Affe trifft auf Eule: Ungewöhnliche Sammlung im Museum

Das Äffchen hält eine Walnuss in der Hand, es schaut ein wenig irritiert. Kein Wunder. Der Affe muss sich sein Zuhause mit einem großen Fuchs, einem Igel und so manchen anderen Waldtieren teilen. . . Doch das ist eine andere Geschichte. Der kleine Affe ist Teil der Tiersammlung, die das Ehinger Museum präsentiert. Sowohl die Sammlung als auch deren Geschichte sind ungewöhnlich.

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Die beiden präparierten Kanarienvögel haben die Jahrzehnte gut überdauert. Sie und viele weitere Vögel sind in der Tiersammlung des Museums zu sehen.  Foto: 

Eine Meldung im "Volksfreund für Oberschwaben" vom September 1891 belegt, dass Friedrich Kaulla, der damalige Besitzer des Rittergutes Oberdischingen, die Sammlung - 30 bis 35 Kästen - an das Ehinger Gymnasium schenkte, berichtet Stadtarchivar Dr. Ludwig Ohngemach. Außer Vögeln umfasste die Sammlung damals auch Vierfüßler, von Raubtieren ist die Rede, sowie Käfer, Schmetterlinge und Vogeleier.

Auch ohne Raubtiere macht die Sammlung staunen: Die Vogelsammlung umfasst den wahrscheinlich vollständigsten Bestand einheimischer Arten, der aus der Mitte des 19. Jahrhunderts erhalten geblieben ist. Viele Vögel, die heute bei uns ausgestorben sind, sind zu sehen. Außerdem gibt es drei Schaukästen mit tropischen Vögeln. Deren Gefieder leuchtet so bunt, dass man es kaum glauben mag, dass die Tiere schon seit mehr als einem Jahrhundert tot und konserviert sind.

Eine Großtrappe ist ausgestellt - ja, sie ist wirklich groß, ein kleines Kind mag sie erschrecken -, außerdem Zeisige, Finken, ein Pirol, ein Bienenvogel, Dohlen, eine Blauracke, verschiedene Eisvögel. Brachvögel recken elegant ihre langen und leicht gebogenen Schnäbel. Ein Handkatalog erklärt Besuchern, um welchen Vogel und welches Tier es sich handelt. Viele der Exponate erhielten zudem ein Schildchen.

Irgendwann muss die Sammlung das Gymnasium verlassen haben, schreibt Ohngemach. Später gingen die Kisten in den Besitz des Bezirksaltertumsvereins über und gelangten in dessen Museum. Wann das geschah, ist jedoch nicht bekannt.

Die Herstellung der Sammlung muss einst viel Zeit verschlungen haben. Die Kulissen imitieren den natürlichen Lebensraum der jeweiligen Arten. Hinter den Schneehühnern erhebt sich etwa ein Gebirge, Seevögel tummeln sich am gemalten Bodensee. Jene Kulissen geben auch einen Hinweis auf die Entstehung der Sammlung, berichtet der Stadtarchivar: Auf einer der Kulissenmalereien ist die Ruine von Schloss Montfort am Bodensee zu sehen. Diese Mauern wurden Mitte der 1850er Jahre abgetragen und durch einen Neubau, der 1861 fertig geworden ist, ersetzt. Im Vordergrund ist weiterhin das Dampfschiff "Kronprinz" abgebildet, das im Jahr 1839 in Dienst gestellt wurde.

Risse an den Kästen wurden mit Leinwand und Papier verschlossen. Mit besonderem Papier. Zum Teil handelt es sich laut Ohngemach um Abfallpapier aus der Zeit des so genannten Malefizschenken, Graf Franz Ludwig Schenk von Castell (1736 bis 1821). Daneben finden sich Zeitungen aus der Kaulla'schen Zeit, das heißt nach 1851. Geht man also davon aus, dass die Kästen gleichzeitig entstanden sind, dürfte dies nach 1851 gewesen sein.

Eine lange Zeit für die vielen Tiere. Doch die vielen Vögel präsentieren nach wie vor stolz ihr Gefieder, die Schwäne recken die Hälse. Die gemalten Kulissen sind bunt, von Strahlern schön in Szene gesetzt. Das Äffchen hält seine Walnuss fest. Und wundert sich wohl immer noch darüber, dass es bei Igel, Fuchs und Eichhörnchen gelandet ist. Bei den exotischen Vögeln hätte es ihm besser gefallen.

Info
Öffnungszeiten Ehinger Museum: mittwochs 10 bis 12 Uhr & 14 bis 17 Uhr, samstags und sonntags 14 bis 17 Uhr. Silvester geschlossen.

Bedeutende Familie

Biografie Friedrich Kaulla (1807 bis

1895) erwarb die Herrschaft Oberdischingen 1851 von Graf Ludwig Anton Schenk von Castell (gestorben 1876). Friedrich entstammte der bedeutenden jüdischen Hoffaktorsfamilie Kaulla. Das Handelshaus war insbesondere als Heereslieferant in den napoleonischen Kriegen sowie als Geldgeber des Stuttgarter Hofes in Erscheinung getreten und gehörte um 1800 zu den süddeutschen Großunternehmen, berichtet Stadtarchivar Dr. Ludwig Ohngemach. Joseph Wolf Kaulla, ein Bruder Friedrichs, bemühte sich von 1841 an für sich selbst und für seinen Bruder um die Erhebung in den erblichen Adel. In diesem Zusammenhang ist laut Ohngemach auch der Erwerb der Herrschaft Oberdischingen zu sehen, wobei die Anlage der Tiersammlung möglicherweise als Teil des erstrebten adligen Lebensstils zu verstehen wäre.

SWP

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