Anbaggern zwecklos

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Nach der Wahl ist vor der Wahl: Anja Hirschel war, ist und bleibt Mitglied der Piratenpartei.  Foto: 

Ausgegangen ist die Ulmer OB-Wahl am Sonntag gleich im ersten Wahlgang. Doch zu Ende ist sie damit noch lange nicht. Gehört doch zu den wesenstypischen Erscheinungen nach einer Wahl, dass ihre Protagonisten zu gratulieren und zu danken pflegen - meistens ganz egal, wie sie abgeschnitten haben.

Als Meisterinnen des gepflegten Dankes, der auf gute Kinderstuben schließen lässt, erwiesen sich gestern, am dritten Tag nach der Wahl, die beiden jüngsten Kandidatinnen. Also die parteilose Ex-Piratin und von der Satire-Organisation "Die Partei" unterstützte Lisa Collins und die echte Piratin Anja Hirschel.

Erstere beansprucht für sich, "dank meines großartigen Einsatzes" das beste "Die-Partei"-Ergebnis bei einer Oberbürgermeisterwahl in Ulm eingefahren zu haben. Was freilich, das sei satiremäßig entgegengehalten, kein Kunststück war. Der Spaßfaktor "Die Partei" hat nämlich erstmals überhaupt in eine Ulmer OB-Wahl eingegriffen. Collins findet wenig freundliche Attribute für den wie sie unterlegenen "Herrn Stadtrat-Landtagsabgeordneten von der Umfall-Partei". Umso überschwänglicher gratuliert sie dem Wahlsieger, bietet ihm Hilfe an, "wenn's mal klemmt" und dankt sonst denen, "die mir ihre Stimme gegeben haben".

Das waren am Sonntag dann doch 1468 weniger gewesen als bei Anja Hirschel. Sie sagt in einer Pressemitteilung zuerst 1850 mal Danke, nämlich jedem einzelnen derer, "die mir ihr Vertrauen geschenkt haben". Und dann weiter zu danken all ihren "fleißigen Helfern, ohne die eine solche Anstrengung über so viele Wochen nicht möglich gewesen wäre". Verschiedentlich sei der Wunsch "nach einer parteilichen Neuorientierung meinerseits" an sie herangetragen worden. Für ihre Verhältnisse ungewohnt gestelzt beschreibt Hirschel den Umstand, dass andere Parteien auf ihre erfrischende Art des politischen Auftritts - "mit ehrlicher Fachkompetenz" - aufmerksam geworden sind. Das hat nicht nur zu Unterstützung durch die Wählervereinigung Ulm hoch 3 geführt, sondern auch zu einer Wahlempfehlung durch die örtliche FDP.

Jedoch: Anbaggern zwecklos. Unmissverständlich lässt die 32-Jährige wissen: "Meine Kandidatur sollte nicht als Werbeaktion für eine politische Karriere in einer anderen Partei missverstanden werden . . . Ich sehe die Piratenpartei nicht als Sprungbrett, sondern als das, was sie ist: meine politische Heimat."

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