Alles aus Liebe zum Kesselfleisch

Bei den Gebühren für die Fleischbeschau im Alb-Donau-Kreis haben die Kreisräte nichts zu melden - sie können sie nur zur Kenntnis nehmen. "Dagegen schwätzen" können sie aber schon.

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"Ich gebs zu. Es war eine emotionale Entscheidung: Ich wollte die Gebühren für Hausschlachtungen niedrig halten", sagte Landrat Heinz Seiffert jüngst in der Sitzung des Verwaltungsausschusses des Kreistags. Denn, so fügte der Landrat hinzu: "Sonst wirst Du ja gar nirgends mehr zum Kesselfleisch eingeladen, was eh schon selten genug passiert." Gekochtes vom frisch geschlachteten Schwein, Blut- und Leberwürste, dazu Sauerkraut, schmecken dem Landrat offensichtlich.

Aber nicht nur deshalb wolle er die Gebühren nicht zu stark erhöhen, denn die immer seltener werdenden Hausschlachtungen gehörten nun mal "zum Dorf und zur Dorf-Idylle". Statt 19,90 wird es pro Schwein künftig 23 Euro kosten, das Fleisch auf dem eigenen Hof untersuchen zu lassen. "Bei rund 800 Hausschlachtungen im Jahr wirkt sich das ja nicht großartig aus."

Soweit das Plädoyer des Landrats für schwäbische Traditionen. Er wurde in der Diskussion über die "Gebühren für Erzeugnisse tierischen Ursprungs" von den Kreisräten mächtig in die Mangel genommen. Ungerecht, nicht nachvollziehbar, unglaubwürdig, lautete die Kritik. Dabei haben die Kreisräte zu den Gebühren gar nichts zu sagen, können sie lediglich zur Kenntnis nehmen. Festgelegt werden sie von der Kreisverwaltung, basierend auf EU-Verordnungen: Fixkosten, Tariferhöhungen, Fahrtkosten und so weiter werden mithilfe komplizierter Formeln auf seitenlangen Excel-Tabellen errechnet. "Ich betreue schon 20 Jahre lang kommunale Haushalte, aber die Fleischbeschaugebühren waren schon immer die schlimmsten Tagesordnungspunkte", sagte Seiffert irgendwann. "Aber plagt mich nur weiter."

Karl Hauler etwa klagte, dass die Gebühren für kleine Metzger um 13 Prozent erhöht werden: "Die haben kurze Transportwege, füttern ihre Schweine sogar zwei Tage, bevor sie sie schlachten." Sie müssen aber die gleichen Gebühren bezahlen wie Schlachthöfe: 11,20 statt bisher 9,90 Euro: "Und im Schlachthof kann man die schon geschlachtete Sau für 15 Euro mitnehmen." Manfred Nothacker wies darauf hin, dass die Gebühren in den Kreisen sehr unterschiedlich ausfallen: "Bei uns sind Schafe am billigsten, Schweine liegen dafür an der oberen Grenze, dabei beträgt die Kostensteigerung da gerade mal sechs Prozent. Warum erhöhen wir dann um 13? Das wollte auch Karl Traub wissen: "Die Grenzgänger nach Biberach reden doch darüber, wo man wie viel zahlt." Traub fürchtet offenbar um den Ruf des Alb-Donau-Kreises. Er wollte denn auch die Kalkulation sehen, die der Neuregelung zugrunde liegt. "Ich kann zwar nicht dagegen stimmen, aber dagegen schwätzen kann ich schon", sagte Traub. Das sei wie in der Sitzung des Verwaltungsrats der Sparkasse, an der er kürzlich teilgenommen habe - und in der es ganz offenbar um die umstrittene Scala-Sparverträge ging. "Da sagte OB Gönner auch, ,Ihr könnt gar nicht dagegen stimmen, bloß zur Kenntnis nehmen." Die Diskussion ging lustig weiter: Vielleicht könnte man ja für handwerkliche Metzger eine Kategorie zwischen Haus- und gewerblicher Schlachtung einführen? Und dann die Sache mit der Lebendbeschau von Masthähnchen, hier steigt die Gebühr von 0,66 Cent pro Tier auf 0,71 Cent. Ein "Schwachsinn", wie Seiffert sagte: "Wenn 12 000 Göckele im Stall sitzen, sieht doch kein Mensch, wenn da einer den Kopf runterhängt."

Dass die Kreisräte den Landrat so "plagten", hatte letztlich doch Erfolg. Er werde in der nächsten Sitzung des Verwaltungsausschusses "ganz sauber" darlegen, wie die Gebühren zustande kommen, versprach Seiffert. Deshalb werden die höheren Gebühren auch nicht wie geplant zum 1. November in Kraft treten. Das stört sicher keinen - weder Hausschlachter noch Metzger noch Großschlachtbetrieb.

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