bei den Einrichtungen gehören festgefügte Abläufe und Strukturen, fehlende Zeit und eine fehlende kulturelle Vielfalt im Kollegium zu den Zugangsbarrieren. "Ist es eine deutsche Schule oder eine Schule in Deutschland?" - die Antwort auf diese Frage sei wichtig. Nicht die Menschen sollten der Institution angepasst werden, die Institutionen sollen sich vielmehr so weiterentwickeln, dass sie für alle gleichwertige Angebote bereithalten. Frühe Kontaktaufnahmen zu Eltern - und zwar schon vor einem Konfliktfall - seien wichtig. Dieser Kontakt sollte durchgehend sein. Erziehern und Lehrern sollte klar sein, dass Eltern ihr Kind am besten kennen und dass Eltern grundsätzlich für ihr Kind das Beste wollen. "Diese wertschätzende Haltung ist die Grundlage der Zusammenarbeit", sagte Foitzik. Entscheidungen der Eltern müssten akzeptiert werden. Die muttersprachlichen Kompetenzen der Eltern sollen als Ressource - und nicht als "Störung" - gesehen werden. Eltern sollten auch nicht ständig mit der Erwartung konfrontiert werden, sie sollten zuerst Deutsch lernen. Wenn möglich, solle versucht werden, muttersprachliche Kommunikationsmöglichkeiten zu schaffen. Foitzik sprach sich dabei für die Bildung eines "Dolmetscher-Pools" aus. Schlüsselpersonen seien wichtig - dies könnten andere Migranteneltern sein, aktive Nachbarn oder Vereins-Vertreter. Doch Foitzik stellte auch klar: "Elternarbeit braucht Zeit und Geduld."

Wie Elternarbeit in der Praxis aussieht, war danach in drei verschiedenen Seminaren zu hören. Dabei wurden Projekte aus Ehingen und der Region vorgestellt. Die wichtigste Grundlage für eine gute Elternarbeit: Eine solide Finanzierung sei entscheidend, sagten Teilnehmer.

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