"Sechs Tage bunt zugegangen"

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Handschrift des "Gehorsamen Dieners Rottacker", des Hausmeisters im Schloss Obermarchtal, der noch 1817 seine Auslagen anmahnte.

Im Herbst 1805 sei die Idee eines Militärlazaretts in dem zwei Jahre zuvor eingerichteten Residenzschloss zwar verworfen worden, dafür habe im Juni 1806 der französische, als bescheiden beschriebene Divisionsgeneral Seroux sein Hauptquartier für die Grand Armee 6. Corps in der früheren Erbprinzen-Wohnung eingerichtet. "Sechs Tage bunt" zugegangen sei es aber nach dem Einzug des französischen Marshalls Michel Ney am 18. Juli in der Erbprinzessinnen-Wohnung, entnahm Archivar Dr. Martin Dallmeier den Protokollen. Zu allem Überfluss habe auch noch der französische Brigadegeneral Cassall am 9. August Quartier bezogen, wo doch schon am 2. August die Kosten für Quartier und Verpflegung nach französischer Art auf 5178 Gulden angelaufen waren. Erst am 28. September seien die französischen Hauptquartiere nach Ulm verlegt worden. Die Händler um Umland dürften das bedauert haben, denn sie hatten ein gutes Geschäft gemacht.

Acht Jahre später setzte Fürst Karl Anselm von Thurn und Taxis im Frühjahr 25 Louisdor (Goldmünzen) aus, um zumindest die Requirierung des Schlosses Öpfingen als Etappenspital zu verhindern. Gegen ein Spital in der Kaserne und im Deutschen Haus in Ehingen sowie im Kloster Söflingen als Alternative zu Marchtal hatte sich "die Landesobrigkeit Württemberg vehement gewehrt". Vom 18. bis 20. März wurde das Übergabeprotokoll für das Schloss Marchtal für Spitalzwecke vorbereitet.

Der in Obermarchtal verbliebene Rentmeister Blocken betrachtete es Ende 1814 als einen glücklichen Zufall, dass er und seine Familie gesund geblieben waren. So habe er nur Barauslagen für 182 Maß Wein, 20 Pfund Kaffee, 30 Pfund Zucker, sechs Maß Kirschengeist sowie für Butter und Service zu beklagen. Der Hausmeister des Schlosses namens Rottacker hatte nicht so viel Glück: In seiner Familie seien alle krank geworden, wie er noch 1817 in einem Ersuch zur Erstattung seiner Auslagen anmahnt. Dies beweist sein Brief an die fürstliche Verwaltung in Bad Buchau: "Da nun die Sache so liegt, und meine Forderung mit der fürstlichen Sachen verbunden ist, so bin ich gezwungen, ein hochfürstliches Oberrentamt zu bitten, und da von seiten Württemberg noch lange andauern kann, daß Oberrentamt der hochfürstlichen Stelle mein Gesuch an das Herz zu legen, daß ich meine Forderung von daher erhalten möchte und der gnädigste Fürst und Herr doch weder als ich zuwarten kann, und umso mehr hoffe ich die Gnad zu erhalten, als diese Auslagen und Verdienst im höchsten Dienst geschah, wo ich mir alle mögliche Miehe gab allen sich ergebenden Schaden abzuwenden suchte, und ich mich nicht nur allein dem höchsten Dienst witmete, sondern meine ganze Familie wurde dadurch in Bewegung gesetzt, die sehr viele Dienste geleistet haben, und sich mit mir in die Gefahren gegeben, die bey dem zweymalligen Einzug in das Schloß zu befürchten war", schreibt der "Gehorsame Diener Rottacker". Mit dem Verweis auf die Krankheiten in seiner Familie und die Beschlagnahmung aller Mitglieder als Helfer argumentiert er weiter, der Einsatz sei "VISITIERT?]besonders beim letzten Spital den ganzen Winter über nicht nur bey Tag, sondern bey Nacht" anstrengend gewesen, man habe "mit Furcht und Schrecken" den Nachtwächtern geholfen, ihre Runden zu drehen.?]

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