Autos und Häuser durch Calciumcarbonat verschmutzt

Beim mysteriösen Staub in Schelklingen habe es sich um Kalkstein gehandelt. Das haben Experten des Landeskriminalamts ermittelt. Am Dienstag haben Behörden eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht.

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Um die Jahreswende hat eine mysteriöse Staubwolke Autos und Häuser in Schelklingen verschmutzt. Am vergangenen Donnerstag haben sich jetzt Vertreter der Polizei, der Stadt, des Landkreises und des Regierungspräsidiums im Schelklinger Rathaus getroffen, um sich über die Erkenntnisse auszutauschen. Polizei, Stadt und Regierungspräsidium veröffentlichten dazu am Dienstag eine gemeinsame Stellungnahme.

"Als wichtigstes Ergebnis ist festzuhalten, dass die im Bereich Schelklingen gefundenen Staubniederschläge keine Gefahr für die Gesundheit oder die Umwelt darstellen", heißt es in der Erklärung.

Beim Treffen erläuterte das Polizeipräsidium Ulm seine Ermittlungsergebnisse. 61 geschädigte Bürger, größtenteils aus dem Stadtgebiet, hätten sich beim Polizeiposten Schelklingen oder beim Polizeipräsidium Ulm (Bereich Gewerbe/Umwelt) gemeldet und Anzeige erstattet. Die Bürger klagten über beschädigte Fahrzeuge, Gebäudedächer, Dachfenster und Photovoltaikanlagen. Nach den Aussagen müsse davon ausgegangen werden, dass die Staubniederschläge hauptsächlich um die Weihnachtszeit bis zum Jahreswechsel erfolgt seien, heißt es in der Erklärung. Das Polizeipräsidium ließ vom Landeskriminalamt (LKA) Stuttgart mehrere Staubproben von Ablagerungen analysieren und bewerten. Das Ergebnis des LKA-Gutachtens sei eindeutig, berichtet die Stellungnahme: Bei den verkrusteten Ablagerungen handele es sich um reines Calciumcarbonat (CaCO3), das heißt um Kalkstein. Anhand der Art des Belages - es handelt sich um Verkrustungen - hält es das LKA für möglich, dass Vorläuferprodukte von Kalkstein wie Branntkalk (CaO) oder gelöschter Kalk (Ca(OH)2) freigesetzt worden sind. Aufgrund des Gutachtens bat die Polizei das Regierungspräsidium Tübingen darum, die Firma Heidelberg Cement in Schelklingen auf die vom Landeskriminalamt genannten Stoffe zu überprüfen.

In der Erklärung heißt es dazu: Heidelberg Cement verwende gelöschten Kalk zur Minderung von Emissionen. Am 3. April habe das Regierungspräsidium eine gezielte Überprüfung der Quellen unternommen, die in der Firma für eine Freisetzung von gelöschtem Kalk in Frage kommen. Das Ergebnis: Von den zwei in Frage kommenden Quellen sei eine während des vermuteten Ereigniszeitraums außer Betrieb gewesen. Bei der anderen Quelle könne eine unbemerkte Freisetzung aufgrund der baulichen Situation ausgeschlossen werden.

Das Regierungspräsidium Tübingen berichtete bei dem Treffen auch über die vorhergehenden Untersuchungen. Am 9. Januar ist die Behörde demnach erstmals über den Staubniederschlag informiert worden. Das Regierungspräsidium ist für die Genehmigung und Überwachung der umweltrelevanten Anlagen des Werks von Heidelberg Cement zuständig. Am 9., 14. und 29. Januar, am 13. Februar und am 3. April seien deshalb Überprüfungen im Werk durchgeführt oder veranlasst worden.

So habe es mehrmalige Überprüfungen der Emissionsquellen an den beiden Zementöfen anhand der Protokolle gegeben. Die Abgase aus den beiden Schornsteinen der Zementöfen würden rund um die Uhr gemessen, heißt es in der Erklärung. Es habe mehrmalige Begehungen vor Ort bezüglich weiterer Staubemissionsquellen, teilweise gemeinsam mit der Polizei Ulm, gegeben. Zudem seien Protokolle über Filterwartung, Filterwechsel und mehr ausgewertet worden. Es sei außerdem eine gesonderte Prüfung der Staubemissionsquellen für Zementklinker durch externe Sachverständige veranlasst worden. Zudem seien die "Betriebsfahrweisen möglicher Emissionsquellen" ausgewertet und mit der Beschwerdesituation abgeglichen worden.

"Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass für den Zeitraum, in dem die Freisetzung einer Staubwolke beobachtet wurde, für die Freisetzung von Branntkalk oder gelöschtem Kalk durch die Firma Heidelberg Cement kein Beweis gefunden wurde", heißt es in der Erklärung. Auch die zu späteren Zeitpunkten beobachtete und aufgrund des Wetters zeitweise bemerkbare Abgasfahne des Werks könne als Ursache für den Staubniederschlag ausgeschlossen werden. "Dies wäre sonst in den kontinuierlichen Messungen nachweisbar gewesen", heißt es in der Erklärung.

Das Regierungspräsidium werde dieses Ergebnis in einer abschließenden Stellungnahme an die Staatsanwaltschaft Ulm übermitteln. Die Staatsanwaltschaft werde dann entscheiden, ob es weitere Ermittlungen geben soll.

Staatsanwalt Michael Bischofberger antwortete dazu gestern auf eine Anfrage der SÜDWEST PRESSE: "Mir liegen derzeit noch keine Erkenntnisse vor, dass ein Anfangsverdacht für eine strafbare Handlung gegen bekannte Beschuldigte angenommen werden konnte." Der für den Vorgang zuständige Staatsanwalt sei gerade nicht im Dienst, so dass Unterlagen des Regierungspräsidiums auch nicht in der laufenden Woche bewertet werden könnten. Eine Auskunft gibt die Staatsanwaltschaft voraussichtlich in einigen Wochen.

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Kommentare

15.05.2014 09:00 Uhr

Klar - das kommt NIENIENIE vom Zementwerk! Ja, woher denn sonst???

Kommt sicher nicht aus Mutters Kochtopf!

Ich meine da immer: ZUMACHEN, wenn so ein Betrieb sich so windet!

" Anhand der Art des Belages - es handelt sich um Verkrustungen - hält es das LKA für möglich, dass Vorläuferprodukte von Kalkstein wie Branntkalk (CaO) oder gelöschter Kalk (Ca(OH)2) freigesetzt worden sind. Aufgrund des Gutachtens bat die Polizei das Regierungspräsidium Tübingen darum, die Firma Heidelberg Cement in Schelklingen auf die vom Landeskriminalamt genannten Stoffe zu überprüfen.

In der Erklärung heißt es dazu: Heidelberg Cement verwende gelöschten Kalk zur Minderung von Emissionen."

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