Ausstellung: Glastürme und Monster

Eine Doppelausstellung mit Werken von Reiner Seliger und Uwe Lindau ist in der Galerie Schrade in Schloss Mochental eröffnet worden. Glasskulpturen und expressive Malerei sind zu sehen.

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Reiner Seliger vor seinen Skulpturen. Er stellt gemeinsam mit Uwe Lindau Kunstwerke in der Galerie Schrade aus.  Foto: 

"Die gezeigten Künstler können unterschiedlicher kaum sein", meinte die Kunsthistorikerin Julia Uti in ihrer Vernissage-Rede zur Eröffnung der Ausstellung mit Kunstwerken von Reiner Seliger und Uwe Lindau. Während Reiner Seliger leise, formreduzierte Skulpturen von starker Präsenz zeige, male Uwe Lindau laute Bilder mit expressivem, starken Gestus. Die jeweils 40 bis 50 Werke der Künstler verteilen sich im ganzen Haus.

Im zweiten Stock stehen im Hubertussaal die Skulpturen von Reiner Seliger, der den treuen Mochental-Besuchern bereits vertraut ist. Der Bildhauer verwendet Ziegel, Marmor und Glas als Material, das er zu architektonischen Gebilden wie Türmen, Spindeln oder kegelartigen Skulpturen schichtet. Die Säulen streben schlank nach oben, während andere Körper bauchig in sich ruhen. Reiner Seliger fand bereits als Kind Gefallen am Bauen und sammelte in der Nachkriegszeit Bruchstücke von zerstörten Mauern. Einige seiner kleineren Skulpturen seien Statik-Studien als Stabilitätstests, meinte die Rednerin.

Alle Arbeiten Seligers bestechen durch das homogene Farbspiel ihrer Oberflächen, das sich bei den Ziegeln in Terrakottatönen und in den Marmorarbeiten in einem glänzenden Weiß ausdrückt. Neu sind bei Seliger geschichtete Glastürme, die sich im Vorbeigehen farblich vom Flaschengrün bis zum Schwarz verändern. Eine neuartige Klebetechnik sei der Grund für dieses optische Phänomen, erläuterte der Künstler.

Ganz anders arbeitet Uwe Lindau, der die Farbe in mehreren Schichten und Erzählebenen auf den Bildträger wie Leinwand oder Fensterflügel bringt. Der Künstler male oft mehrere Monate oder Jahre an einem Bild, erklärte Julia Uti. So sehe man in der Ausstellung beispielsweise mit "Platz der Rettungsringe" ein Triptychon, das bereits 1995 begonnen wurde. Seitdem habe es viele Stadien durchlaufen und wurde unter einem völlig anderen Titel, nämlich "Maikäfer flieg" ausgestellt. "In seinem Jetzt-Zustand ist es seit 2008, was nicht bedeutet, dass es so bestehen bleibt, falls es je wieder in Lindaus Atelier finden sollte", meinte die Vernissage-Rednerin. Auf Uwe Lindaus Bildern finden sich Wesen wie Tiere, Gnome und Monster, auch ein Ikarus oder Schmetterlinge sind zu sehen. Eine immer wieder vorkommende Figur ist der "Blutküsser". Alles wird jedoch immer wieder übermalt, versteckt und hervor geholt. Während bei Uwe Lindau die Welt außer Rand und Band zu sein scheint, ist sie bei Reiner Seliger wohl gestaltet und geordnet.

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