Bewegende Szenen über den Tod

Selbst wer die Trilogie der Theatergruppe Emerkigen rund um den Tod schon mehrfach erlebt hat, ist immer wieder fasziniert vom Tiefgang und der Wirkung dieser Stücke. Jetzt kamen sie zum letzten Mal auf die Bühne.

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Die Akteure der Emerkinger Theater-Trilogie und die geehrten Helfer der Theatergruppe, vereint auf der Bühne.  Foto: 

57 gebannte Zuschauer. Auf der kleinen Bühne im Alten Rathaus setzen die Darsteller der Theatergruppe Emerkingen die Trilogie "Umschonscht isch d'r Dod" des Ulmer Autors Manfred Eichhorn in Szene und es ist mucksmäuschenstill. Seit Herbst 2013, als die drei Einakter erstmals gespielt wurden, hatte die Theatergruppe in Emerkingen, Ulm, Schwäbisch Gmünd, Salem und im Saarland damit Aufsehen erregt und beste Kritiken erhalten. Nun soll es das letzte Mal gewesen sein?

Es ist mutig und zugleich beispielhaft, wenn sich eine Laien-Theatergruppe mit dem Tod als einem sehr ernsten und bewegenden Thema auf der Bühne auseinandersetzt - und doch real und wichtig. Denn der Tod gehört zum Leben, nur wollen sich die Menschen nicht mit dem Sterben beschäftigen. Beim Theater in Emerkingen tun es Akteure und Zuschauer auf außergewöhnliche Art, das letzte Stündlein wird gegenwärtig auf unterschiedliche, auch ironische Weise. Tragisch zeigt sich das Lebensende bei den beiden Obdachlosen Isabelle und Jakob (Yvonne Kopp und Roland Röller) auf einer Parkbank. Beide sind vom Leben enttäuscht, sie frieren und haben Sorgen, weil es doch so herbstelt und bald Winter wird. Isabelle ist krank, hat Fieber, Jakob deckt sie mit einer Zeitung zu und schenkt ihr eine rote Rose, die er im Papierkorb gefunden hat. Blumen hat Isabelle zuvor fast nie bekommen. Und während sie darüber nachdenken, wie sie Weihnachten unter der Brücke feiern werden, macht sich Isabelle davon in ein anderes Leben, wie das Schwälbchen, das sie so oft auf einer Rose beobachtet hatte.

Unter dem Titel "Unerwarteter Besuch" erlebt das Publikum die Geburtstagsfeier für Agnes im Seniorenheim mit. Die zum Teil recht boshafte Verwandtschaft hat sich bei Sahnetorte versammelt und eigentlich warten alle darauf, dass es nun mit Agnes bald zu Ende geht. Sie tut ihnen den Gefallen beim Geburtstagskaffee und steht im neuen Leben als aparte und schlaue junge Frau auf der Bühne, die mit Latein und mathematischen Formeln überrascht. "Ich wusste ja, dass ich es nochmal brauchen kann", sagt sie. In dem Stück agieren Martina Illich, Carmen Roth, Manfred Lang, Silke Benkendorf und Yvonne Kopp.

"Letzte Worte" sagt sich ein Ehepaar auf dem Totenbett (Ilona Röller und Albert Rieger), das bei einem unverschuldeten Unfall ums Leben gekommen, aber auch noch nicht ganz tot ist. Beide denken über ihr Leben nach, was sie versäumt haben oder hätten anders machen sollen. Und sie sagen sich mal richtig die Meinung. Den Kindern am Totenbett (Carmen Roth und Dominik Sauter) gehen die Bratwürste für den Leichenschmaus, das Testament und die Lebensversicherung der Eltern durch den Sinn.

Auch in diesem Stück fehlt es nicht an schwarzem Humor und so darf durchaus geschmunzelt werden. Mit einem großen Schlussapplaus wurden alle Akteure vom Publikum belohnt. Für einige Idealisten, die nicht auf der Bühne stehen, sondern die Theatergruppe seit vielen Jahren hinter den Kulissen unterstützen, gab es eine Ehrung. Dazu war eigens der Vizepräsident des Amateurtheater-Landesverbandes, Markus Joos, nach Emerkingen gekommen. Er überbrachte silberne Ehrennadeln für Christine Neubrand und Meinrad Kopp für 25 Jahre ehrenamtliches Mitwirken sowie Hubert Schlosser für 20 Jahre, Klaus Weiher erhielt für zehn Jahre die bronzene Auszeichnung.

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